Für immer wie heute

Studie: Von der Schwierigkeit, sich ein verändertes Zukunfts-Ich vorzustellen

Wer heute in die Vergangenheit blickt, will häufig nichts mehr mit dem Wesen zu tun haben, das er oder sie mal gewesen ist: ein zickiges Kind, das ständig petzt, ein überdrehter Teenager, der beim Anblick einer Spinne kreischt oder die betriebsblinde Freundin von Oberblödmann XY. Obwohl die Menschen also wissen, das sie sich im Laufe ihres Lebens stark verändern können, wie der Wandel vom damaligen Schreckgespenst zum heutigen Wunderwesen ja eindrucksvoll beweist, können sie sich im Hinblick auf die Zukunft nicht vorstellen, sich noch einmal zu verändern. Darum stechen sie sich beispielsweise Tattoos mit ihren jetzigen Lieblingsbands, weil die Vorstellung, dass diese Band in 5 Jahren bestenfalls als "Jugensünde" taugt, einfach nicht in den Kopf geht.

Die US-Forscher Daniel T. Gilbert, Jordi Quoidbach und ihre Kollegen haben dieses Phänomen nun genauer zu erfassen versucht: Warum glauben Menschen, dass sie in Zukunft der- oder dieselbe bleiben, obwohl sie wissen, dass sie sich in der Vergangenheit doch schon so stark verändert haben? Die ForscherInnen bezeichnen dies als "end of history illusion" - also als den irrtümlichen Glauben, dass die Zukunft weniger Veränderung bringt als die Vergangenheit.
Mit mehr als 19.000 Personen zwischen 18 und 68 Jahren führten sie eine Studie durch, in deren Rahmen die Testpersonen zu ihren Vorlieben, Hobbies, Lieblingsbands usw. in der Vergangenheit und der Gegenwart befragt wurden. Erwartungsgemäß berichteten jüngere Menschen hier von stärkeren Veränderungen im vorhergegangenen Jahrzehnt.

Die Zukunft steht still
Dann sollten sie Vorhersagen treffen, wie es wohl in Zukunft so mit ihren Vorlieben aussehen könnte. Und hier offenbarte sich nur noch Stillstand. Ganz gleich welches Alter, kaum einer konnte sich großartige Veränderungen für die Zukunft vorstellen. Alle wollten offenbar so bleiben, wie sie zu diesem Zeitpunkt waren. So kam es, dass befragte 30-Jährige zwar von extremen Veränderungen in ihren Zwanzigern berichteten, Zwanzigjährige für ihre Zukunft aber nur Stillstand vorhersagten.

Offensichtlich fühlten sich die ProbandInnen zu dem Befragungszeitpunkt immer als genau der Mensch, der sie schon immer hatten werden wollen. Nur, dass dieses Gefühl auch in zehn Jahren nicht anders sein wird und man da möglicherweise voller  Distanz und Staunen auf sein "Ich" von vor zehn Jahren blickt ;-).

Diese Illusion vom Ende der Geschichte führt den ForscherInnen zufolge dazu, dass man schlechte Entscheidungen fällt, die sich nur auf heutige Präferenzen beziehen und in der Zukunft möglicherweise bereut werden. 

Und die Moral von der Geschicht? Überlegt lieber fünf mal, ehe ihr euch den Namen vom Oberblödmann auf die Stirn tätowieren lasst, denn ob ihr es euch vorstellen könnt oder nicht, in 10 Jahren findet ihr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entweder die Tätowierung oder den Blödmann absolut peinlich.

Von solch kleinen vorausschauenden Vorsichtsmaßnahmen mal abgesehen: freut euch daran, dass ihr euer jetziges Ich als so ausgereift empfindet. Es wäre ja auch schlimm, wenn man sich ständig nur einem idealisierten Ich von morgen unterwerfen würde und nie genießen könnte, was man hier und jetzt ist.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 7. Januar 2013
 
 
 

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