Virtuelle Naturverbundenheit

Selbst wenn wir Waldbilder nur über eine VR-Brille sehen, hebt das schon unsere Stimmung, sagt eine Studie der Uni Hamburg

Bild: Amelie W.

Dass natürliche Umgebungen wie Wälder oder Grünflächen einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben, ist nicht nur reine Einbildung - zahlreiche Studien haben das schon belegt. Was aber, wenn wir uns in Quarantäne oder im Lockdown befinden oder aus anderen Gründen nicht in die Natur können? Die Informatik und die Digitalisierung könnten hier einen Lösungsansatz bieten.

Ein Forschungsteam der Universität Hamburg, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung konnte zeigen, dass unsere Stimmung, aber auch unsere kognitive Leistung durch das Betrachten von Fotos oder von 360°-Videos einer Waldumgebung positiver beeinflusst wird als würden wir zum Beispiel eine städtische Umgebung anschauen.

Untersucht wurde das an 34 Proband_innen, denen mithilfe einer VR-Brille drei verschiedene Umgebungen einmal als Foto-Slideshows und dann als 360◦-Videos präsentiert wurden. Zuerst wurde ihnen ein norddeutscher Laubwald gezeigt, dann eine kleine Straße zwischen Häuserfronten. Das dritte Bild diente als Kontrollumgebung und zeigte nur ein weißes Rechteck auf schwarzem Hintergrund. Anschließend beantworteten die Studienteilnehmer_innen in Fragebögen, wie ihre Stimmung, ihr Stressempfinden und das körperliche Wohlbefinden war.

Städtische Umgebung störte
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Waldumgebung einen positiven Effekt auf die Stimmung hatte und die städtische Umgebung unabhängig von der Art der Präsentation die Stimmung störte“, so Fariba Mostajeran, Erstautorin der Studie und Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe Human-Computer Interaction. Dabei reichten schon alleine Fotos der Umgebung aus, um Auswirkungen auf die Stimmung zu beobachten. Der Eindruck, sich wirklich im Wald zu befinden, war allerdings bei den den 360°-Videos deutlich höher.

„Die Resultate deuten drauf hin, dass auch ein virtueller Aufenthalt im Wald sich positiv auf unser Gemüt auswirken kann“, so Mostajeran. „Es gibt somit Hoffnung, dass, auch wenn es gerade nur eingeschränkten Zugang zur Natur gibt, wir dank informatischer Methoden die negativen Effekte von Isolation, Quarantäne oder Urbanisierung reduzieren können.“

Sollte euch also beim Homeschooling die Laune in den Keller rutschen und es keine Möglichkeit geben, ein bisschen Grünfläche aufzusuchen, dann könnte der Griff zur VR-Brille mit Waldmotiven ein Erste-Hilfe-Angebot sein. Wahlweise tut es aber auch ein Naturvideo oder das Anschauen der Bilder vom letzten Waldspaziergang ;-)

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung; Bild: Amelie W.