Das Glück in schlimmen Zeiten

Inmitten von Krieg und Pandemie zeigt der World Happiness Report, dass es auch Lichtblicke gibt

Während die Welt gegen das Übel der Pandemie und des Krieges kämpft, ist es besonders wichtig, sich an den universellen Wunsch nach Glück und die Fähigkeit der Menschen zu erinnern, sich in Zeiten großer Not gegenseitig zu unterstützen. Deshalb weist der World Happiness Report 2022 auf ein helles Licht in dunklen Zeiten. Nach Angaben des internationalen Forschungsteams, zu dem auch Christopher Barrington-Leigh, Professor an der McGill University, gehört, brachte zum Beispiel die Pandemie nicht nur Schmerz und Leid mit sich, sondern auch eine Zunahme der sozialen Unterstützung und des Wohlwollens. In diesem Jahr feiert der World Happiness Report sein 10-jähriges Bestehen. Der Bericht wertet globale Umfragedaten darüber aus, wie die Menschen ihr eigenes Leben in mehr als 150 Ländern auf der ganzen Welt bewerten.

"COVID-19 ist die größte Gesundheitskrise, die wir seit mehr als einem Jahrhundert erlebt haben", sagt Professor John Helliwell von der University of British Columbia. "Jetzt, wo wir Daten über zwei Jahre haben, können wir nicht nur die Bedeutung von Wohlwollen und Vertrauen beurteilen, sondern auch sehen, wie sie zum Wohlbefinden während der Pandemie beigetragen haben."

Zunahme an freundlichen Handlungen
Helliwell fügt hinzu: "Wir haben im Jahr 2021 weltweit einen bemerkenswerten Zuwachs bei allen drei in der Gallup World Poll untersuchten Handlungen der Freundlichkeit festgestellt." Zu den drei Handlungen gehören Fremden zu helfen, Freiwilligenarbeit und Spenden. Alle drei Aspekte seien im Jahr 2021 in allen Teilen der Welt stark angestiegen und lägen fast 25 % über den Werten vor der Pandemie. Dieser Anstieg des Wohlwollens - vor allem bei der Hilfe für Fremde - sei ein deutlicher Beweis dafür, dass die Menschen anderen in Not helfen würden. Das mache nicht nur die Empfänger_innen glücklicher, sondern sei auch ein Vorbild für andere und verbessere auch das eigene Leben, so der Forscher.

Finnland auf Platz 1
Wer führt aber das Ranking der glücklichsten Länder dieses mal an? Bereits zum fünften Mal in Folge steht Finnland an der Spitze der glücklichsten Länder der Welt. In diesem Jahr lag es sogar deutlich vor den anderen Ländern in den Top Ten. Auf Platz zwei liegt - auch schon wie in den Jahren zuvor - Dänemark, während Island von Platz 4 im letzten Jahr auf Platz 3 in diesem Jahr aufgestiegen ist. Platz 4 belegt die Schweiz, gefolgt von den Niederlanden und Luxemburg. Die Top Ten werden durch Schweden, Norwegen, Israel und Neuseeland vervollständigt. Auf den nächsten fünf Plätzen liegen Österreich, Australien, Irland, Deutschland und Kanada, in dieser Reihenfolge. Dies bedeutet einen erheblichen Rückgang für Kanada, das vor zehn Jahren noch auf Platz 5 lag.

"Der Abwärtstrend für Kanada ist signifikant und setzt sich seit Jahren fort. Während Kanada früher neben den skandinavischen Ländern rangierte, liegt es jetzt näher an den Vereinigten Staaten, wenn es darum geht, wie gut die Menschen ihr Leben insgesamt einschätzen", sagt Professor Christopher Barrington-Leigh von der McGill University.

Zu den übrigen Ländern der Top 20 gehören die Vereinigten Staaten auf Platz 16 (gegenüber Platz 19 im letzten Jahr), das Vereinigte Königreich und die Tschechische Republik auf den Plätzen 17 und 18, gefolgt von Belgien auf Platz 19 und Frankreich auf Platz 20, seinem bisher höchsten Rang. Die drei größten Zuwächse gab es in Serbien, Bulgarien und Rumänien. Die größten Verluste verzeichneten der Libanon, Venezuela und Afghanistan.

Die 15 glücklichsten Länder
Finnland
Dänemark
Island
Schweiz
Niederlande
Luxemburg
Schweden
Norwegen
Israel
Neuseeland
Österreich
Australien
Irland
Deutschland
Kanada

Armut verhindert Glück
"Ganz unten in der Rangliste finden wir Gesellschaften, die unter Konflikten und extremer Armut leiden. Insbesondere stellen wir fest, dass die Menschen in Afghanistan die Qualität ihres eigenen Lebens nur mit 2,4 von 10 Punkten bewerten", stellt Jan-Emmanuel De Neve von der Universität Oxford fest. Dies sei ein deutlicher Hinweis darauf, welchen materiellen und immateriellen Schaden der Krieg seinen vielen Opfern zugefügt habe, und wie hoch die grundlegende Bedeutung von Frieden und Stabilität für das menschliche Wohlergehen sei.

Fortschritte durch Messungen des Glücks gekennzeichnet
"Der World Happiness Report verändert die Diskussion über Fortschritt und Wohlbefinden. Er liefert wichtige Momentaufnahmen darüber, wie Menschen auf der ganzen Welt die Qualität ihres Lebens insgesamt einschätzen", sagt Christopher Barrington-Leigh, Professor an der McGill University. Den Forschern zufolge können diese Informationen wiederum den Ländern dabei helfen, politische Maßnahmen zu entwickeln, die auf eine glücklichere Gesellschaft abzielen.

In früheren Berichten wurde der Zusammenhang zwischen dem Vertrauen der Menschen in die Regierung und die Institutionen und der Zufriedenheit untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Gemeinschaften mit einem hohen Maß an Vertrauen glücklicher und widerstandsfähiger gegenüber einer Vielzahl von Krisen sind.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung