Hauptsache Belohnung

Bestrafungen zu vermeiden ist kein Lernanreiz für jugendliche Gehirne

Wenn du nicht lernst, kriegst du eine schlechte Note, bleibst du sitzen, kürze ich dir das Taschengeld, kriegst du Hausarrest, darfst du nicht auf die Party. Wenn eure Eltern euch mit solchen Sprüchen quälen, um euch ans Arbeiten zu bringen, dann machen sie was falsch. Denn die Gehirne von Jugendlichen sind so gar nicht auf Bestrafungen und ihre Vermeidung eingestellt und können darum aus ihrer Androhung auch keinen Lerneffekt ziehen. Sie reagieren dafür aber besonders gut auf Belohnungen. Eltern und Lehrer_innen täten also gut daran, mehr positive Anreize zu schaffen und Belohnungen in Aussicht zu stellen.

Das legt zumindest eine Studie britischer Forscher_innen um Stefano Palminteri vom University College London nahe, die in Versuchen verglichen haben, unter welchen Bedingungen sich Jugendliche und Erwachsene wie entscheiden und wie das mit zuvor Gelerntem zusammenhängt.
Im Rahmen eines Spiels mussten jugendliche und erwachsene Testpersonen immer zwischen zwei Symbolen entscheiden. Alle Symbole waren mit einer festgelegten Gewinnwahrscheinlichkeit verknüpft, bei einigen konnte man mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einen Punkt gewinnen, bei anderen passierte meist nichts, bei anderen gab es ziemlich sicher Punktabzug.

Die Spieler_innen konnten die Symbole und ihre Gewinnwahrscheinlichkeit nach einiger Zeit - zumindest theoretisch - recht gut erkennen. Es zeigte sich aber, dass Jugendliche sich schwerer taten, die Symbole, die zu einem Punktabzug führten, zu vermeiden.
Beim Einprägen der Punktgewinn-Symbole waren sie ansonsten genau so gut wie die Erwachsenen. Erwachsene waren besonders erfolgreich, wenn sie jedes Mal gesagt bekamen, was passiert wäre, hätten sie das andere Symbol gewählt. Diese Information bewirkte bei den Jugendlichen hingegen rein gar nichts.

Aus ihren Experimenten schlussfolgern die Wissenschaftler_innen, dass jugendliche Gehirne einfach anders lernen als erwachsene. Jugendliche lernen nicht, um Bestrafungen zu vermeiden und sie profitieren auch nicht von was-wäre-gewesen-wenn-Informationen. Auf Belohnungen sprechen sie jedoch gut an.

Die Aussicht auf ein Eis, wenn die Vokabeln gekonnt wurden, ist also deutlich wirkungsvoller als die Taschengeldkürzung, wenn sie nicht gekonnt werden.

Das müsst ihr jetzt nur noch euren Eltern und Lehrer_innen beibringen ;-).

Die Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin PLOS Computational biology erschienen.

Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 22. Juni 2016