Liebes-Lichtblick

Wenigstens in der Liebe läuft es gut: Paare sind in der Pandemie zufriedener als gedacht

Nachrichten lesen in Corona-Zeiten kann schon sehr deprimierend sein. Täglich hören wir nicht nur von steigenden Infektionszahlen, vollen Intensivstationen und Läden kurz vor der Pleite, wir werden auch ständig mit Forschungsergebnissen über die negativen Auswirkungen von Corona auf die Psyche und das Wohlbefinden konfrontiert. Wir lesen, dass es vor allem Kindern und Jugendlichen schlechter geht, die sich traurig und einsam fühlen, sich zu wenig bewegen, unter Schlafstörungen leiden und Alpträume haben. Wir lesen, dass viele Studierende finanziell oft schlecht über die Runden kommen, ihr Studium eher abbrechen und häufiger unter Depressionen leiden als sonst. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen mit den Leiden der Restauranbesitzer_innen, Kulturschaffenden, der Alten und der Alleinerziehenden, der Supermarktverkäufer_innen und der Pflegekräfte, der Ärzt_innen und der Singles. Es scheint, dass es in dieser Pandemie nur noch Leid und psychische Probleme gibt. Immerhin gibt es endlich mal wieder eine gute Nachricht und die wollen wir euch bei allen Bad News natürlich nicht vorenthalten: in der Liebe läuft es bei den meisten Paaren erstaunlich gut.

Forscher_innen um Marcel Zentner von der Universität Innsbruck wollten untersuchen, wie sich die Corona-Pandemie auf  Partnerschaften und Familien auswirkt. Denn Paare in Fernbeziehungen waren plötzlich in der Situation, sich kaum noch sehen zu können, während zusammenlebende Paare aufeinandergeworfen wurden und sich damit arrangieren mussten, besonders eng zusammenzuleben.

In einer Längsschnittstudie analysierten sie an insgesamt vier Messzeitpunkten die Beziehungszufriedenheit von Paaren während der Pandemie. Bereits beim ersten Messzeitpunkt, kurz nach Ausbruch der Pandemie, haben über 3.000 Personen aus über 60 Ländern an der Studie teilgenommen. Die weiteren beiden Erhebungen fanden individuell nach jeweils 10 Tagen statt. Im November 2020 wurden die Teilnehmenden zum vierten Mal befragt.

Anders als erwartet konnten Marcel Zentner und sein Team eine wachsende Unzufriedenheit nicht bestätigen: „Erstaunlicherweise konnten wir in unserer umfassenden Studie nicht bestätigen, dass es während der Pandemie zu vermehrten Konflikten oder Trennungen gekommen ist. Es hat sich sogar das Gegenteil gezeigt. Vor allem Paare, die bereits vorher in ihrer Beziehung zufrieden waren, waren es zumeist auch nach Ausbruch der Pandemie“, so der Psychologe.

Sexuelle Zufriedenheit bei getrennt lebenden Paaren etwas beeinträchtigt
Allerdings konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachten, dass sich Beziehungszufriedenheit und sexuelle Zufriedenheit vor allem bei nicht-zusammenlebenden Paaren zu Beginn der Pandemie verändert hat. „Besonders zu Beginn der Pandemie gab es bei nicht-zusammenlebenden Personen einen Einbruch der Beziehungszufriedenheit, insbesondere bei der sexuellen Zufriedenheit. Es scheint aber so, als hätten sich die Paare im November wieder etwas erholt und ihr Zufriedenheits-Level von vor der Pandemie erreicht“, verdeutlicht Julia Vigl, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen zusätzlich positive und negative Einflussfaktoren auf die Beziehung analysiert hat.

Sicherer Beziehungsstil und ausreichende Privatsphäre hilfreich
Vor allem Menschen mit einem sicheren Beziehungsstil waren während der Pandemie zufriedener. Damit sind vor allem Personen gemeint, die weniger Angst davor haben, verlassen oder betrogen zu werden, und Konflikten nicht aus dem Weg gehen. „Positiv beeinflusst hat Paare auch, wenn sie mit der Privatsphäre in der eigenen Wohnung oder den Möglichkeiten, sich auch außerhalb aufzuhalten, zufrieden waren“, fasst Vigl zusammen. Dementsprechend schwieriger war die Situation für Beziehungen mit häufigen Auseinandersetzungen oder für Menschen, mit psychischen Auffälligkeiten, wie Depression oder Angstzuständen.

Noch intensiver zusammengefunden
Viele Paare haben in der Pandemie aber auch noch intensiver zueinandergefunden. „Insbesondere emotionale Nähe, Lachen und Humor sowie eine gute Gesprächsqualität haben dazu beigetragen, dass die Beziehung während der Pandemie besser wurde. Zusammenlebende Personen haben häufiger vom positiven Effekt gemeinsamer Aktivitäten, nicht-zusammenlebende von der Bedeutung emotionaler Nähe, berichtet“, so die Wissenschaftlerin. Weltweit haben Paare, egal ob sie zusammenleben oder nicht, während der Pandemie große Herausforderungen gemeistert.

Ihr seht, es gibt auch Gutes in diesen Zeiten und vielleicht macht ihr euch auf, trotz der Misere herauszufinden, was gut, anders, besser läuft und welchen Menschen ihr trotz Kontaktbeschränkungen näher kommen konntet als je zuvor. Damit wir, wenn alles endlich überstanden ist, etwas Positives mitnehmen können.

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