Das richtige Gefühl

Für "Glück" braucht es nicht nur positive Emotionen, sondern die richtigen, auch wenn sie negativ sind

Um Glück zu empfinden ist es nicht erforderlich, nur positive Gefühle zu haben. Auch negative Gefühle wie Hass, Ärger und Wut können zum Wohlbefinden beitragen. Das klingt irgendwie absurd, ist aber eine Erkenntnis, die Wissenschaftler_innen der Hebrew University of Jerusalem gewonnen haben.

"Glück ist mehr als nur Freude zu empfinden und Schmerzhaftes zu vermeiden. Glück ist Erfahrungen zu machen, die Bedeutung haben und wertvoll sind, eingeschlossen Gefühle, von denen du glaubst, dass es die richtigen sind. Alle Gefühle können in einem bestimmten Kontext positiv, in einem anderen negativ sein - ganz gleich ob die positiver oder negativer Natur sind", erklärt die Hauptautorin der Studie Maya Tamir.

Sie und ihre Kolleg_innen hatten 2.324 Universitätsstudent_innen aus acht Ländern nach ihrer Lebenszufriedenheit, nach erwünschten Gefühlen, tatsächlichen Gefühlen und lebensbegeleitenden Umständen befragt. Dabei gaben 11 % an, weniger Gefühle wie Liebe empfinden zu wollen als sie es im Alltag taten. 10 % wollten mehr unangenehme Gefühle haben als sie hatten.

Wie kann das sein, fragt ihr euch? Wer wünscht sich weniger Liebe und mehr Hass? Die Antwort liegt auf der Hand. Nicht immer ist ein bestimmtes Gefühl auch gewünscht. Habt ihr noch nie gedacht "Ich wünschte, ich würde ihn/sie nicht so lieben?" wenn eure Gefühle bei der falschen, echt miesen, gemeinen, eurer Liebe nicht würdigen Person gelandet sind?
Habt ihr noch nie gedacht, ihr müsstet wütender, trauriger, entsetzter sein, wenn ihr von einem schlimmen Vorfall hört, der euch aber erschreckenderweise kalt lässt?

Die Menschen fühlen sich offenbar besser, wenn sie das "richtige" Gefühl haben und zwar eines, das sie sich selbst wünschen, weil sie es angemessen finden.
Die Befragten in dieser Studie, die mehr Gefühle hatten, die sie sich auch wünschten - negative wie positive - wiesen insgesamt eine höhere Lebenszufriedenheit auf und weniger depressive Symptome als diejenigen, die nicht so sehr im Einklang mit ihren Gefühlen waren.

Die Erkenntnis mag schockieren, dass Gefühle wie Hass und Wut zu einem guten Lebensgefühl beitragen sollen. Tatsächlich bildet die Studie auch nur einen kleinen Ausschnitt aus dem doch recht komplexen menschlichen Gefühlsleben ab. Die Forscher_innen finden das Ergebnis aber auch wichtig, weil es Menschen davor schützen helfe, unrealistische Vorstellungen von immer dauernden positiven Gefühlen zu haben. Die Menschen strebten danach, sich ständig gut zu fühlen und unentwegt positive Gefühle zu haben  - und das mache schlussendlich auch nicht glücklich.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung Eurekalert.org - Stand: 18. August 2017