Gefangen in der Gender-Zwangsjacke

Studie: Geschlechterstereotype gefährden die Gesundheit von Jugendlichen

Bild: LizzyNet

Mädchen sind verletzlich, Jungs sind stark und unabhängig. Ob in reichen oder in armen Ländern: Geschlechterstereotype wie diese werden Kindern schon im jungen Alter aufgezwungen - ein gesundheitliches Risiko finden Forscher_innen, die eine aktuelle Studie hierzu veröffentlicht haben.

In der "Global Early Adolescent Study", einem Kooperationsprojekt zwischen der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health und der Weltgesundheitsorganisation WHO, hatte ein großes Forschungsteam 450 Interviews mit Jugendlichen in der frühen Pubertät und ihren Eltern oder Betreuer_innen in 15 verschiedenen Ländern rund um den Globus geführt. Dabei fanden die Wissenschaftler_innen überraschende Übereinstimmungen in den verschiedenen Ländern: Ob in Belgien oder Burkina Faso, in Indien, China oder in den USA - überall stießen die Forscher_innen auf eine Art Gender-Zwangsjacke, die Mädchen und Jungen stark darin einschränkt, sein zu können, wie sie wollen. Dies könne auch negative gesundheitliche Auswirkungen haben, glauben die Forscher_innen, vor allem für Mädchen.

Zur Unterwürfigkeit (v)erzogen
Denn diese werden häufig besonders stark beschützt. Während gleichaltrige Jungs angehalten werden, sich draußen aufzuhalten und ihre Umgebung zu erkunden, sollen Mädchen lieber zu Hause bleiben. Dies fördere die Vorstellung, verletzlich zu sein und unterstütze Unterwürfigkeit. Die Welt von Mädchen verenge sich in der Pubertät extrem, und wo immer die Vorstellung des schwachen beschützenswerten Mädchens vorherrscht, hätten Mädchen ein größeres Risiko, Opfer von Gewalt, Missbrauch, Kinderehen, frühen Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten zu werden.

Der Junge muss die Initiative ergreifen
In allen Städten (mit einer einzigen Ausnahme: Edingburgh), in denen Jugendliche befragt wurden, waren sich Mädchen und Jungen einig, dass der Junge in jeder Art von Beziehungen die Intitiative ergreifen müsse. Überall berichteten Mädchen davon, dass ihr körperliches Erscheinungsbild sehr wichtig sei - indische Mädchen gaben dabei an, ihren Körper als Gefahr zu empfinden, US-amerikanische Mädchen sahen in ihm ihr größtes Kapital, sie müssten anziehend, aber nicht zu anziehend sein.

Auch Jungs haben unter Klischees zu leiden, etwa dem, immer stark sein zu müssen. Sie werden häufiger Opfer von gewalttätigen Auseinandersetzungen bis hin zu Tötungsdelikten und sind stärker drogengefährdet. Die Toleranz gegenüber Jungen, die gegen das Klischee vom starken Mann verstoßen, sei insgesamt sogar noch geringer als die gegenüber Mädchen, die sich vermeintlich männliche Privilegien zu eigen machten. Ein Mädchen in Hose findet vielleicht langsam aber sicher Akzeptanz, ein Junge im Kleidchen wird hingegen als sozial unterlegen betrachtet.

Die Forscher_innen waren insgesamt nicht überrascht von den Stereotypen, denen sie begegneten, jedoch vom frühen Alter, in denen die Kinder ihnen bereits ausgesetzt waren. Stereotype können aufgebrochen werden, sind sich die Forscher_innen sicher, aber es brauche dazu eine Vielzahl politischer und anderer Interventionen, vor allem habe die Untersuchung gezeigt, dass dabei noch viel früher angesetzt werden müsse.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 22. September 2017
 
 
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