Fakten & Menschlichkeit

Studie zur Wahl: Junge Wählergruppen wollen nicht bespaßt werden, sondern handfeste Informationen und Kontaktmöglichkeiten

In wenigen Wochen ist Bundestagswahl. Unübersehbar, denn kaum eine Straße ist nicht geschmückt mit mehr oder weniger ansprechenden Wahlplakaten. Wer mehr Hintergrundinfos zu den Wahlprogrammen haben möchte, schaut sich die Webseiten der einzelnen Parteien an, oder aber stöbert auf ihren Facebook-, Twitter- oder Instagram-Seiten. Besonders für Jungwähler_innen spielen die Social Media-Auftritte eine wichtige Rolle bei der politischen Meinungsbildung. Was sie dort erwartet, sind allerdings nicht selten Schnappschüsse mit Rapstars, witzige Meme-Bildchen und Einblicke ins Privatleben der Politiker_innen, was viele der jungen Wähler_innen als Anbiederung empfinden. Von Politiker_innen und Parteien erwarten sie in den sozialen Medien nämlich viel eher  sachliche Beiträge wie Fakten, Erklärungen und Stellungnahmen zu politischen Themen. Wichtiger als Humor oder Einblicke ins Privatleben ist ihnen zwar Professionalität, dennoch sollen Politiker_innen im Netz menschlich und nahbar wirken und mit den Nutzer_innen interagieren. Das sind die Ergebnisse eines Studierenden-Projektes der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Studierenden hatten 286 Social Media-Nutzer_innen überwiegend im Alter zwischen 18 und 40 Jahren befragt.

Posieren sei nicht nötig
„Die jungen Nutzer möchten von Politikern nicht bespaßt werden, sondern handfeste Informationen und ein professionelles Auftreten“, fasst Studienbetreuerin Iris Pöschl vom Lehrstuhl für Marketing und Business Development an der Universität Hohenheim zusammen. Private Familienfotos preiszugeben oder mit angesagten Bands zu posieren sei deshalb nicht unbedingt nötig.

Aber: Steif und unnahbar dürfen die Politiker dabei auch nicht rüberkommen, betont der Leiter des Lehrstuhls für Marketing und Business Development Prof. Dr. Markus Voeth. „Menschlichkeit und Nahbarkeit sind der jungen Zielgruppe wichtig. Dabei gilt es aber dennoch, authentisch zu wirken. Diesen Spagat müssen Politiker auch in den sozialen Medien schaffen." Das, glaubt Pöschl, hat auch mit Glaubwürdigkeit zu tun: „Viele der Befragten gaben an, dass sie Informationen aus den sozialen Medien wenig Vertrauen entgegenbringen. Wer hier als Politiker mit einem allzu verspielten Auftritt daherkommt, verstärkt dieses Misstrauen noch: Die Wähler sind dann erst recht unsicher, was stimmt und was nicht.“

Internet vor Polit-Talk
Trotz TV-Debatten und Tageszeitungsartikeln informieren sich Wähler_innen unter 40 Jahren vor allem im Internet, wenn es um politische Themen geht. Für über 80 Prozent der Befragten stehen Webseiten, Blogs und Soziale Medien in punkto Information an erster Stelle. Zentrale Themen sind für sie dabei Bildungs- und Außenpolitik sowie die Situation am Arbeitsmarkt.

An zweiter Stelle folgt das Fernsehen mit Angeboten wie Polit-Talks, TV-Debatten und Nachrichten, auf Platz drei der Austausch mit Freund_innen, Bekannten und der Familie. Printmedien und Hörfunk schaffen es auf die Plätze vier und fünf. Politische Veranstaltungen wie Parteitage oder Podiumsdiskussionen besuchen nur 12,6 Prozent der jungen Befragten.

Das haben Parteien erkannt und antworten mit Wahlkampf-Aktivitäten in sozialen Medien. Besonders wahrgenommen werden diese auf Facebook, Twitter und Youtube. Unter den Parteien traten im Internet besonders CDU, AfD und SPD in Erscheinung, die am häufigsten wahrgenommenen Politiker waren Angela Merkel, Martin Schulz und Cem Özdemir.

„Gefällt mir“-Button selten genutzt
Eine weitere Erkenntnis der Studie: Junge Nutzer_innen finden Interaktion zwar wichtig, allerdings sind 75 Prozent von ihnen selbst jedoch noch nie direkt über soziale Medien mit Politiker_innen in Kontakt getreten. Selbst den „Gefällt mir“-Button haben nur knapp 23 Prozent schon einmal geklickt, nur 10,5 Prozent haben mal einen Beitrag geteilt, 9,8 Prozent darunter kommentiert, und die Teilnahme an Chats oder Videochats mit Politiker_innen liegt bei insgesamt unter 2 Prozent.

„Junge Nutzer wünschen sich zwar Interaktion, trauen sich aber selbst nicht so richtig, diese anzustoßen oder wissen nicht, wie das gehen soll“, resümiert Pöschl. „Viele Politiker bieten aber auch kaum Angebote, um in Interaktion zu treten.“ Auf beiden Seiten gebe es also ungenutztes Potential.

Weniger als 30 Prozent der Befragten sind selbst Fan oder Follower eines Politikers oder einer Partei in einem sozialen Medium. Befragt nach den Gründen dafür, antworteten die meisten von ihnen, dass sie sich nicht für eine_n bestimmte_n Politiker_in oder eine bestimmte Partei interessieren. Über 20 Prozent dieser Gruppe gaben zudem an, es sei ihnen vor Freund_innen und Bekannten unangenehm offen zu legen, dass sie einem Politiker oder einer Partei folgen.

Hintergrund
Die Studie „Bundestagswahl 2017 – Einsatz von Social Media im Parteien- und Kandidaten-Marketing“ entstand im Rahmen eines Seminars der Reihe Humboldt reloaded, bei der Studierende bereits im Bachelorstudium eigene Forschungsprojekte realisieren. 10 Studierende befragten dafür 286 Teilnehmer vor allem aus Baden-Württemberg. Mit 42,3 Prozent macht die Altersgruppe der 21- bis 24-Jährigen dabei den größten Anteil aus. Circa 70 Prozent der Befragten hat Abitur oder einen höheren Abschluss. 55 Prozent bezeichnen sich als Wechselwähler.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 5. September 2017
 
 

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