Freiwillige Flüchtlingshilfe gegen rechte Stimmungsmache

Studie der Bertelsmann Stiftung bestätigt große Hilfsbereitschaft der Ehrenamtler_innen

Nach den gewalttätigen Übergriffen der letzten Wochen, bei denen auch drei junge männliche Flüchtlinge beteiligt waren, unkten schon einige, dass das freiwillige Engagement in der Flüchtlingshilfe nun doch wohl nachlassen würde. Doch diese Befürchtung hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung jetzt herausfand, ist das freiwillige Engagement in Deutschland weiterhin stark und wird sogar zunehmend professioneller.

Besonders im Jahr 2015 entstanden zahlreiche neue Initiativen und die dort engagierten Helfer_innen seien weiterhin im Einsatz und hoch motiviert, heißt es in der qualitativen Studie "Koordinationsmodelle und Herausforderungen ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe in den Kommunen", die vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Berliner Humboldt-Universität im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde.

"Die Studie zeigt, dass viele Initiativen inzwischen dabei sind, sich zu institutionalisieren und beispielsweise Vereine gründen. Das ist wichtig, damit Engagement langfristig wirkt", sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Viele der Freiwilligen übernehmen in der Flüchtlingsarbeit unter anderem Aufgaben, für die normalerweise der Staat aufkommen müsste. Sie übernehmen oft die Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung oder Wohnraum. Besonders die Brückenfunktion der Ehrenamtler_innen zwischen den Geflüchteten und den Behörden sei wichtig, denn sie übernehmen wichtige Lotsen-Funktionen, begleiten Geflüchtete bei Behördengängen, bei ersten Schritten in Schulen und Praktika oder führen frühzeitige Sprachförderung unabhängig vom Status der Flüchtlinge durch. 

Freiwillig Engagierte brauchen Unterstützung von Kommunen
Dennoch müssten die freiwillig Engagierten dringend durch Hauptamtliche bei den Kommunen unterstützt werden, fordern die Wissenschaftler_innen, denn das Engagement müsse auch koordiniert werden. Gleichzeitig müssen Autonomie und Mitsprache der Engagierten und der Geflüchteten geachtet werden. Die Forscher_innen fanden bei ihrer Recherche drei Formen der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Initiativen. Ein Modell sieht so aus, dass vor allem einzelne Menschen ehrenamtlich die Koordination in den Städten oder Stadtteilen übernehmen. Sie führen neue Engagierte in die Initiativen ein, vermitteln konkrete Hilfsangebote und beantragen Fördermittel. Diese Koordination zwischen Behörden und Geflüchteten sei oft ein Vollzeitjob, bei dem die Koordinator_innen genau wissen, was Geflüchtete und Engagierte brauchen. Der Nachteil dieser Form ist, dass es hierbei schnell zu einer Überlastung einzelner Personen kommen kann.

Ein andere Form ist die Netzwerk-Koordination. Hier liegen die Fäden nicht bei einem Einzelnen Akteur, sondern die Aktiven treffen ihre Entscheidungen an runden Tischen. Der Vorteil dabei ist, dass zwar Austausch auf Augenhöhe erfolgt, aber weil es keinen zentralen Ansprechpartner gibt, dauern Entscheidungen oft länger. Ein weiterer Nachteil ist, dass es oft ein Gefälle zwischen Freiwilligen und Behörden-Mitarbeitern gibt und Engagierte und Geflüchtete ihre Teilnahme nicht selten als Alibi erleben.

Bei dem Modell einer zentralen Koordinationsstelle in der Kommunalverwaltung gibt es einen hauptamtlichen Ansprechpartner, der Kompetenzen und Mittel hat. Er oder sie bringt die Bedarfe und Angebote zusammen, bündelt Informationen, organisiert Fördermittel, Austausch und Fortbildungen. Damit die Arbeit der zentralen Koordinierungsstelle wirkt, müsse sie unabhängig arbeiten können und von den Initiativen akzeptiert sein. Außerdem sollte sie auf die Unterstützung der Initiativen ausgerichtet sein, fordern die Studienautor_innen

Stärkung der Willkommenskultur
Die Studie zeigt auch, dass viele Initiativen in Deutschland nicht nur die Geflüchteten unterstützen, sondern auch die Willkommenskultur stärken und um ein Zeichen gegenüber Andersgesinnten setzen wollen. "Gerade jetzt nach den Gewalttaten der vergangenen Wochen, an denen offenbar auch Flüchtlinge beteiligt waren, sind die engagierten Freiwilligen eine zentrale Stütze. Denn: Durch ihre Arbeit wird in den Kommunen eine positive Stimmung gegenüber Geflüchteten erhalten. Diese Dimension des Engagements hat politische Wirkung gegen rechte Stimmungsmache. Die Gruppen und Vereine stärken somit den Zusammenhalt der Gesellschaft", sagt Windau. Städte und Gemeinden sollten auch künftig Koordinationsstellen aufbauen und freiwilliges Engagement öffentlich mehr anerkennen, denn ehrenamtliche Helfer_innen leisten einen wichtigen Beitrag für das Zusammenleben in Deutschland, so die Studie. Koordinationsstellen stärkten das Potenzial und die Wertschätzung der Zivilgesellschaft insgesamt.

Zur Studie

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung
 
 

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