Plastik im Gesicht

Puder, Lippglosse, Makeup - Greenpeace prüfte 664 Kosmetikprodukte elf beliebter Marken. In 502 davon finden sich weiterhin Kunststoffe. Die Selbstverpflichtung der Hersteller zeigt demnach kaum Wirkung

Mikroplastik ist in aller Munde - leider im wahrsten Sinne des Wortes, denn es wurde nicht nur in der Luft, im Wasser, in den entlegensten Winkeln der Erde entdeckt, sondern auch im menschlichen Körper. Und obwohl nun schon seit Jahren so viel darüber geschrieben und sich aufgeregt wurde, hat sich kaum etwas verändert. Plastik im Lippenstift, Plastik im Make-up, Plastik im Lidschatten - in Kosmetika stecken immer noch jede Menge Kunstoffe, sagt ein aktueller Report der Umweltorganisation Greenpeace.

Greenpeace hat die Inhaltsstoffe von insgesamt 664 Kosmetikprodukte elf beliebter Marken unter die Lupe genommen. Untersucht wurde auf 530 Polymere, 16 davon waren feste Plastik-Arten und 514 flüssiges, halbfestes und lösliches Plastik. Außerdem wurden elf ausgewählte Produkte genauer auf ihre gelisteten Kunststoffbestandteile, sowie auf das Vorhandensein weiterer Plastik-Arten hin analysiert. Geprüft wurden in der Studie die Angaben der Marken Catrice, Essence, L'Oreal, Deborah, Kiko, Lancôme, Lush, Maybelline, Nyx, Sephora und Wycon.

Heraus kam nicht viel Gutes. 502 von 664 der Produkte enthalten trotz einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Firmen zum Verzicht auf Plastik weiterhin Kunststoffe. In 26 Prozent der Produkte sind dies feste Plastikpartikel (Mikroplastik), in den restlichen Produkten Plastik in flüssiger, halbfester oder löslicher Form.

Bei den Laboruntersuchungen kam zudem heraus, dass Plastik-Inhaltsstoffe ausgerechnet in den Produkten enthalten sind, die mit Augen und Lippen in Kontakt kommen und so von Verbraucher_innen eingeatmet werden können.

Die Umweltorganisation kritisiert, dass die freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller kaum Wirkung zeigt. Die Bundesregierung wollte mit dem "Kosmetik Dialog" bis Ende 2020 den Einsatz von Plastik in Kosmetikprodukten beenden. "Sieben Jahre Dialog sind vorbei und die ungeschminkte Wahrheit ist jedoch, dass wir uns weiterhin regelmäßig Plastik ins Gesicht schmieren. Sei es in Form von Make-up, Puder oder Lippenstift," sagt Viola Wohlgemuth, Expertin für Konsum und Chemie bei Greenpeace.

Verbraucher_innentäuschung?
Die fünf Marken mit dem höchsten Anteil an Produkten, die Plastik enthalten, sind dem Bericht zufolge: Maybelline (85 Prozent), Deborah (84 Prozent), Sephora (83 Prozent), Wycon (78 Prozent) und Lancôme (77 Prozent). "Die Firmen vermeiden oft nur die festen Plastikpartikel und bewerben ihre Produkte dann werbewirksam als Mikroplastik-frei. Das grenzt an Verbrauchertäuschung", sagt Wohlgemuth. Über Abwasser kann Plastik dann in Flüsse und in die Nahrungskette gelangen.

Mikroplastik ist nicht nur aus Umweltsicht problematisch. Es mehren sich auch Hinweise, dass Plastik durch sein Eindringen in den Körper gesundheitliche Auswirkungen haben kann. Greenpeace fordert darum unter anderem von Umweltministerin Svenja Schulze, "ein klares Verbot von Plastik jeder Konsistenz in Kosmetik" voranzutreiben. Zudem dürfe es keine Mindestgröße mehr für die Einstufung als Mikroplastik mehr geben.

Wenn euch Umweltschutz und eure Gesundheit am Herzen liegen, dann studiert doch künftig die Zutatenlisten etwas genauer und überprüft, ob das Versprechen "plastikfrei" wirklich eingehalten wird. Wenn ihr bei Begriffen wie Acrylate Copolymer, Polyquaternium oder Polystyrene nur noch Bahnhof versteht, kann die Beat The Microbead helfen. Dort könnt ihr Produkte scannen und auf Mikroplastik überprüfen lassen. Ansonsten greift zu zertifizierter Naturkosmetik, die zeigt nämlich, dass es auch ohne geht.

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion - Stand: 22. März 2021