Fass mich bitte (nicht) an

Eine Studie untersuchte, welche Folgen Corona hat in Zeiten fehlender Berührungen

Screenshot der Studienwebseite

Keine Umarmung und weniger Berührungen – seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich unser soziales Leben stark verändert. Was macht das mit unserer Psyche? Diese Frage untersuchte nun eine Studie, die bislang über 1.700 Personen im Alter von 15 bis 76 Jahren getestet hat.

Prof. Merle Fairhurst, Professorin für biologische Psychologie an der Universität der Bundeswehr München, startete im Mai 2020 zusammen mit der LMU München und der Liverpool John Moores University eine Untersuchung, die die Auswirkungen der Selbstisolation auf das mentale, psychologische und emotionale Wohlbefinden der Menschen herausfinden sollte. In der Studie wurde untersucht, bei wem sich die Befragten mit Berührungen und physischer Nähe wohlfühlten. Auch sollten sich die Testpersonen verschiedene Arten sozialer Berührungen vorstellen (z.B. jemanden, der einem den Rücken streichelt) und darüber berichten welche Arten der Berührung sie erhalten hatten und welche sie vermissten.

Bereits in der ersten Phase war erkennbar, dass viele Menschen einen Hunger nach Berührung verspürten. Allerdings stellten die Wissenschaftler_innen einen signifikanten Alterseffekt fest, der sich darin zeigt, dass jüngere Menschen die Auswirkungen der Selbstisolation am meisten zu spüren scheinen und sich einsamer, depressiver und mehr lethargisch fühlen. Die Hypothese der Wissenschaftler_innen: offensichtlich waren jüngere Menschen vor Ausbruch der Pandemie eher an mehr täglichen sozialen Kontakt gewöhnt und haben daher Erwartungen, die nicht erfüllt wurden.

Nicht jede_r hat den gleichen „Hunger“ nach Berührung
„Wir dürfen nicht vergessen, dass manche Menschen sehr erfreut sind, andere Menschen nicht berühren zu müssen. Aus unserer Stichprobe geht hervor, dass 85% unserer Befragten sagen, dass sie weniger Kontakt bekommen, wie sie wollen, aber 15% fühlen sich immer noch zu oft berührt. Nicht jeder hat den gleichen „Hunger“ nach Berührung“, so Prof. Fairhurst.

Entwicklung einer App
Mit den Umfrage-Ergebnissen wird eine App entwickelt, mit der "Umleitungsmechanismen" trainiert werden können. Diese App wurde während der Vorbereitung der Studie entwickelt. „Wir haben eine Gelegenheit gesehen, denjenigen zu helfen, die sich von ihrem Tastsinn getrennt fühlen, so dass sie Stress abbauen und sich eher auf die Qualität der Berührung als auf ihre Quantität konzentrieren können“, erklärt Prof. Fairhurst.

„Meine Kernbotschaft ist, dass wir versuchen können, das Beste aus dieser schwierigen Situation zu machen, um die Berührung wieder in den Fokus zu rücken und uns grundlegende Fragen darüber zu stellen, wie etwa: Was bedeutet für mich/uns Berührung? Von wem werde ich/werden wir gerne berührt? Auf diese Weise, könnten wir es noch höher schätzen, wenn wir endlich in der Lage sind, die Menschen, die wir gerne haben, zu erreichen und zu umarmen“, so Prof. Fairhurst.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 2. Februar 2020