Glass Breaker
Autorin: Emily Bähr
ab 14 Jahren
Emily Bähr beginnt ihren neuen Roman mit einer Ausgangslage, die wir von ihr noch nicht kennen. Die Protagonistin Eleanor wacht ohne Erinnerungen auf. Vor allem erinnert sie sich nicht an den Mann, der behauptet, ihr Verlobter zu sein. Deshalb macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Dabei begegnet sie in spiegelnden Oberflächen immer wieder dem Scherbenkönig, den scheinbar nur sie sehen kann. Und das ist nicht das Einzige, was sie ins Grübeln bringt.
Ein neues Emily-Bähr-Buch, natürlich musste ich es sofort lesen. Ihre Cover sind immer schön, doch dieses übertrifft alles Bisherige, vom Farbschnitt ganz zu schweigen. Eigentlich mag ich das Thema Amnesie nicht besonders. Da ich aber Emily-Bähr-Fan bin, habe ich dem Buch eine Chance gegeben, und das hat sich auf jeden Fall ausgezahlt. Wie gewohnt ist das Worldbuilding einzigartig, wobei man hier fast schon von zwei Welten sprechen kann, wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt.
Besonders spannend finde ich, wie sie die Amnesie nutzt, um eine Brücke zur Wahrnehmung der Realität zu schlagen. Es geht nicht nur darum, Erinnerungen zurückzuerlangen, sondern um die Frage: Wie kann ich wissen, ob das, was ich wahrnehme, der Wirklichkeit entspricht? Wie viel von dem, was andere erzählen, kann ich vertrauen, um meine eigene Identität zu bilden? Diese Frage hat mich beim Lesen begleitet. Viele Menschen formen ihr Selbstbild daraus, was andere über sie denken und ihnen spiegeln. Die Geschichte hat mich immer wieder innehalten lassen und mich gefragt: Wer bin ich, wenn der Blick von außen wegfällt?
Wie in all ihren Geschichten gibt es eine starke Protagonistin, die ihre Rolle und die damit verknüpften Erwartungen der Gesellschaft infrage stellt. Ich möchte nicht zu viel spoilern, doch der Klappentext deutet es schon an. Wie geht Eleanor mit ihrer Rolle als „die Verlobte“ um, wenn ihre Gefühle ihr etwas anderes sagen? Geht sie den leichten, ebenen Weg, oder wagt sie es herauszufinden, was jenseits der gesellschaftlichen Erwartungen liegt? Auch wenn das Buch in einer Fantasywelt spielt, sind die Parallelen zur realen Welt nicht zu leugnen, und genau das liebe ich daran.
Ich empfehle die Geschichte allen, die gern in fantastische Welten abtauchen. Allerdings ist es kein Buch, um es nebenbei schnell wegzulesen, sondern eines für alle, die gern zum Nachdenken angeregt werden und sich mit komplexen Fragen rund um Identität und Wahrheit auseinandersetzen.
Erschienen bei cbj
Autorin / Autor: Neele - Stand: 26. Oktober 2026