Die vorbildliche Ausnahme?

Wird ausdrücklich erwähnt, dass eine Frau dieses oder jenes erfolgreich gemacht hat, kann das auch einen unerwünschten Effekt haben

Kampagnen und Initiativen, die sich für Gleichberechtigung von Frauen stark machen, setzen oft auf Slogans, die diese in den Mittelpunkt stellen. Botschaften wie "The future is female” (Die Zukunft gehört den Frauen") oder “Fight like a girl,” ("Kämpfe wie ein Mädchen") können aber auch den gegenteiligen Effekt haben. Eine neue psychologische Studie der Universität Edinburgh zeigt, dass Botschaften, die das Geschlecht betonen, um die Leistungen von Frauen bei einer bestimmten Aktivität hervorzuheben, die Wahrnehmung der Fähigkeiten von Mädchen und Frauen tatsächlich schmälern können – und zwar sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen beider Geschlechter.

„Das bedeutet nicht, dass wir die Leistungen von Frauen nicht würdigen sollten – Sichtbarkeit ist nach wie vor wichtig“, sagt Studienleiter Andrei Cimpian. „Kontraproduktiv ist es jedoch, das Geschlecht von Frauen als Grund für die Würdigung hervorzuheben.“

Die besonderen Ausnahme?

Geschlechtsspezifische Formulierungen wie „Space4Women“ oder „Programmieren für Mädchen“ sollen vermitteln, dass Frauen und Mädchen in diesen Bereichen aktiv sind. Aber weil es extra erwähnt werden muss, kann auch der Gedanke entstehen, dass das eher etwas Ungewöhnliches ist. Warum sollte man das Geschlecht sonst überhaupt erwähnen? Niemand würde schreiben "Ein Mann gewinnt den Programmierwettbewerb". Es wird der Name genannt und fertig. Schreibt man aber "Eine Frau gewinnt die Informatik-Olympiade" klingt das nach einer besonderen Ausnahme.

Um zu testen, wie sich die Beschreibungen auswirken, hatten Forscher:innen 1.100 Kinder und Erwachsene gebeten, Texte über erfundene Aktivitäten zu lesen. Teilnehmende sahen Beschreibungen, in denen das Geschlecht hervorgehoben wurde, wie zum Beispiel: „Ein Mädchen ist die Gazzer-Meisterin“, während andere dieselben Informationen ohne Erwähnung des Geschlechts erhielten, indem etwa ein Name verwendet wurde: „Joan ist die Gazzer-Meisterin.“
Gazzer war ein erfundener Begriff, dadurch sollte verhindert werden, dass die Teilnehmenden Vorurteile einfließen ließen, wer typischerweise dieses oder jenes macht oder besonders gut kann.
In einigen Experimenten wurden auch geschlechtsneutrale Gruppenbeschreibungen statt Namen verwendet (z.B. die "Daxes").

Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass die ausdrückliche Erwähnung des sozialen Geschlechts oft nach hinten losging. Im Vergleich zur Nennung des Namens einer Person führten geschlechtsbezogene Beschreibungen dazu, dass sowohl weibliche als auch männliche Teilnehmer glaubten, dass weniger Frauen an der Aktivität teilnahmen. Sowohl weibliche als auch männliche Erwachsene gaben zudem häufiger an, dass Frauen bei dieser Aktivität weniger kompetent seien.

Zudem zeigten die, die die geschlechtsbezogenen Beschreibungen gelesen hatten, weniger Interesse an den Aktivitäten selbst.

Die Forschenden stellten fest, dass diese Effekte bei Erwachsenen stärker ausgeprägt waren als bei Kindern, was darauf hindeutet, dass Erwachsene eher zwischen den Zeilen lesen – und daraus schließen, dass die Hervorhebung des Geschlechts bedeutet, dass jemand in diesem Kontext ungewöhnlich ist.

Unbeabsichtigte Folgen

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Bemühungen zur Förderung der Geschlechtergleichstellung manchmal unbeabsichtigte Folgen haben können, so das Fazit der Autor:innen.

„Unsere Studie zeigt, dass subtile kommunikative Schlussfolgerungen dazu führen können, dass gut gemeinte geschlechtsspezifische Botschaften ihre eigenen Ziele untergraben, und sie legt nahe, dass Geschlechtsbezeichnungen – entgegen der Intuition – nicht einfach nur positive Informationen über die Teilhabe und Fähigkeiten von Frauen liefern“, sagt Cimpian.

„Anstatt zu betonen, dass eine Leistung von oder für Frauen erbracht wurde, könnte es effektiver sein, einfach zu zeigen, wie Frauen in diesen Bereichen erfolgreich sind, ohne das Geschlecht in den Mittelpunkt zu stellen“, rät Bailey. Also, einfach den Namen nennen und fertig ;-).

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 21. Oktober 2026