Fleischkonsum: Nicht nur eine Geschmacksfrage

Studie zeigt, dass viele aus Überzeugung Fleisch essen

Wenn Menschen heute gefragt werden, warum sie eigentlich noch Fleisch essen - obwohl es doch ausreichend Gründe gibt, das nicht mehr oder zumindest immer seltener zu tun, antworten viele, dass ihnen Fleisch eben gut schmecke. Der Konsum von Fleisch ist aber nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern geht bei so manchem auch mit Überzeugungen einher, die das Töten und Essen von Tieren rechtfertigen. Wissenschaftler_innen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der beiden amerikanischen Universitäten Cornell University, Ithaca, und University of Massachusetts, Boston, haben die Überzeugungen von Fleischkonsument_innen im Rahmen von drei Studien mit insgesamt knapp 1.000 Teilnehmer_innen mal genauer unter die Lupe genommen. Dazu entwickelten sie einen Fragebogen, mit dem sich die Überzeugungen messen lassen und der zwischen zwei Aspekten von Überzeugungen unterscheidet, nämlich der Rechtfertigung des Fleischkonsums und der Dominanz des Menschen gegenüber Tieren. Im Rahmen ihrer Erhebungen konnten die Psycholog_innen auch bestätigen, dass Fleischkonsum mit der Befürwortung von Hierarchien in Verbindung steht. Die Forschungsergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Appetite veröffentlicht.

Die sogenannte Karnismus-Theorie von Melanie Joy geht davon aus, dass es ein Überzeugungssystem gibt, das Menschen darauf konditioniert, bestimmte Tiere zu essen, während andere als nicht essbar gelten – wie beispielsweise Haustiere als Familienangehörige angesehen werden. Diese karnistischen Überzeugungen wurden nun erstmals empirisch untersucht. Die Forscher_innen entwickelten einen Fragebogen, der verschiedene Einstellung abfragte wie zu Beispiel, ob Menschen weiterhin Fleisch essen sollten, weil sie dies schon seit Jahrtausenden tun, ob Fleischessen besser für die Gesundheit ist, ob die Fleischproduktion dazu führt, dass Tiere leiden, oder auch ob Menschen das Recht haben, Tiere zu töten.

Die Ergebnisse zeigen: Fleischkonsum ist tatsächlich nicht nur reine Geschmackssache, sondern geht auch mit karnistischen Glaubenssätzen einher, die das Töten und Essen von Tieren rechtfertigen. „Wir stellen fest, dass der Konsum von Fleisch ebenso mit Überzeugungen einhergeht, wie der Konsum von pflanzlicher Nahrung mit veganen oder vegetarischen Überzeugungen gekoppelt ist“, sagt Tamara Pfeiler zu den Ergebnissen. Diese unterscheiden auch zwischen verschiedenen Arten von Glaubenssätzen: Die "karnistische Rechtfertigung" legitimiert das Essen von Fleisch und zeigt einen Zusammenhang mit der Höhe des Fleischkonsums auf, während die "karnistische Domination" das Töten von Tieren für die Fleischproduktion legitimiert. Letztere hängt auch damit zusammen, ob tatsächlich schon einmal ein Tier für die Fleischgewinnung getötet wurde.

Die Studie fand außerdem heraus, dass karnistische Überzeugungen häufig gekoppelt sind mit gesellschaftspolitische Ansichten, die eher konservativ sind und auch Hierarchien zwischen menschlichen Gruppen befürworten. „Karnistische Überzeugungen gehen mit einer sozialen Dominanzorientierung einher, die Vorurteile gegen bestimmte soziale Gruppen unterstützt. Das heißt aber umgekehrt nicht, dass fleischessende Menschen automatisch zu mehr Vorurteilen gegenüber anderen menschlichen Gruppen neigen“, sagt die Psychologin Pfeiler. Die Zusammenhänge bestünden, seien jedoch nicht kausal. Wie genau karnistische Überzeugungen, Fleischkonsum und die Befürwortung von Hierarchien zusammenhängen, sollen daher zukünftige Studien zeigen.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung