Moral und Glaube

Studie untersuchte, wie sich Wertvorstellungen von gläubigen und nichtgläubigen Menschen unterscheiden

In vielen Ländern ist die Überzeugung weit verbreitet, dass Atheist_innen keinen moralischen Kompass hätten. Es gibt jedoch bislang kaum Studien, die systematisch untersucht haben, worin die Unterschiede zwischen den Moralvorstellungen von religiösen und nichtreligiösen Menschen liegen. Um diese Lücke zu schließen, führte Tomas Ståhl von der University of Illinois at Chicago zwei Umfragen durch, die die moralischen Werte von 429 Amerikaner_innen und 4.193 Menschen aus den USA (einem überwiegend religiösen Land) und Schweden (einem überwiegend unreligiösen Land) untersuchten.

Dabei kam heraus, dass beide Gruppen sehr wohl moralischen Werten folgen. Allerdings tendieren religiöse Menschen eher zu den Werten, die den Gruppenzusammenhalt fördern, während Atheist_innen eher dazu neigen, die Moral einer Handlung anhand ihrer Konsequenzen zu beurteilen. Wenn es aber um den Schutz von Persönlichkeitsrechten, Werte wie Freiheit statt Unterdrückung und Skepsis gegenüber Behauptungen geht, die nicht bewiesen sind, nähern sich beide Gruppen stark an.

Die Umfrageergebnisse lieferten auch Hinweise darauf, warum der moralische Kompass von Atheisten und Religiösen sich unterscheidet: Ein Grund könnte laut Ståhl darin liegen, dass religiöse Menschen ihre Moral stärker an der Gemeinschaft ausrichten, da sie religiöse Praktiken wie Gottesdienste zusammen mit anderen ausüben und so stärker aufeinander angewiesen sind. Atheist_innen seien moralische Werte, die dem Gruppenzusammenhalt dienen wie z. B. Respekt vor Autoritäten; "Heiligkeit" oder Loyalität gegenüber der eigenen Gruppe dagegen nicht so wichtig. Sie würden moralische Entscheidungen eher an fallweisen Konsequenzen ausrichten. Möglicherweise sei diese Unabhängigkeit von Autoritäten und Gruppen der Grund, dass sich das negative Stereotyp vom "unmoralischen Atheisten" so hartnäckig halte. Ståhl fügt hinzu: "Die zentrale Botschaft, die man aus diesen Studien mitnehmen kann, ist, dass Menschen, die nicht an Gott glauben, einen moralischen Kompass haben. In der Tat teilen sie viele der gleichen moralischen Fragen, die religiöse Gläubige sich auch stellen, wie z.B. die Sorge um Fairness und den Schutz verletzlicher Individuen vor Schaden."

Diese Ergebnisse wurden in der Open-Access-Zeitschrift PLOS ONE am 24. Februar 2021 vorgestellt.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung