Gut gemeint, aber nutzlos

Studie: Allgemeine Ratschläge gegen Mobbing sind oft oberflächlich und helfen Opfern nur wenig

Wer Opfer von Mobbing wird, sei es in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz, kann sich oft kaum retten vor guten Ratschlägen von Freund_innen, Kolleg_innen und der Familie. Zwar sind solche Tipps natürlich nur gut gemeint, aber die meisten sind für die Betroffenen unpraktisch oder machen alles sogar noch schlimmer. Das ist das Ergebnis einer Studie, die von der Iowa State University durchgeführt wurde.

"Wenn man Mobbing nie erfahren hat, versteht man es nicht und es ist schwer, sich vorzustellen, was man selbst eigentlich in der Situation tun würde", sagte Stacy Tye-Williams, Assistenz-Professorin für Kommunikations-Studien und Englisch an der Iowa State University. In ihrer Studie befragten Tye-Williams und Kathleen Krone, Professorin an der University of Nebraska-Lincoln, fast 50 Mitarbeiter_innen mit Mobbing-Erfahrung. Zu den häufigsten Ratschlägen, die sie hören bekamen, gehörte: "Kündige!" Abgesehen von den finanziellen Auswirkungen, sei dieser Rat für die Mobbing-Opfer auch deshalb nicht verständlich, weil sie das Gefühl hätten, selbst ja nichts falsch gemacht zu haben und sie deshalb auch nicht einsähen, einen Job zukündigen, den sie mögen, so Tye-Williams.

Solche Ratschläge führen dann oft dazu, dass die Betroffenen glauben, sich moralisch rechtfertigen zu müssen und den Missbrauch hinnehmen, um die Mobber nicht gewinnen zu lassen. Die Entscheidung, leise zu leiden, verbessert selten die Situation für die Opfer, weiß Tye-Williams.

Zu den weiteren sterotypen Ratschlägen, die Mobbing-Opfer sich anhören müssen, gehören Ausagen wie "Verlassen Sie die Situation" (27 Prozent), "Ignorieren Sie die Mobber" (23 Prozent), "Kämpfen Sie gegen den Tyrannen" (17 Prozent), "Bleib ruhig" (10 Prozent) oder "Melden Sie, dass Sie gemobbt werden" (10 Prozent). Einem kleinen Prozentsatz wurde auch geraten, ihr eigenes Verhalten zu ändern.

Opfer würden den gleichen schlechten Rat geben
Doch den oder die Angreifer_in direkt mit seinem Verhalten zu konfrontieren, kommt für viele Opfer nicht in Frage, da sie Angst haben vor Vergeltung oder weiterer Demütigung. Und weil damit die Handlungsoptionen schwinden, verharren viele darin, nichts gegen die Mobbing-Situation zu unternehmen. Interessant ist aber, dass die Betroffenen selbst solche schlechten Ratschläge geben würden, wenn sie anderen in so einer Situation helfen sollten. Dies beweise laut den Forscherinnen, dass hilfreiche Strategien für den Umgang mit Arbeitsplatz-Tyrannen wenig bekannt sind.

Offener Dialog
Wie aber kann ein effektiver Umgang mit solchen Situationen aussehen? Die Entwicklung einer Methode müsse mit einem offenen Dialog beginnen, in dem die Menschen sagen können, was ihnen geholfen hat und in dem nach kreativen und unterschiedlichen Lösungen gesucht wird, erklärt Tye-Williams. Vor allem sollten mehr Erfolgsgeschichten verbreitet werden, in denen Mobbig-Opfer erfolgreich ihre Situation verändert haben. Das Beste, was Familienmitglieder, Freund_innen und Kolleg_innen tun können, ist, einfach erstmal urteilsfrei zuzuhören, um den Betroffenen zu helfen, selbst Lösungsstrategiern zu entwickeln.

Unterbindung von Emotionen verursacht mehr Schaden
Was Mobbing-Opfern gar nicht weiterhelfe, sei der Rat, nicht zu weinen oder sich aufzuregen. Wenn man dazu angehalten werde, seine Gefühle zu verbergen, werde die Erfahrung klein geredet. Die sei ein "wirklich seltsamer Rat", so Tye-Williams, denn es sei doch normal, emotional zu reagieren, wenn man auf diese Weise behandelt wird. "Die Opfer zu beruhigen, richtet eine Menge Schaden an. Wenn wir über traumatische Arbeitserfahrungen sprechen, ist es wichtig, dass die Menschen ihre ganz normalen Emotionen ausdrücken können", so der Wissenschaftler.

Hinzu kommt, dass wenn Mobbing-Opfern geraten wird, sich zu beruhigen, sie dazu neigen, nicht mehr über die Situation zu sprechen und dann eben still leiden, wie Studien ergaben. Deshalb sei es notwendig, den Opfern einen sicheren Raum anzubieten, wo sie offen über die Situation sprechen können, erklärt Tye-Williams.

Oft seien Arbeitgeber mit solchen Situationen überfordert, da es schwierig ist, eine rationale, logische Antwort auf eine irrationale Situation zu finden. In vielen Fällen erwarteten die Manager von den Mitarbeiter_innen, die Situation auf eigene Faust zu lösen. "Das Management ist nicht immer gut darin, Menschen in Konfliktsituationen zu unterstützen. Sie erwarten, dass die Mitarbeiter_innen es selbst lösen oder erst gar nicht ansprechen", sagte Tye-Williams. "Dabei ist es nicht so, dass Manager nicht helfen wollen, sie wissen oft nur nicht, wie." Zu verstehen, dass allgemeine Ratschläge zur Bekämpfung von Mobbing am Arbeitsplatz oft nicht funktionieren sei ein erster Schritt, um nach besseren Alternativen zu suchen.

Die Untersuchung wurde im Journal of Applied Communication Research veröffentlicht.

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