Bildungsgerechtigkeit im Ländervergleich

Neue Studie „Chancenspiegel“ macht umfassende Bestandsaufnahme: Wie gerecht und leistungsstark sind unsere Schulsysteme?

Eigentlich sollte es ja kein Problem sein, in welchem Bundesland man geboren ist und zur Schule geht, denn wer würde Deutschland nicht für chancengerecht halten? Die Realität sieht aber ziemlich anders aus: wie der "Chancenspiegel", eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung aufzeigt, bestehen sehr große Unterschiede im Bildungssystem der einzelnen Bundesländer. So ist beispielsweise in Sachsen-Anhalt der Anteil der Kinder, die auf einer separaten Förderschule unterrichtet werden und keinen Zugang zur Regelschule haben, fast drei Mal höher als in Schleswig-Holstein. Und in Sachsen besuchen drei von vier SchülerInnen eine Ganztagsschule, in Bayern nicht einmal jeder zehnte. "Hier bestehen Gerechtigkeitslücken, denn sowohl die Ganztagsschule als auch der Besuch einer Regel- statt einer Förderschule steigern die Bildungschancen", sagte Jörg Dräger, er ist Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung.

Kinder und Jugendliche, die in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, im Saarland und in Baden-Württemberg wohnen, haben auch bessere Chancen auf ein Abitur. Hier erhalten jeweils mehr als die Hälfte der SchülerInnen eine Hochschulzugangsberechtigung – in Mecklenburg-Vorpommern sind es dagegen nicht einmal 36 Prozent.

Der Chancenspiegel zeigt aber auch, dass Schulsysteme in Deutschland durchaus fair und leistungsstark zugleich sein können. In Sachsen etwa ist das Schulsystem vergleichsweise durchlässig: Die Chancen für Kinder aus sozial benachteiligten Schichten, auf ein Gymnasium gehen zu können sind relativ gut, nur wenige SchülerInnen dort bleiben sitzen. Sachsens Schulen sind aber nicht nur gerecht, sondern fördern ihre SchülerInnen gut: Sowohl die leistungsstärksten als auch die leistungsschwächsten Jungen und Mädchen gehören deutschlandweit zu den Besten ihrer jeweiligen Vergleichsgruppe. "Leistung und Gerechtigkeit sind im Bildungssystem kein Widerspruch – und dürfen es auch nicht sein. Gute Bildungspolitik strebt beide Ziele gleichermaßen an", sagte Dräger.

Was ist der Chancenspiegel?

Mit dem Chancenspiegel möchten die Bertelsmann Stiftung und das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) transparent machen, wie chancengerecht deutsche Schulsysteme sind. "Es wird zwar viel über Chancengerechtigkeit debattiert, aber als Diskussionsgrundlage fehlt bislang ein Ländervergleich, der auf Fakten beruht", sagte Jörg Dräger, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung. Der Chancenspiegel soll ein Schritt sein, diese Lücke zu füllen. Er versucht erstmals für Deutschland, Chancengerechtigkeit konkret zu erfassen und vergleichbar zu machen, damit Wissenschaft und Politik dieses zentrale Thema künftig besser diskutieren und bewerten können. Dafür haben die IFS-Wissenschaftler um Prof. Wilfried Bos für jedes Bundesland analysiert, wie gerecht und wie leistungsstark das dortige Schulsystem ist.

Der Chancenspiegel bewertet Gerechtigkeit und Leistungsfähigkeit der Schulsysteme in vier Dimensionen: Integrationskraft, Durchlässigkeit, Kompetenzförderung und Zertifikatsvergabe. An ihnen kann man ablesen, wie integrativ Schulsysteme sind, ob sie soziale Nachteile wettmachen, Klassenwiederholungen und Schulabstiege vermeiden, welche Lesekompetenzen sie vermitteln, wie viele SchülerInnen sie zum Abitur führen oder wie erfolgreich insbesondere SchulabgängerInnen ohne oder nur mit Hauptschulabschluss darin sind, einen Ausbildungsplatz zu finden. Im Kern beschreibt der Chancenspiegel somit, wie die Schulsysteme der Länder mit Vielfalt umgehen: Inwiefern werden starke ebenso wie schwache Schüler gefördert? Werden diejenigen wirksam unterstützt, die schon bei der Einschulung benachteiligt sind?

"Für Kinder und Jugendliche sind Bildungschancen Lebenschancen. Aber gute Bildung ist nicht nur der Schlüssel zu individuellem Erfolg, sondern auch für gesellschaftliche Integration. Gute Bildungschancen sind somit gleichermaßen ein Gebot der Fairness und Gerechtigkeit sowie eine entscheidende Grundvoraussetzung für
Demokratie, Wohlstand und Zusammenhalt der ganzen Gesellschaft", schreiben Dr. Jörg Dräger und Ulrich Kober von der Bertelsmann Stiftung im Vorwort der Studie.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Autorin / Autor: Redaktion/Pressemitteilung - Stand: 14. März 2012
 
 
 

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