Die Klimaverantwortlichen

Der am 15. November bei der Weltklimakonferenz in Bonn vorgestellte Klimaschutz-Index 2018 zeigt, welches Land positive und negative Entwicklungen vorweist

Die Erde stöhnt

Eigentlich könnte man ein wenig aufatmen, denn der heute bei der Weltklimakonferenz in Bonn vorgestellte Klimaschutz-Index (KSI) 2018 zeigt weltweit positive Entwicklungen bei Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und in manchen Ländern auch bei den Emissionen. Aber es wird auch schnell klar, dass die Ziele der Länder und deren Umsetzung insgesamt noch zu schwach sind, um den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. "In einigen Sektoren, zum Beispiel Verkehr und Energie, passiert häufig noch viel zu wenig“, sagt Jan Burck von Germanwatch, Co-Autor des KSI. Gerade in Deutschland habe es in den vergangenen Jahren insbesondere in den Bereichen Verkehr und bei der Kohleverstromung viel zu wenig Fortschritt gegeben. Deshalb landet das "Energiewendeland" Deutschland auch nur auf dem 22. Rang.

Weltweit seien aber bei den Erneuerbaren Energien positive Trends zu beobachten. Es gibt mehr davon und die Preise für Wind- und Sonnenenergie sind deutlich gefallen. „Dies erklärt die Stabilisierung der Emissionsentwicklung in den letzten Jahren. Allerdings ist dieser Trend noch viel zu langsam, um innerhalb weniger Jahrzehnte die globale Energieversorgung auf Erneuerbare Energien umzustellen. Insbesondere der weltweite Anstieg bei Erdgas und Erdöl konterkariert die Reduzierung beim Kohleverbrauch“, so Prof. Niklas Höhne vom NewClimate Institute, Co-Autor des KSI.

KSI 2018: Hauptergebnisse: Die ersten drei Plätze bleiben frei
Kein Land unternimmt bislang genug um die Temperatur global deutlich unter zwei Grad zu halten. „Insgesamt ist der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei den mittel- und langfristigen Klimaschutzzielen der untersuchten Länder immer noch zu groß. Bei den Treibhausgasemissionen sehen wir beispielsweise relativ starke Ziele in Indien oder Norwegen, bezogen auf Erneuerbare Energien sind die Ziele in Schweden, Norwegen und Neuseeland besser als in anderen Ländern. In Bezug auf den Energieverbrauch zeigt jedoch kein Land ein besonders gutes 2030-Ziel. Saudi-Arabien und die USA sind Staaten, die ihre Ziele in allen Bereichen drastisch anheben müssen, um auch nur in die Nähe ihrer Paris-Versprechen zu kommen“, erklärt Höhne.

Schelte muss die Bundesregierung einstecken, denn die CO2-Emissionen in Deutschland wurden seit 2009 nicht mehr gesenkt. "Die noch amtierende Bundesregierung hat es verpasst, ernsthafte Maßnahmen zur Umsetzung der Klimaziele zu ergreifen. Es ist unumgänglich, dass im kommenden Koalitionsvertrag die notwendigen Maßnahmen für schnell wirksamen Klimaschutz durch einen Kohleausstiegsplan und eine echte Verkehrswende verankert werden. Nur dann schafft es Deutschland vom Ankündigungs- und Braunkohle-Weltmeister zum echten Klimaschutz-Champion“, so Jan Burck.

Schweden, Litauen, Marokko auf den ersten Plätzen
Den ersten Platz nach den freigebliebenen belegt Schweden auf Platz 4. Hier gab es relativ gute Entwicklungen im Ausbau Erneuerbarer Energien und weniger Pro-Kopf-Emissionen. Ähnlich sieht es auch bei Litauen aus, das auf Rang fünf landete. Marokko, dass den 6. Platz belegt, profitiert neben seinem Ausbau Erneuerbarer Energien vor allem von guten Politik-Bewertungen seiner nationalen Klima- und Energieexperten und wird gefolgt von Norwegen auf Platz sieben. Mit noch immer vergleichsweise niedrigen Werten bei Emissionen und Primärenergienutzung (jeweils pro Kopf) liegt Indien auf Rang 14. China dagegen belegt mit relativ hohem Emissionsniveau und wachsendem Primärenergieverbrauch nur Platz 41 im Index. Eine bessere Positionierung in den nächsten Jahren ist jedoch  zu erwarten,  da chinesische Experten ihr Land für die Implementierung wichtiger Maßnahmen zur Abschaltung von Kohlekraftwerks-Kapazitäten sowie die Förderung Erneuerbarer Energien und Elektromobilität loben.

USA auf den hinteren Rängen gelandet
Wegen ihrer Ankündigung aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten und der Abkehr von einigen zentralen Klimagesetzgebungen der Vorgängerregierung landen die USA unter den am schlechtesten abschneidenden Ländern im Index (56.). Neben einer sehr schlechten Bewertung im Bereich der Klimapolitik sind das momentane Emissionsniveau und der Primärenergieverbrauch entschieden zu hoch für einen deutlich unter 2°C liegenden Pfad. Die letzten drei Plätze gehen an Korea (Rang 58), den Iran (Rang 59) und Saudi-Arabien (Rang 60), die alle keine Fortschritte bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen und ihrem Primärenergieverbrauch verzeichnen können. 

Der Klimaschutz-Index von Germanwatch und NewClimate Institute knüpft an den globalen Klimaschutz-Index von Germanwatch an, ein seit 2006 jährlich erstelltes Ranking der knapp 60 größten Emittenten weltweit. Zudem wurde die Methodik angepasst. Zwar betrachtet der Index wie bisher vier Bereiche: Emissionen (40%), Energieverbrauch (20%), Erneuerbare Energien (20%) und Klimapolitik (20%, bewertet von Experten/innen aus dem jeweiligen Land). Aber dank der neuen Methodik wird nun auch die Frage beantwortet, inwieweit das jeweilige Land in den Bereichen Emissionen, Erneuerbare Energien und Energieverbrauch adäquat handelt, um die Pariser Klimaziele erreichen zu können.

Quelle und weiterführende Infos:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 15. November 2017
 
 
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