Infodemie schlimmer als der Virus?

Die Weltgesundheitsorganisation startet eine Informationskampagne, um den gefährlichen Corona-Falschmeldungen etwas entgegenzusetzen

WHO Myth Buster: Knoblauch hilft nicht gegen das neuartige Coronavirus

Die Weltgesundheitsorganisation WHO beklagt hinsichtlich der Berichterstattung zu Corona eine regelrechte "Infodemie", ein Überangebot an (falschen) Informationen, die sich schneller verbreiteten als der Virus und ebenso gefährlich seien. Denn sie führen womöglich dazu, dass Menschen unnötige gesundheitliche Risiken eingehen und wirklich wichtige Schutzmaßnahmen nicht ergreifen. Die WHO setzt darum nun eine eigene Informationskampagne in den sozialen Netzwerken gegen die haarsträubenden Falschmeldungen und Verschwörungstheorien.

Coronaviren sind eine Familie von Viren, die unterschiedliche Erkrankungen unterschiedlichen Schweregrades auslösen können. SARS und MERS gehören ebenfalls zu den Coronaviren. Das neuartige, aktuelle Virus wird Sars-CoV-2 genannt, kursiert aber auch noch unter dem vorherigen Übergangsnamen 2019-nCoV. Die durch dieses Virus ausgelöste Lungenerkrankung heißt COVID-19.

Knoblauch hilft bestenfalls gegen Vampire

Leider kursieren derzeit jede Menge solcher Theorien. Ein noch recht unbekannter Virus, der sich plötzlich auf der ganzen Welt ausbreitet ist ja auch ein unheimliches Szenario, das an bekannte Katastrophenfilme oder Zombieserien denken lässt und die Fantasie auf unschöne Weise befeuert. So werden - wie fast bei jeder neu auftretenden Erkrankung - Behauptungen verbreitet, der Virus sei aus einem Labor entwichen, wo er gezüchtet wurde. Es wird behauptet, Sendungen aus China könnten zu Infektionen führen und man könne den Virus mal mit Knoblauch, mal mit dem eingeatmeten Rauch von Feuerwerk behandeln. Solche hirnrissigen Meldungen sind kontraproduktiv, denn wenn zu den Problemen der weltweit steigenden Krankheitsfälle noch lauter Erkrankte kommen, die sich Rauchvergiftungen zugezogen haben oder andere mit ihren Verschwörungstheorien in den Wahnsinn treiben, ist niemandem geholfen. Die WHO kontert jedes dieser Gerüchte mit einem eigenen "Myth Buster" (Mythen-Bekämpfer"), der zum Beispiel darüber aufklärt, dass Post aus China keine Gefahr darstellt und Knoblauch zwar gesund, aber leider keine Waffe gegen das neuartige Virus ist.

Was tun?
Die wichtigste Maßnahme ist definitiv, sich zu informieren, und zwar nicht unbedingt bei den nächstbesten Influencer_innen, die neuerdings ganz stylish mit Atemschutzmasken posen, sondern bei seriösen Quellen, die verlässliche Informationen zu Sars-CoV-2 liefern. Wer die englischsprachigen Informationen der WHO nicht versteht, kann sich getrost auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, des Robert Koch Instituts oder beim Gesundheitsministerium informieren (siehe Links unten).

Hände waschen ist die wichigste Maßnahme
Auch die Empfehlung, sich regelmäßig gründlich mit Wasser und Seife die Hände zu waschen, ist universell gültig. Regelmäßiges Händewaschen schützt vor vielen übertragbaren Krankheiten, nicht nur vor Sars-CoV-2. Das ist auch insofern wichtig, weil das Gesundheitssystem nicht auch noch Massen von zusätzlichen Grippe- und Erkältungskranken gebrauchen kann.

Atemmasken? Meist unnötig
Atemmasken sind wichtig für medizinisches Personal, das konkret engen Kontakt zu Infizierten hat. Auch für Erkrankte kann das Tragen sinnvoll sein, um andere Personen vor herumfliegenden Tröpfchen beim Husten oder Niesen zu schützen. Für Gesunde sind sie unnötig, weil sie nach längerer Tragezeit und Durchfeuchtung ohnehin kaum noch wirksam sind und es keine Belege dafür gibt, dass sie vor einer Infektion schützen. Besser ist, 1,5 m Abstand zu halten zu Menschen, die husten oder niesen. Das ist eine Empfehlung, die auch unabhängig von Sars-CoV-2 ratsam ist.

Weitere Empfehlungen hängen stark von der Zahl der Krankheitsfälle in der näheren Umgebung ab und davon, ob man selbst mit ihnen in Kontakt gekommen sein könnte. Wer in Gebieten mit vielen Krankheitsfällen unterwegs war oder mit Reisenden aus diesen Gebieten oder Erkrankten Kontakt hatte und dann selbst Symptome entwickelt, sollte sich (zunächst telefonisch!) an hausärztliche Praxen oder das Gesundheitsamt wenden und natürlich alles vermeiden, was andere anstecken könnte.

Nicht jeder Husten ist eine Sars-CoV-2 -Infektion - Abstand halten hilft
Panik ist auf jeden Fall unangebracht und niemand muss hysterisch werden, wenn jemand hustet, was um diese Jahreszeit leider ständig der Fall ist. Zur Zeit sind in Deutschland noch so wenige Fälle registriert, dass ihr ziemlich sicher sein könnt, dass euer schniefender oder hustender Sitznachbar nicht an Sars-CoV-2 erkrankt ist, sondern an einem anderen Virus. Zudem sind die meisten Kranksheitsverläufe mild, vor allem bei Kindern und Jugendlichen scheint die Erkrankung selten schwer zu verlaufen. Dennoch sollten in dieser Zeit nicht unnötig Küsschen verteilt und Trinkflaschen weitergereicht werden.

Eine Kunst: Den Ernst der Lage verstehen, ohne hysterisch zu werden
Die Lage ist durchaus ernst und auch Deutschland muss sich auf eine weitere Verbreitung des Virus einstellen. Es ist möglich, dass in nächster Zeit größere Veranstaltungen aus diesem Grund abgesagt werden und Betroffene und ihre Kontaktpersonen unter häusliche Quarantäne gestellt werden. Es gibt trotdzem keinen Anlass, jetzt in eine Virus-Hysterie zu verfallen, in Desinfektionsmitteln zu baden oder sich nur noch mit einer Atemschutzmaske aus dem Haus zu trauen. Im Gegenteil! Wer sich gut informiert und die auf seriösen Informationsangeboten empfohlenen Maßnahmen einhält, trägt dazu bei, dass die Situation unter Kontrolle gehalten werden kann.

In diesem Sinne: bleibt gesund, teilt keine fragwürdigen Informationen und lasst euch bloß nicht verrückt machen!

Quellen und weitere Informationen:

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 2. März 2020