Braucht der Geschichtsunterricht Nachhilfe?

Umfrage der Körber-Stiftung: Vier von zehn Schüler_innen kennen Auschwitz-Birkenau nicht

"Ein historischer Tag, ein Vorfall historischen Ausmaßes, ein historischer Einschnitt" - wenn von außergewöhnlichen Ereignissen berichtet wird, ist alles sehr schnell "historisch". Um das wirklich beurteilen zu können, müsste man allerdings auch über ein umfangreiches Wissen der Geschichte verfügen, doch die Vermittlung kommt im Unterricht oft zu kurz, beklagen Bildungsforscher_innen schon länger.

Fragt man die Schüler_innen selbst, dominiert im Geschichtsunterricht heute immer noch die reine Wissensvermittlung historischer Namen, Daten und Fakten. Dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrations- und Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg war, wissen allerdings nur 59 Prozent der Schüler_innen ab 14 Jahren. Das ergab nun eine repräsentative Umfrage, die Forsa im Juli und August 2017 im Auftrag der Körber-Stiftung durchgeführt hat.

Dabei wollen Deutsche aus der Geschichte lernen: Über 90 Prozent der Befragten finden es sehr wichtig oder wichtig, dass in der Schule ein Geschichtsunterricht stattfindet, der dazu befähigt, Inhalte kritisch hinterfragen und Lehren für die Gegenwart ziehen zu können. Die gleichen Prioritäten setzen auch Schüler_innen, wenn es um Geschichtsunterricht geht. Allerdings glauben drei Viertel von ihnen, dass das Interesse ihrer Mitschüler_innen an Geschichte generell eher gering ist, während sie sich selbst eher für Geschichte interessieren (56 %). »Junge Menschen können dann für Geschichte begeistert werden, wenn sie mit ihnen und ihrem Leben zu tun hat«, sagt Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Bildung der Körber-Stiftung. »Diesen Transfer muss ein moderner Geschichtsunterricht leisten – zumal Geschichte für das Verständnis der Gegenwart unabdingbar ist.«

Interessant und vielfältig
Dem eigenen Geschichtsunterricht geben die befragten Schüler_innen eigentlich eine gute Note. Drei Viertel von ihnen finden die Inhalte in ihrem Unterricht anschaulich und nachvollziehbar dargestellt . Auch die Themen seien interessant und vielfältig, sagen zwei Drittel der Jugendlichen. Ihr_e Geschichtslehrer_in hätte es geschafft, bei ihnen Interesse für die behandelten Themen zu wecken, sagen 66 Prozent. Interessant an dem Ergebnis ist aber, dass Jungen den Geschichtsunterricht insgesamt besser bewerten als die Mädchen.

»Der Geschichtsunterricht ist moderner geworden und besser als sein Ruf«, sagt Sven Tetzlaff. »Wichtig ist eine ausgewogene Mischung aus Wissensvermittlung und aktivierenden Methoden.« Das bestätigen auch zwei Drittel der Schüler_innen, die angaben, dass in ihrem Geschichtsunterricht digitale Medien eingesetzt oder interaktive Lernformen wie Projektarbeit angewendet wurden.

Bei der Vermittlung von Geschichtswissen tun sich allerdings schwerwiegende Lücken auf, denn nur 47 Prozent der 14- bis 16-jährigen Jugendlichen weiß, was Auschwitz-Birkenau war. Zwar wissen zumindest dreiviertel der über 17-Jährigen, was sich hinter dem Ortsnamen verbirgt, aber Tetzlaff beobachtet mit Sorge, "dass es in der Mittelstufe in immer weniger Bundesländern Geschichte als eigenständiges Schulfach gibt." Das sei für ihn einer der Gründe, warum erschreckend viele Schüler_innen das Konzentrationslager nicht kennen. »Ein weiterer Grund: Der Stundenumfang für Geschichte wird immer geringer. Diese Entwicklung muss gestoppt werden.«

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 2. Oktober 2017
 
 
 

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