Blick in eine fremde Welt

Forscher_innen erweitern Klimaszenario bis ins Jahr 2500 - eine düstere Aussicht

Wenn Politik und Forschung auf den Klimawandel schauen, dann endet ihr Horizont meistens im Jahr 2100. Das liegt möglicherweise daran, dass heutige Wähler_innen und Entscheidungsträger_innen sich zu wenig für eine Zukunft außerhalb ihrer eigenen Lebensspanne interessieren. Aber auch daran, dass Berechnungen für längere Zeitäume kompliziert und sehr rechenintensiv sind. Ein Blick über die nächsten 80 Jahre hinaus ist aber nicht nur wichtig, weil die Kinder und Enkelkinder der jetzt lebenden Menschen davon betroffen sein können, sondern auch, um realistisch einschätzen zu können, was wir mit unseren heutigen Entscheidungen in der Zukunft anrichten. Forscher_innen an der McGill University haben darum mit einem Modell, das etwas weniger rechenintensiv ist, einen Blick in das Jahr 2500 gewagt.

Viele Orte werden sich dramatisch verändern

Weil das Klima immer mit Verzögerung reagiert, ist den Forscher_innen zufolge ein Blick in die ferner liegende Zukunft von großer Bedeutung. "Wir müssen uns vorstellen, wie die Erde aussehen könnte, die unsere Kinder und Enkelkinder vorfinden werden, und was wir jetzt tun können, um sie für sie gerecht und lebenswert zu machen", sagt Christopher Lyon, Postdoktorand an der McGill University und einer der Autoren der Studie. "Wenn wir die Ziele des Pariser Abkommens nicht erreichen und die Emissionen weiter steigen, werden sich viele Orte auf der Welt dramatisch verändern."

USA tropisch, Indien zu heiß, um dort zu leben

Die düstere Prognose des internationalen Forschungsteams: Sinken die CO2-Emissionen nicht deutlich, wird die globale Erwärmung bis zum Jahr 2500 den Amazonas unfruchtbar machen, den mittleren Westen der USA tropisch und Indien zu heiß, um dort zu leben. Für die Berechnung verwendeten Lyon und seine Kolleg_innen ein Modell, das auch die Entwicklung der Vegetation und der Landflächen miteinbezieht.

Die Forscher_innen simulierten in ihrer Studie drei mögliche Entwicklungen: einen schnellen und effektiven Klimaschutz, einen mittleren und ein Weiter-so-Szenario. Dabei zeigt sich, dass die Welt sich drastisch verändern wird, wenn wir nicht schnell und effektiv gegensteuern. Klimazonen und Vegetation würden sich in vielen Bereichen der Welt verändern, ehemals fruchtbare und artenreiche Gegenden wie der Amazonas-Regenwald könnten sich in öde und karge Landschaften verwandeln. In einigen Regionen könnte es bis 2500 so heiß werden, dass ein menschliches Leben dort kaum mehr möglich wäre. Das beträfe vor allem Regionen, die heute schon unter extremen Hitzeperioden leiden. Möglicherweise könnten sich dort Menschen im Jahr 2500 nur noch mit Schutzanzügen im Freien aufhalten. Dementsprechend würden auch Anbaugebiete drastisch schrumpfen, so dass die Nahrungsversorgung der Menschen nicht gesichert werden könnte und Konflikte um Ressourcen und Lebensräume drohten.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal Global Change Biology veröffentlicht.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressmeldung - Stand: 20. Oktober 2021