Die große Liebe aus dem Internet

Die Hochschule Fresenius hat das Verhalten von Frauen und Männern auf Online-Dating-Portalen untersucht

Augen auf bei der Partner_innenwahl, besonders dann, wenn man die Liebste oder den Liebsten auf Online-Dating-Portalen finden will ;-). Denn zwar halten solche Beziehungen offenbar länger und sind zufriedener, aber bei der "Vermarktung" der eigenen Person auf diesen Kontaktbörsen wird nicht selten geschummelt, sagen Forscher_innen der Hochschule Fresenius, die sich einen aktuellen Forschungsüberblick zum Thema Online-Dating verschafft haben.

Männer und Frauen verhalten sich bei der Partnersuche im Internet sehr unterschiedlich, wie Wera Aretz, Dominic-Nicolas Gansen-Ammann, Katja Mierke und Annika Musiol von der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien Köln, in ihrem Forschungsüberblick festgestellt haben. Weil es eben keine physische Präsenz gibt, mit der man die Interessent_innen von sich überzeugen kann, müssen Online-Dater_innen über besondere Selbstpräsentations-Kompetenzen verfügen. Ein gewisses Maß an Übertreibung scheint dabei zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit nötig zu sein: Frauen schummeln bei den Angaben eher bei Alter und Gewicht, Männer übertreiben Größe und Einkommen oder verfälschen ihren aktuellen Beziehungsstatus.

Was ist weiblich- was ist männlich?
Auch auf den Profilfotos gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede: Frauen lächeln mehr, neigen ihren Kopf eher nach unten und lassen sich häufiger in Innenräumen fotografieren - vermutlich um häuslich zu wirken, so die Wissenschaftler_innen. Männer hingegen inszenieren Männlichkeit, Reife und Gesundheit, indem sie Fotos aus einem Aufnahmewinkel nutzen, der sie größer erscheinen lässt. Um den Eindruck von Robustheit, Abenteuerlichkeit und Athletik zu vermitteln, demonstrieren sie häufiger Muskelkraft und lassen sich öfter im Freien fotografieren.

Online angebahnte Beziehungen glücklicher?
Laut einer Befragung von 20.000 US-Amerikaner_innen an, die zwischen 2005 und 2012 geheiratet haben, wiesen Paare, die sich online kennengelernt hatten und später heirateten, eine höhere Ehezufriedenheit und weniger frühe Scheidungen auf als jene, die sich auf herkömmlichem Wege kennengelernt hatten. Die höhere Ehezufriedenheit bei online angebahnten Beziehungen könnte den Forscher_innen zufolge an der größeren Auswahl potenzieller Partner und am Matching-System der Vermittlungsseiten liegen, das Suchende nach dem Ähnlichkeitsprinzip zusammenführt. Außerdem könnte die Persönlichkeit der Nutzer, die Motivation, eine Langzeitbeziehung einzugehen und die Bereitschaft, im Online-Kontext mehr von sich preiszugeben, Einfluss auf den Partnerschaftserfolg nehmen.

Gleich und gleich gesellt sich gern
Grundsätzlich sagen die Forscher_innen über das Online-Dating, dass beide Geschlechter häufiger Menschen kontaktieren, die ihnen in Bezug auf Alter, Bildung und Interessen ähnlich sind. Insgesamt werden allerdings nur 16 Prozent aller Erstkontakte beantwortet. Finden sich beide gegenseitig sympathisch, findet das erste echte Treffen meist innerhalb eines Monats, oft auch schon nach einer Woche statt. Frauen sind dabei allerdings zurückhaltender und sichern sich mehr ab, indem sie öffentliche Orte wählen und Freundinnen davon berichten.

Dem Überblick zufolge bestehen im deutschsprachigen Internet mittlerweile mehr als 2500 Online-Dating-Portale, die unterschieden werden in Kontaktanzeigen, Partnervermittlung (Parship, ElitePartner o.ä.), Social-Dating (Tinder, Lovoo o.ä.), Adult-Dating (C-Date, Joyclub o.ä.) und Nischenanbietern (für Übergewichtige, spezielle Glaubensrichtungen o.ä.). Die Anzahl der Mitgliedschaften wird in Deutschland im Jahr 2016 auf 118 Millionen geschätzt. Davon nutzen allerdings nur 12 Millionen den Service regelmäßig, wovon 3,5 Millionen explizit nach sexuellen Kontakten suchen. Häufig werden mehrere Dienste parallel verwendet. Im Durchschnitt sind die User_innen 30 Jahre alt, und der Anteil der Männer überwiegt mit 64 Prozent gegenüber den Frauen. Bei Homosexuellen und sexuellen Minderheiten scheint Online-Dating stark verbreitet zu sein.

„Wir stehen erst am Anfang, das Phänomen in seiner Komplexität zu begreifen“, sagen die Wissenschaftler der Hochschule Fresenius. Wir sind gespannt, was sie noch so alles herausfinden werden...

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 15. Mai 2017