Entwarnung für Handynutzung

Internationale MOBI-Kids-Studie findet keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Hirntumoren und der Nutzung von Mobilfunkgeräten

Bestimmt ist euch in den vergangenen Jahren auch schon einmal die Warnung untergekommen: Leg das Handy weg, sonst kriegst du Krebs. Insbesondere für Kinder und Jugendliche sollte die ständige Nutzung des Handys bedenklich sein, denn die elektromagnetische Strahlung, die von ihnen ausgeht, stand im Verdacht Gliome, also Hirntumoren des Zentralnervensystems, auszulösen oder ihr Wachstum zu begünstigen.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat elektromagnetische Strahlungen mobiler Kommunikationsgeräte als möglicherweise karzinogen, also krebserregend, eingestuft. Denn das empfindliche Gewebe des Gehirns absorbiert die hochfrequente Energie besonders, vor allem, wenn die Geräte – zum Telefonieren etwa – in Kopfnähe gehalten werden.

Studie findet keinen Zusammenhang
Nun gibt es jedoch Entwarnung von der internationalen MOBI-Kids-Studie, die von der EU-Kommission und weiteren Projektpartnern aus den 14 Teilnehmerländern finanziert wurde: Die Nutzung von Mobiltelefonen und DECT-Telefonen erhöht das Risiko für Hirntumoren bei Kindern und Jugendlichen nicht. Nach derzeitigem Kenntnisstand gebe es keine wissenschaftlich gesicherten Belege für gesundheitsschädigende Wirkungen durch Mobilfunk für den Menschen, so schreibt das Bundesamt für Strahlenschutz, das die Auswertung der Daten für Deutschland unterstützt hat.

Schon frühere Studien mit Daten von Erwachsenen waren zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Weil die Nutzung von Mobiltelefonen, Smartphones und Tablets in den letzten Jahren stark zugenommen hat, auch bei Kindern und Jugendlichen, wurde der Fokus der aktuellen Studie auf diese Nutzergruppe gelegt. Insgesamt wurden zwischen 2010 und 2015 rund 2800 junge Teilnehmer_innen aus acht europäischen Ländern – darunter Deutschland – sowie Israel, Australien, Kanada, Japan, Korea und Neuseeland in die Studie aufgenommen.
Im Rahmen der Studie wurden um die 900 junge Tumorpatient_innen zu ihren Handynutzungsgewohnheiten und anderen Risikofaktoren befragt, ihre Daten wurden jeweils mit den Antworten von zwei nicht erkrankten Testpersonen abgeglichen. Teilweise wurde die Handynutzungszeit auch über eine App erfasst.

Einer der beteiligten Mediziner, Dr. Tobias Weinmann vom Institut und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am LMU Klinikum, fasst das Ergebnis zusammen: „Wir konnten keinen Zusammenhang zwischen Gliomen und elektromagnetischen Feldern feststellen." 

Die erhobenen Daten werden nun noch weiter ausgewertet, die Forschenden möchten auch die anderen Risikofaktoren analysieren, zum Beispiel die Belastung durch Chemikalien oder andere Strahlungsquellen, etwa am Arbeitsplatz der Jugendlichen. Zudem sollen die Auswirkungen von Smartphones auch in anderen medizinischen Bereichen noch untersucht werden. „Es gibt ja bereits Studien, die über die Zusammenhänge zwischen dem exzessiven Gebrauch von Smartphones und Schlafstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen berichten“, sagt Weinmann.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung