Beste Freundin für immer?

Studie: Wie stabil Freundschaften in den ersten Lebensjahren sind, hat Auswirkungen auf Freundschaften im späteren Leben

Creative Commons Zero (CC0) von Pexles

Welcher Freundschaftstyp bist du? Hast du eher längere Beziehungen zu einer einzigen Person, oder wechselst du häufiger deine BF? Die Entwicklungspsychologin Lisa Schreuders von der Universität Leiden hat sich mal die unterschiedlichen Freundschaftstypen genauer angeschaut und festgestellt, dass Freundschaften in den ersten Lebensjahren Konsequenzen für die Bindungen im späteren Leben haben können.

"In der Zeit des Heranwachsens ist viel los", erklärt die Forscherin. Freundschaften werden enger, und auch die Art dieser Freundschaften ändert sich. "Wir wollten herausfinden, ob wir aus neurowissenschaftlicher Sicht unterschiedliche Entwicklungspfade erkennen können." Oder anders ausgedrückt: Reagieren die Gehirne von Jugendlichen, die stabile beste Freundschaften haben, anders als die von Jugendlichen mit wechselnden besten Freundschaften?

Wie reagiert das Belohnungszentrum im Gehirn?
Schreuders Forschung konzentrierte sich auf einen bestimmten Bereich des Gehirns, das ventrale Striatum. Dieser Bereich des Gehirns reagiert stark auf Belohnungen wie zum Beispiel das Gewinnen eines Spiels bis hin zu etwas, das man gerne tut, wie das Hören seiner Lieblingsmusik. In der Studie wurden die Jugendlichen gebeten, innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren dreimal ein Spiel zu spielen, bei dem es darum ging, Geld für die beste Freundin, den besten Freund zu gewinnen. Bei denjenigen mit einer stabilen besten Freundschaft beobachtete das Forschungsteam, dass die Aktivität im ventralen Striatum zunächst anstieg und dann in der Entwicklungsphase von 8 bis 30 Jahren abnahm. Bei den Jugendlichen, die eher wechselnde beste Freund_innen hatten, gab es diese Kurve so nicht.

Stabilität und Verbundenheit
Laut Schreuders nimmt der Fokus auf stabile Freundschaften während der Pubertät zu und beste Freund_innen werden wichtiger. Am Anfang sei es wichtig, zunächst sein soziales Netzwerk aufzubauen und eine größere Gruppe von Freund_innen um sich herum zu haben. Etwas später verstärke sich dann das Bedürfnis nach einem stabilen besten Freund. Wie stabil eine Freundschaft sei, hänge auch damit zusammen, wie stark die Bindung später bleibe. So fühlten sich diejenigen mit stabilen besten Freundschaften während der ganzen Jugendzeit stark mit ihren besten Freund_innen verbunden, während bei der Gruppe mit wechselnden Freundschaften die Bindung auch zu neuen besten Freunden mit zunehmendem Alter abnehme. "Es scheint, dass die Art der Beziehungen, die man in jungen Jahren hat, Konsequenzen für die späteren Freundschaften hat", so Schreuders.
Auch die im Gehirn messbare neuronale Aktivität ist laut ihrer Kollegin Berna Güroğlu ein persönliches Merkmal eines jungen Menschen. Die Entwicklung im Muster der Gehirnaktivität eines jungen Menschen mit einer stabilen besten Freundschaft unterscheide sich von der eines Jugendlichen, der keine solche stabilen Freund_innen habe. "Wir sehen an der Hirnaktivität, dass diese jungen Menschen anders reagieren, und wir sehen auch Unterschiede in der Qualität der Freundschaften zwischen den beiden Gruppen."

Braintime - Das sich entwickelnde Gehirn
Eine sehr große Gruppe von Jugendlichen in einem breiten Altersspektrum wurde über mehrere Jahre beobachtet und zu verschiedenen Zeitpunkten gemessen. Zu Beginn der Studie war der Jüngste acht Jahre alt, am Ende war der Älteste 30 Jahre alt. Lisa Schreuders Doktorarbeit, betreut von Berna Güroğlu und Eveline Crone, war Teil des groß angelegten Leidener Braintime-Projekts, das inzwischen abgeschlossen ist.

Freundschaft in Coronazeiten
Laut Schreuders ist eine stabile Freundschaft eine besondere Art von Beziehung, die zu erhalten besondere Anstrengungen erfordert. Das kann in den gegenwärtigen Corona-Zeiten schwieriger sein. Güroğlu glaubt, dass es für Menschen, die in der Lage sind, eine beste Freundschaft aufrechtzuerhalten, anders sein wird als für Menschen, die Schwierigkeiten haben, einen besten Freund zu halten: "Sie werden in diesen schwierigeren Zeiten anders mit Problemen umgehen." Schreuders betont aber, dass man nicht sagen könne, was besser ist, nur, was anders ist. "Wir haben eine typische Gruppe von Jugendlichen in einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung untersucht, die es alle geschafft haben, eine_n beste_n Freund_in zu finden." Wie beruhigend ;-)

Ihre Forschungsarbeit, die sie zusammen mit Berna Güroğlu und anderen Kollegen geschrieben hat, wurde in Nature Communications veröffentlicht.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 17. Februar 2021