Glück allein macht auch nicht glücklich

Amerikanische Forscherinnen stellen sich gegen den Glückstrend: Nicht Alles was mit Glück zu tun hat, macht auch wirklich glücklich.

"Das Streben nach Glück", das ist nicht nur ein Filmtitel, es ist sogar in der Amerikanischen Verfassung als unveräußerliches Recht verankert. Und tun wir das nicht alle? Ist es nicht der Traum und das Ziel beinahe jedes Menschen immer und rundum glücklich zu sein?

"Man kann nicht immer glücklich sein", "Es gibt kein Recht auf Glück", "Man muss sich auch mal schlecht fühlen, um die guten Dinge wirklich wertschätzen zu können". Habt ihr einen dieser Sätze auch schon mal zu hören bekommen? Dann nehmt sie euch zu Herzen! Denn eine Übersichtsstudie im psychologischen Journal "Perspectives on Psychological Science" hat diese Alltagsweisheiten nun wissenschaftlich untermauert. Glücksgefühle sollten nicht als universell „gut“ gelten, denn auch sie haben ihre Schattenseiten. Die drei  Wissenschaftlerinnen June Gruber von der Yale University, Iris Mauss von der the University of Denver and Maya Tamir von der Hebrew Univerity of Jerusalem, beschreiben verschiedene Aspekte von Glück, bei denen das der Fall ist.

Wer krampfhaft nach Glück sucht, ist am Ende unzufrieden
Eigentlich ist es eine gute Sache, sich Gutes zu tun, und auf Dinge zu achten, die positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben: das kann bedeuten morgens in Ruhe eine Tasse Kaffee zu trinken oder abends vor dem Schlafengehen noch einen Tee; sich Zeit für ein gutes Buch zu nehmen, oder sie bewusst mit Freunden oder dem oder der Liebsten zu verbringen – all das ist gut und gesund, solange wir nicht die Bedingung daran knüpfen, jetzt gefälligst auch glücklich sein zu müssen.

Bücher, CDs, Seminare, es gibt viele Möglichkeiten, die einem versprechen, den Weg zur Glückseligkeit zu finden – oft führt gerade das aber zu unangemessen hohen Ansprüchen an das eigene Empfinden. Ist man dann nicht in der Lage die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen, kommt es zu Unzufriedenheit, man ist am Ende weniger glücklich als zuvor.

In einer Studie von Iris Mauss wurde genau das untersucht: Die Probanden wurden in zwei Gruppen unterteilt: die erste Hälfte las einen Zeitungsartikel über den Wert des Glücks, danach schauten beide Gruppen eine fröhliche Komödie. Die TeilnehmerInnen, die den Text zuvor nicht gelesen hatten, waren danach weitaus fröhlicher als die anderen: diese hatten größere Hoffnungen an ihre Gefühle geknüpft und waren nun enttäuscht, nicht so glücklich und gelöst zu sein, wie erwartet.

Zuviel Glück verkürzt die Lebenserwartung
Auch zu viel Glück kann zum Problem werden: Eine andere Studie beobachtete Kinder der 1920er Jahre bis ins hohe Alter. Die überraschende Erkenntnis: gerade die Teilnehmer, die von ihren Lehrern als besonders glückliche Kinder mit sonnigem Gemüt bezeichnet worden waren, starben durchschnittlich früher. Die Forscher begründen das damit, dass besonders glückliche Menschen weniger kreativ denken und dazu neigen, mehr Risiken einzugehen. Bekannt ist das von Menschen mit einer Manie, also einer krankhaft übermäßig gehobenen Stimmung. Diese neigen dazu, sich selbst zu überschätzen und rücksichtslos zu handeln, ohne an die Folgen zu denken, zum Beispiel sehr viel Geld auszugeben, zu schnell zu fahren oder viele Drogen zu nehmen. June Gruber vermutet einen ähnlichen Mechanismus auch bei gesunden Menschen: „auch wenn man keine psychiatrische Störung hat, kann ein zu hoher Grad an Glück etwas Schlechtes sein.“

Manchmal ist Glück einfach falsch
Ein weiterer Aspekt, dem die Forscher sich widmeten sind Glücksgefühle in unangemessenen Situationen. Denn auch wenn wir dazu neigen uns allumfassendes Glück zu wünschen: es gibt Momente und Umstände in denen Glück einfach nicht richtig ist. Wenn man zum Beispiel jemanden trauern sieht oder hört, dass einer nahestehenden Person etwas zugestoßen ist – in solchen Momenten ist es unangemessen und sicher nicht gesund, sich glücklich zu fühlen. Auch hier bemerken Gruber und ihre Kolleginnen, dass dieses Empfinden sich auch bei Patienten mit einer Manie zeigt. In solchen Situationen dennoch Glück zu empfinden, kann auch bedeuten, unter einem Mangel an negativen Emotionen zu leiden, bzw. diese zu verdrängen. Doch auch sie gehören zum Leben dazu, ohne sie ist ein stabiles Leben nicht möglich. Schließlich haben auch negative Gefühle eine Funktion, auf die man nicht verlustfrei verzichten kann. Wenn man zum Beispiel keine Angst verspürt, fehlt eine wichtige Barriere, sich unnötigen Risiken auszusetzen.

Stabile Beziehungen und kleine Glücksmomente
Den besten Weg zu einem stabilen und zufriedenen Leben, sehen die Forscherinnen also nicht darin, das größtmögliche Glück zu erlangen. Die Lösung liegt für sie in guten sozialen Beziehungen und sicheren Bindungen.
Also: sorgt gut für euch und eure Lieben und wartet nicht auf das große Glück. Denn sonst verpasst ihr vielleicht die vielen kleinen Glücksmomente: die Blume am Wegesrand, die fünf Kicherminuten mit der besten Freundin in der Pause oder auch nur, dass es erst angefangen hat zu regnen, als du schon zuhause warst. :)

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 24. Mai 2011.