Gut gemacht!

Studie: Uns vor Augen zu halten, was wir selbst gemeistert haben, hilft uns besser durch Krisen zu kommen

Krisen wie die Corona-Pandemie lösen bei den meisten von uns Ängste und auch Ohnmachtsgefühle aus. Manche können damit allerdings besser umgehen als andere; was bei der einen an die Substanz geht, lässt den anderen scheinbar aktiv und kreativ werden. Das zeigt, dass Menschen sich offenbar unterschiedlich schnell von belastenden Ereignissen erholen. Bei der Widerstandsfähigkeit - genannt Resilienz - spielen Faktoren wie positive Emotionalität, Optimismus, die Fähigkeit zur Selbstregulation, soziale Kompetenz, die Fähigkeit, Probleme zu lösen und soziale Unterstützung eine große Rolle. Ein Team der Universität Zürich hat nun gemeinsam mit Kolleg_innen aus New York untersucht, wie sich die psychische Widerstandskraft in negativen Situationen stärken lässt.

Die Dinge beeinflussen können
"Ein zentrales Element der Resilienz ist die Selbstwirksamkeit – also der Glaube, dass wir Dinge wenigstens im Kleinen beeinflussen können, auch wenn manches unveränderbar ist", sagt Psychologieprofessorin Birgit Kleim. Eine selbstwirksame Person ist überzeugt, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können. Dabei ist es egal, ob jemand tatsächlich dazu in der Lage ist oder nicht. Ohne diesen Glauben an die eigenen Fähigkeiten würde man Herausforderungen gar nicht annehmen, so die Studienleiterin. Selbstwirksame Menschen zeigten höhere Problemlösungsfähigkeit, mehr Durchhaltevermögen sowie veränderte Gehirnaktivierungen in Regionen, die mit der Verarbeitung von Gefühlen in Verbindung stehen.

Freudvolle Erlebnisse oder positive Leistung?
Aber kann man diese Eigenschaften fördern, um diese positiven Effekte zum Beispiel auch in Zeiten von Corona zu nutzen? In ihrer Studie untersuchten die Forschenden 75 Personen, die unter einer negativen emotionalen Erinnerung litten. Bevor sie sich daran erinnerten und es neubewerteten, sollte sich eine Gruppe intensiv ein positives Ereignis wie etwa ein besonders schönes Naturerlebnis oder eine freudvolle Begegnung vorstellen. Die andere Gruppe sollte sich ein Ereignis vorstellen, bei dem sie sich als selbstwirksam wahrgenommen hatte: ein erfolgreiches Gespräch, das Bestehen einer schwierigen Prüfung oder einen erfolgreichen Vortrag. Das Ergebnis: "Die Erinnerung an eine spezifische Episode von Selbstwirksamkeit hatte sehr viel mehr Effekte als die Erinnerung an ein positives Ereignis", fasst Birgit Kleim zusammen. Personen, die sich lebhaft vorgestellt hatten, wie sie selbst eine Situation gemeistert hatten, fiel es leichter, eine negative Situation neu zu bewerten und aus einer anderen Perspektive zu sehen. Sie nahmen die negative Erinnerung als weniger belastend wahr im Vergleich zu den Proband_innen, die sich nur an ein positives Erlebnis erinnert hatten, zu dem sie selbst nichts beigetragen hatten.

Die Studienergebnisse zeigten auf, dass Erinnerungen an erfolgreich durchlebte schwierige Situationen gezielt in Krisensituationen eingesetzt werden könnten, so die Forschenden. Sie sind überzeugt, dass dies auch in der Corona-Pandemie ein Schutzschild gegen die negativen Effekte sein könnte.

Falls ihr demnächst mal wieder unter einem Anfall von Corona-Blues leiden solltet, stellt euch also vor, wie gut euer letztes Referat war, wie liebevoll ihr eure Freundin getröstet habt oder wie souverän ihr ein Streitgespräch mit euren Eltern gemeistert habt ;-).

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung