Ernst genommen - Note verbessert

Studie untersuchte Stereotype gegenüber türkischen und arabischen Schüler_innen

Heißt du Elif, Amira oder Can, bist in Deutschland geboren, gehst hier zur Schule und wunderst dich, dass die Herkunft deiner Eltern immer noch deine Schulnoten beeinflussen soll? Wieder einmal gibt es eine Studie, die sich damit beschäftigt, woran es liegt, dass Schüler_innen aus türkischen oder arabischen Familien geringere Bildungschancen haben als Kinder aus deutschen Familien. Dabei werden diesmal allerdings besonders die Einstellungen und Erwartungen der Lehrer_innen unter die Lupe genommen; denn wie die Studie „Vielfalt im Klassenzimmer. Wie Lehrkräfte gute Leistung fördern können“ zeigt, sind die Lehrkräfte zwar liberaler gegenüber multikulturellen Klassen eingestellt als der Rest der Mehrheitsbevölkerung, aber sie tragen dennoch einige Vorurteile und falsche Erwartungen mit ins Klassenzimmer. „Nur 61 Prozent aller befragten Lehrkräfte meinen, Muslime seien genauso bildungsorientiert; dabei wurden hohe Bildungsaspirationen z. B. in türkeistämmigen Familien mehrfach wissenschaftlich belegt", so Prof. Dr. Naika Foroutan, Leiterin des Studienmoduls am Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM). „Nicht nur die soziale, sondern auch die ethnische, kulturelle und religiöse Herkunft spielen in deutschen Klassenzimmern eine Rolle."

Außerdem erwarten Lehrer_innen laut der Studie weniger von Kindern aus türkeistämmigen Familien als von Kindern ohne Migrationshintergrund, selbst wenn sich deren Leistungen faktisch nicht unterscheiden. Solche verzerrten Erwartungen wirken sich auch darauf aus, wie die Lehrkräfte im Unterricht handeln und sie können Lernerfolge beeinflussen. Prof. Dr. Petra Stanat, Leiterin des Studienmoduls „Erwartungen von Lehrkräften gegenüber Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund“, erklärt dazu: „Aus der sozialpsychologischen Forschung wissen wir, dass Stereotype unser Denken und Handeln beeinflussen können, selbst wenn wir diese Vorannahmen nicht glauben. Unsere Studie zeigt, dass dies auch in der Schule vorkommen kann. Auch wenn die Effekte klein sind, ist es wichtig, sich das bewusst zu machen, denn dann kann man sie vermeiden.“

Es gibt aber noch eine weitere Quelle für Leistungsunterschiede: Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund verinnerlichen oft die negativen Stereotype, die sie in ihrem Umfeld vermuten oder beobachten und so schließt sich der Teufelkreis hin zu schlechteren Leistungen. Im Studienmodul „Wider die Stereotypisierung“ haben die Forscher_innen mithilfe der sogenannten Selbstbestätigungsintervention untersucht, wie Lehrkräfte solche negativen Effekte im Unterricht abfedern können.

Die Selbstbestätigungsintervention besteht in einer kreativen Schreibübung, die die Schüler_innen jeweils für sich bearbeiten sollten. Die Schülerinnen erhielten eine Liste mit Werten bzw. Interessen, aus der sie zwei Punkte aussuchen sollten, die für sie am wichtigsten sind: Sport machen, Malen oder Basteln, Handwerken/Technik, mir neue Dinge ausdenken, frei sein/machen, was ich möchte, jeden Moment genießen, zu einer Gruppe dazugehören (z. B. AG, Verein, Schulklasse), Musik hören oder Musik machen, anderen Leuten helfen, meine Familie und meine Freunde, mein Glaube/Religion, Leute zum Lachen bringen, mich für Politik interessieren/politisch aktiv sein.

Danach wurden sie gefragt, warum ihnen diese Dinge wichtig sind oder warum sie sie gern machen. Sie sollten sieben Begriffe nennen, die ihnen dazu spontan einfielen. Schließlich sollten sie einen kurzen Aufsatz über die beiden Dinge schreiben, die sie ausgewählt hatten, und dabei die vorher assoziierten Begriffe einbauen.
Zum Schluss sollten sie noch fünf selbstbestätigende Fragen beantworten, die ihren Effekt verstärken sollten (z. B. „Stimmst Du der folgenden Aussage zu? Wenn ich an diese beiden Dinge denke, bin ich glücklich und zufrieden.“). Sie wurden unmittelbar vor dem Mathematiktest gestellt, um die selbstbestätigende Wirkung sicher zu stellen.

Das an elf Berliner Integrierten Sekundarschulen durchgeführte Experiment zeigt: Wenn Schüler_innen mit türkischer und arabischer Herkunft an dieser Selbstbestätigungsintervention teilgenommen und sich mit Themen auseinandergesetzt haben, die ihnen wichtig sind, zeigten sie sowohl unmittelbar danach als auch zwei Monate später signifikant bessere Leistungen in Mathematik.

Die Erkenntnisse der Studie können damit dazu beitragen, den Bildungserfolg von Schüler_innen zu verbessern: „Lehrkräfte können einer Benachteiligung einzelner Kinder durch ungewollte Stereotype und verzerrte Erwartungen gezielt und mit einer vergleichsweise einfachen Intervention entgegenwirken“, so Dr. Cornelia Schu, Direktorin des SVR-Forschungsbereichs.

Winfried Kneip, Geschäftsführer der Stiftung Mercator, die das Projekt gefördert hat, hebt hervor: „Bildung ist nach wie vor ein wichtiger Schlüssel zu Chancengerechtigkeit. Schulen brauchen daher ganzheitliche Konzepte, die auf den guten Umgang mit Vielfalt zugeschnitten sind. Gleichzeitig ist die Rolle der Lehrkräfte ganz zentral. Es ist wichtig, dass sie vorurteilsfrei agieren und dazu beitragen, das Selbstwertgefühl ihrer Schüler zu stärken. Die aktuelle Studie zeigt, mit welchen einfachen Mitteln dies oft schon möglich ist.“

Die gesamte Studie könnt ihr hier herunterladen

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