Ein trauriges Jubiläum

Heute vor 25 Jahren explodierte Reaktor 4 des Kernkraftwerkes von Tschernobyl

Der Reaktor Nummer 4 in einem Atomkraftwerk in der heutigen Ukraine. Ein Symbol für einen Unfall, größer als man ihn sich hat vorstellen können, einen Super-GAU (GAU – größter anzunehmender Unfall).
Heute ist die Katastrophe von Tschernobyl genau 25 Jahre her. 25 Jahre sind vergangen seit einem Unfall, der für viele Menschen als unwiederholbar galt. Trotz aller Proteste. Trotz der Warnungen, dass Atomkraft nicht sicher sein könne.

Aber heute, nach der Katastrophe in Fukushima sind die Risiken der Atomkraft wieder in aller Munde. Das nach Erdbeben und Tsunami havarierte Atomkraftwerk wird immer wieder verglichen mit dem berühmten Reaktor, der am 26. April 1986 in der damaligen Sowjetunion explodierte. Doch was ist damals wirklich passiert?

Ein misslungener Versuch
Schuld war keine Naturkatastrophe, sondern eine Kette schwerwiegender Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften während eines Versuches. Mit diesem Versuch sollte erwiesen werden, dass der Kernreaktor auch bei einem vollständigen Stromausfall noch sicher ist. Dieser Nachweis konnte nicht erbracht werden. Im Gegenteil: der Ort und das Datum erreichten in der Folge traurige Berühmtheit und wurden zum Synonym für die größte technische Katastrophe des letzten Jahrhunderts. Um 1:23:40 explodierte der Reaktor; durch das im Reaktormantel verwendete Graphit, das sehr heiß verbrennt, bildete sich eine radioaktive Wolke, die in großer Höhe mehrere hundert oder gar tausend Kilometer weit getragen wurde.
Am Tag nach der Explosion wurde begonnen den Reaktor mit Sand zuzuschütten, bis in die 90er Jahre hinein arbeiteten insgesamt 600.000 bis 800.000 Arbeiter, die sogenannten "Liquidatoren" daran, die kontaminierte Erde abzutragen und einen „Sarkophag“ aus Stahl und Beton um und über den Reaktor zu bauen. Dieser Sarkophag wurde mit der Zeit brüchig und droht seit Jahren einzustürzen. Nun soll bis spätestens 2015 eine neue, stabile Hülle als zweite Schicht um den Sarkophag herumgebaut werden, um das Entweichen von Strahlung zumindest für die kommenden 50 bis 100 Jahre zu verhindern.

Die Katastrophe hatte auch Auswirkungen auf Deutschland: vor allem in Süddeutschland wurden Böden radioaktiv verseucht. Milchprodukte und Gemüse galten als kontaminiert, wurden vernichtet, manche Pilze, z.B. Pfifferlinge aus Bayern, sollen bis heute wegen der erhöhten Belastung nicht verzehrt werden, Kinderspielplätze wurden abgesperrt, weil der Sand für kleine Kinder gefährlich hätte sein können.

Unbekannte Opferzahlen
Die genauen Opferzahlen sind bis heute nicht bekannt, die Langzeitfolgen nicht abschätzbar. Die Angaben schwanken extrem stark, da fast alle möglichen Quellen eigene Absichten mit der Veröffentlichung verfolgen. So gibt es Schätzungen des wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten Nationen zu Auswirkungen atomarer Strahlung die von „nur“ 63 gesicherten Toten ausgehen, welche direkt auf das Unglück zurückzuführen sind. Atomkritische Organisationen wie Greenpeace oder Ärzte gegen den Atomkrieg gehen dagegen von Hunderttausenden von Opfern aus. Die Wahrheit wird wohl auch hier irgendwo in der Mitte liegen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Internationale Atomenergiebehörde IAEA schätzten im Jahr 2006, dass etwa 50 Menschen an der Strahlenkrankheit starben und es in den drei am stärksten betroffenen Ländern zu 9000 zusätzlichen Krebserkrankungen kommen werde. Ein Anstieg von Leukämieerkrankungen kann weder bewiesen noch widerlegt werden. Aber auch andere Krankheiten treten in den betroffenen Gebieten vermehrt auf. Tückisch ist, dass die Strahlen auch das Erbgut schädigen: viele Erkrankungen treten erst eine oder gar zwei Generationen später auf. In den Jahren nach dem Unfall gab es nicht nur vermehrte Fehl- und Totgeburten, auch wurden viele geschädigte und missgebildete Kinder geboren.

Alles unter Kontrolle?
Eine weitere, traurige Gemeinsamkeit mit den Ereignissen in Fukushima: nicht nur die verheerenden Explosionen und die erhöhten Strahlenwerte wiederholen sich auf erschreckende Weise. Auch in Japan werden wir Zeugen einer katastrophalen Informationspolitik. Wie die Betreiber von Tschernobyl, behaupteten auch Sprecher des japanischen Energieunternehmens Tepco noch einige Zeit nach dem Unglück, die Situation sei unter Kontrolle und es werde zu keiner Kernschmelze kommen. Diese Kernschmelze war zu dem Zeitpunkt wohl schon in vollem Gange. Was genau geschehen ist, wird die Öffentlichkeit wohl auch dieses Mal erst mit einiger Verspätung erfahren. Aber auch hier wird wohl nie klar werden, wie groß und gefährlich der Schaden wirklich ist. Denn schon heute behaupten die einen Stellen, die Auswirkungen des Unfalls seien auf jeden Fall geringer als in Tschernobyl und andere sind sicher, es werden 40 mal mehr Menschen zum Opfer fallen.

Die drei noch intakten Reaktoren des Kraftwerkes von Tschernobyl wurden übrigens wieder hochgefahren und gingen schon kurz nach dem Unfall zurück ans Netz. Sie verrichteten ihren Dienst noch viele Jahre, als sei nichts passiert und wurden erst 1993, 1996 und 2000 endgültig abgeschaltet.

Weitere Informationen im Netz

Stand: 26. April 2011
 
 
 

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