Fake-News oder nicht? Das ist hier die Frage...

Sprachforscher_innen kürten den Anglizismus des Jahres 2016

Diesmal ist es nicht die gefälschte Nachricht selbst, die als Schlagzeile die Runde macht, sondern der Begriff, mit dem diese irreführenden Meldungen fast weltweit bezeichnet werden: Fake News wurde von Sprachforscher_innen zum Anglizismus des Jahres 2016 gewählt. Ganz neu ist der Begriff allerdings nicht; das Wort Fake News bezeichnete im Englischen schon Ende des 19. Jahrhunderts gelegentlich bewusste Falschmeldungen in Zeitungen. Zu einem stehenden Ausdruck wurde es aber erst ab dem Jahr 2000, vor allem zur Benennung satirischer Nachrichtenmagazine wie The Daily Show oder The Onion. Mit der zunehmenden Rolle der sozialen Medien wurde das Wort zur Bezeichnung für erfundene Nachrichten (etwa Todesanzeigen von Prominenten), mit denen Menschen auf bestimmte Webseiten gelockt oder zu Unterhaltungszwecken in die Irre geführt werden sollten.

Zwar trat der Begriff bereits im Jahr 2014 im Deutschen häufiger auf, konnte sich aber zunächst nicht gegen etablierte Wörter wie Hoax(-Meldung) behaupten. Der Durchbruch in den allgemeinen Sprachgebrauch erfolgte erst ab November 2016 im Zusammenhang mit einer Bedeutungsverschiebung hin zu politisch motivierten Falschmeldungen, die – angeblich – dem Kandidaten Donald Trump den Sieg im Präsidentschaftswahlkampf in den USA bescherten. Obwohl die wahlentscheidende Rolle solcher Fake News aus wissenschaftlicher Sicht inzwischen angezweifelt wird, ist die Popularität des Wortes und des damit Bezeichneten gerade in Deutschland ungebrochen – in der Politik wird sogar über gesetzliche Maßnahmen gegen die neue Form der Falschmeldung diskutiert, im allgemeinen Sprachgebrauch dient das Wort inzwischen hauptsächlich zur Diskreditierung von Meldungen, die nicht in das eigene Weltbild passen.

Überzeugt hat die Jury an Fake News neben seiner überwältigenden und anhaltenden öffentlichen Präsenz vor allem, dass es eine Lücke im deutschen Wortschatz füllt, die ohne das Wort fake nicht ganz einfach zu schließen ist. Dies zeigt sich an Versuchen, das Wort etwa durch das bestehende Wort Falschmeldung wiederzugeben, das aber nicht zwischen bewusster Irreführung und ehrlichen Fehlern in der Berichterstattung unterscheidet. Auch die neu geprägte Lehnübersetzung Falschnachrichten trifft diesen Unterschied nicht, da die Doppeldeutigkeit im Adjektiv falsch liegt. Anders als falsch (oder das englische false) bezeichnet das Adjektiv fake bewusste, in Täuschungsabsicht hergestellte Nachbildungen von Dingen – vom Pelz oder dem Reisepass über ein Lächeln bis eben zu Nachrichten. Das Partizip gefälscht, das in der Bedeutung nahe kommt, eignet sich nicht zur Bildung von Komposita, und so bleibt auch die häufigste Eindeutschung nur eine teilweise: Fakenachrichten.

Als weitere Favoriten galten die Wörter Darknet, Hate Speech und Brexit.
Die unabhängige Initiative „Anglizismus des Jahres“, wurde von Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, gegründet. Sie würdigt seit 2010 jährlich den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes. Bisherige Anglizismen des Jahres waren leaken (2010), Shitstorm (2011) und Crowdfunding (2012), -gate (2013), Blackfacing (2014) und Refugees Welcome (2015).

Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 1. Februar 2017
 
 
 

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