Fokussieren ist nicht immer hilfreich

Studie erklärt, warum Kinder unwichtige Details besser behalten können als Erwachsene

Was ist das für ein Phänomen, wenn Kinder Erwachsene regelmäßig im Memory-Spiel besiegen? Oder wenn Kinder plötzlich den Weg wissen an einer Kreuzung, wo die Eltern kapitulieren, weil sie sich total verfahren haben? Es liegt an der unterschiedlichen Art der Informationsaufnahme, wie Psycholog_innen an der Ohio State University jetzt herausfanden. Während Erwachsene sich hauptsächlich auf das "Wesentliche" fokussieren, verteilen Kinder ihre Aufmerksamkeit viel breiter, und dieser Unterschied kann Kindern in einigen Lernsituationen tatsächlich helfen, besser zu sein als Erwachsene.

Pötzlich wichtig
In der dazugehörigen Studie überraschten die Forscher_innen 34 Erwachsene und 36 4- bis 5-jährige Kinder, indem sie Informationen, die zu Beginn des Experiments irrelevant waren, plötzlich wichtig für eine zu erledigende Aufgabe machten. "Erwachsene hatten es schwer, sich neu einzustellen, weil sie sich die 'unwichtigen' Informationen nicht gemerkt hatten", erklärte Vladimir Sloutsky, Mitautor der Studie und Professor für Psychologie an der Ohio State University. "Kinder stellten sich hingegen schnell auf die neue Situation ein, weil sie keine Information ignoriert hatten."

"Die breitere Verteilung der Aufmerksamkeit kann für kleine Kinder von Vorteil sein. Indem sie auf alles achten, sammeln sie mehr Informationen, die ihnen helfen, mehr zu lernen", erläutert Sloutskys Kollege Nathaniel Blanco.

Von Flurps und Jalets
In dem Experiment wurden den Erwachsenen und Kindern farbenfrohe Bilder von "fremden" Kreaturen auf einem Computer gezeigt, die sieben identifizierbare Merkmale hatten, darunter Antennen, Kopf und Schwanz. Den Teilnehmer_innen wurde gesagt, dass es zwei Arten von Kreaturen gibt: die "Flurps" und die "Jalets", und dass sie herausfinden müssten, welche welche sind.
Ein Merkmal war bei Flurps und Jalets immer anders - zum Beispiel haben die Jalets einen blauen und die Flurps einen orangenen Schwanz. Darüber hinaus wurde allen gesagt, dass die meisten (aber nicht alle) der Flurps eine bestimmte Art von Merkmalen hatten, wie z.B. rosa Antennen. Eines der Merkmale wurde in der Einleitung aber nie erwähnt und es gab diesbezüglich auch keinen Unterschied zwischen den Arten von Kreaturen. Diese Eigenschaft nannten die Forscher das "irrelevante Merkmal". Nach einem kurzen Training sollten die Tetspersonen dann eine Reihe von Bildern der Kreaturen auf dem Computerbildschirm anschauen und beurteilen, ob es sich um einen Flurp oder einen Jalet handelte.

Der überraschende Wechsel
Nach der Hälfte des Experiments vollzogen die Forscher_innen dann einen unangekündigten Wechsel: Das irrelevante Merkmal wurde jetzt zum wesentlichen Merkmal, das bestimmen sollte, ob die Kreatur ein Flurp oder ein Jalet war. Dieses Merkmal, das vor dem Wechsel für beide Kreaturen gleich war, war nun anders.
Dieser Wechsel machte den Erwachsenen deutlich mehr zu schaffen als den Kindern. Die erkannten nämlich sehr schnell, dass das ehemals irrelevante Merkmal nun das Merkmal war, das immer den Unterschied zwischen Flurps und Jalets aufdecken würde, während die Erwachsenen immer weiter versuchten, die wahrscheinlichkeitstheoretischen Regeln (wie "die meisten Flurps haben rosa Antennen") zu verwenden, um ihre Entscheidungen nach dem Umswitschen des Experiments zu steuern.

Gelehrte Unachtsamkeit
Das was in dieser Studie passierte war, dass die Erwachsenen unter "gelehrter Unachtsamkeit" litten, sagte Blanco. Sie hatten nicht auf das ehemals irrelevante Merkmal geachtet, weil sie glaubten, dass es nicht wichtig sein würde. Kinder, die so jung sind wie die in dieser Studie, haben oft Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit auf die Art und Weise auf etwas zu richten, wie es die Erwachsenen taten, sagte Sloutsky. "Der unmittelbare Grund ist die Unreife ihres präfrontalen Kortex", sagte er. "Aber wir glauben, dass eine breite Aufmerksamkeitsverteilung ihnen auch hilft, mehr zu lernen."

Sloutsky betonte, dass Erwachsene kein Problem damit haben, die Aufmerksamkeit bei Bedarf breit zu verteilen. Aber bei vielen Aufgaben, die Erwachsene täglich erledigen, ist selektive Aufmerksamkeit hilfreich. "Es ist klar, dass für eine optimale Leistung bei den meisten Jobs eine selektive Aufmerksamkeit erforderlich ist. Aber verteilte Aufmerksamkeit könnte nützlich sein, wenn man etwas Neues lernt und alles sehen muss, was vor sich geht." Vielleicht sollte man auch als Erwachsene mal öfter den Fokus erweitern, besonders wenn wir etwas Neues lernen oder unseren Horizont erweitern wollen ;-)

Die Studie wurde online in der Zeitschrift Developmental Psychology veröffentlicht und wird in einer zukünftigen Printausgabe erscheinen.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung
 
 

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