Datenklau beim Handywechsel
TU Graz deckt massive Sicherheitslücken in Datentransfer-Tools auf
Bild: Lunghammer - TU Graz
Wer sich ein neues Smartphone kauft, möchte seine Daten meist schnell und unkompliziert vom alten Gerät übertragen. Doch dieser „digitale Umzug“ ist oft gefährlicher als gedacht, denn die gängigen Datenmigrations-Tools der großen Android-Hersteller wie Samsung, Google und Xiaomi stellen ein großes Sicherheitsrisiko dar, wie Forschende der TU Graz in einer neuen Studie zeigen. In ihren Untersuchungen zeigte sich, dass kritische Schwachstellen in allen untersuchten Apps es Angreifern in WLAN-Reichweite ermöglichten, private Nutzerdaten wie Anruflisten, Fotos und Anmeldedaten auszuspähen.
Sicherheitsrisiko beim „Phone Cloning“
Sogenannte „Phone Clone“-Tools sollen dabei helfen, alle Daten, Einstellungen und Apps nahtlos vom alten auf das neue Gerät zu überspielen. Diese Tools bauen meist eine direkte WLAN-Verbindung zwischen zwei Smartphones auf, ohne dass ein externer Server notwendig ist. Die Untersuchung der Grazer IT-Sicherheitsforscher zeigt aber nun: Dieser Komfort geht massiv auf Kosten der Sicherheit.
In allen untersuchten Datenmigrations-Apps von den sieben Android-Herstellern Google, Samsung, Vivo, Xiaomi, Oppo, Huawei und Honor fanden sie Schwachstellen, die Angreifern erlaubten, die Übertragung zu manipulieren oder mitzulesen. Dazu mussten sie nur in Funkreichweite der Geräte befinden – in Innenräumen sind das etwa 20 bis 45 Meter. Mit günstiger Ausrüstung für weniger als 100 Euro konnten sie so den Datentransfer belauschen.
OK, im eigenen Zuhause wird so etwas sicher nicht passieren, aber an Orten, an denen täglich viele neue Handys eingerichtet werden, wie Elektronikfachgeschäfte oder Mobilfunk-Shops, bestehen ganz gute Voraussetzungen für solche Angriffe.
Fotos, Passwörter, Zugangsdaten auf dem Präsentierteller
Das Risiko dieser Schwachstellen ist enorm, da bei einer Datenmigration fast der gesamte Inhalt eines Smartphones übertragen wird. Die Forschenden konnten bei ihrer Untersuchung nicht nur SMS, Kontakte und Fotos auslesen, sondern sogar hochsensible Informationen wie Gesundheitsdaten oder Zugangsdaten für gespeicherte WLAN-Netzwerke und App-Passwörter. In einigen Fällen war es sogar möglich, während der Übertragung manipulierte App-Pakete mit Schadsoftware direkt in das neue Gerät einzuschleusen.
Milliarden Nutzer:innen betroffen – Hersteller reagieren
Untersucht wurde eine Vielzahl von Android-Herstellern und Datentransfer-Apps, darunter Google Android: Switch, Samsung: Smart Switch, Vivo: EasyShare, Xiaomi: Mi Mover, Oppo: Clone Phone, Huawei: Phone Clone und Honor: Device Clone.
Die untersuchten Apps verzeichnen insgesamt mehr als 12 Milliarden Downloads und sind auf fast jedem Android-Gerät vorinstalliert. Das ist natürlich sehr bequem für den Datenumzug auf ein neues Handy, und deshalb „haben diese Sicherheitslücken enorme Auswirkungen“, sagt Florian Draschbacher aus dem Forschungsteam.
Das Team der TU Graz hat das Problem schon an die Hersteller gemeldet, die die Schwere der Problematik (darunter fünf als „hoch“ eingestufte Sicherheitswarnungen) bestätigt. Mittlerweile haben alle sieben Hersteller Sicherheits-Updates zur Behebung der gemeldeten Schwachstellen bereitgestellt. Die Forschenden rufen dazu auf, vor der Datenmigration zwischen zwei Smartphones „auf beiden Geräten die aktuellste Version der Datenmigrations-App und sowieso immer alle relevanten Updates zu installieren.“ In manchen Fällen sei dazu die Aktualisierung des gesamten Betriebssystems nötig.
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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 20. Oktober 2026