2020-2100

Einsendung von Lena Krachler, 19 Jahre

2020

„Könntest du noch schnell einmal in die Stadt fahren, Rosa? Ich habe vergessen, Kartoffeln zu kaufen.“ „Wie bald brauchst du sie?“ „Sehr bald!“ „Okay, ich fahr schon.“ Schnell zog ich mir einen Pullover über, schlüpfte in meine Schuhe und schnappte mir den Autoschlüssel. Der Supermarkt ist zwar nicht weit weg, aber mit dem Rad brauchte ich hin und zurück trotzdem um die 20 Minuten. Ich parkte in der Tiefgarage und stieg aus. Ich sah ins Handschuhfach. Keine Maske. „Das darf doch nicht wahr sein!“ Okay, dann musst ich mir eben eine von den Einwegmasken kaufen. Endlich maskiert vorm Regal angekommen, lachten mich drei Arten von Kartoffeln an. Es gab lose und verpackte biologische, sowie verpackte nicht biologische, eindeutig am niedrigeren Preis erkennbar. Ich schnappte mir letztere und hetzte Richtung Kassa. Da fiel mir ein, dass wir keine Äpfel mehr zuhause hatten, schnappte mir ein gratis Plastiksackerl und packte schnell ein paar ein. Als ich an der Kassa angelangt war, musste ich mich hinter einer Frau einreihen, deren Einkaufswagen kurz vorm Übergehen war. Als sie endlich bezahlt und ihr ganzes Zeug in zehn verschiedene Plastiksackerl verstaut hatte, fragte ich mich, ob sie nicht eigentlich mehr Plastik als Lebensmittel gekauft hatte. Schnell bezahlte ich und hetzte zum Auto. Drei Minuten später war ich zuhause. „Ich bin wieder da Schatz!“ „Hast du die Kartoffeln?“ Ich verdrehte die Augen. Nein, ich ließ mir in der Zeit, in der ich weg war, die Nägel machen. „Hier bitte.“ Ich legte ihm die Kartoffel auf die Arbeitsfläche. „Äpfel habe ich auch gleich gekauft.“

2030

„Könntest du noch schnell einmal in die Stadt fahren, Rosa? Ich habe vergessen, Kartoffeln zu kaufen.“ „Wie bald brauchst du sie?“ „Sehr bald!“ „Okay, ich fahr schon.“ Schnell zog ich mir einen Pullover über, schlüpfte in meine Schuhe und fragte in der Facebook-Gruppe unserer Siedlung, ob noch jemand in die Stadt müsse. Wir fanden uns zu dritt in meinem Auto zusammen und fuhren zum Unverpacktshop. Jeder Supermarkt war jetzt nur noch ein Unverpacktshop. Sogar ich hatte mich daran gewöhnt, immer meine eigenen Sackerl und Behälter mitzunehmen. Falls ich sie doch einmal vergessen sollte, gab es jedoch zum Glück Pfandgläser. Schnell fanden sich die gewünschten Lebensmittel. Die Auswahl war kleiner geworden. Die Regierung hatte nicht biologische und ausländische Lebensmittel stark besteuert. Deshalb fanden sich in den Regalen auch nur noch wenige. Ich brauchte nicht mehr ewig zu überlegen, welche Kartoffeln ich denn jetzt nehmen sollte. Es galt nur noch zwischen den Sorten auszuwählen. Ich schnappte mir die mehligen und packte sie gemeinsam mit ein paar Äpfeln in meinen Jutesack, ein Geschenk meines Mannes, als er der Plastiksackerln überdrüssig wurde. Auch meine Nachbarn hatten ihren Einkauf schnell erledigt und schon saßen wir wieder im Auto auf dem Weg nachhause.

2050

„Könntest du mir noch schnell ein paar Kartoffeln bringen, Rosa? Ich habe zu wenige geholt.“ „Haben wir noch welche im Lagerraum?“ „Ja, es müsste noch ein Sack unten sein. Bald müssen wir wieder welche vom Bauern holen. Magst du sie gleich auf die Einkaufsliste setzen?“ „Weißt du was, ich fahr gleich zum Hof, Äpfel brauchen wir eh auch noch.“ Ich machte mich auf den Weg in den Keller, holte ein paar Kartoffel, legte sie ihm hin und stieg ins Auto. Zum Glück hatten wir es letzte Nacht aufgeladen. Erst vor kurzem hatten wir eine Photovoltaikanlage installieren lassen, sie leistete wirklich gute Dienste. Zwei meiner Nachbarn brauchten ebenfalls etwas vom Bauern. Wir hatten nur mehr zwei Autos in der Straße. Mehr war auch nicht nötig. Der öffentliche Verkehr war mittlerweile sogar am Land sehr gut ausgebaut und auch das Bilden von Fahrgemeinschaften funktionierte einwandfrei. Beim Bauer herrschte reger Betrieb. Hier gab es alles, und zwar frisch vom Feld oder aus der Mühle. Die Lebensmittel waren unverpackt und aus der Region. Natürlich gab es da im Winter zum Beispiel keine Erdbeeren. Aber dafür freute man sich im Frühling umso mehr auf sie. „Hallo Rosa! Was darfs denn sein?“ „Drei Säcke Kartoffel und acht Äpfel bitte.“ „Gerne. Hast du die leeren Säcke vom letzten Mal mit?“ „Nein, die habe ich leider vergessen, ich bringe sie nächstes Mal! Aber wir packen alles in Nicos Kiste.“ Ich zeigte auf einen meiner Nachbarn. Wir tratschten noch ein bisschen mit ein paar anderen Kunden, bezahlten und fuhren wieder nachhause.

2100

Rosa kauft ihre Kartoffel und Äpfel immer noch beim Bauern.
ODER
Rosa kauft ihre Kartoffel und Äpfel aus dem 3-D-Anbau.
ODER
Rosa kauft gar keine Kartoffel und Äpfel mehr, weil es keine mehr gibt oder auf europäischem Gebiet einfach keine mehr wachsen können.
ODER
Rosa kauft gar keine Kartoffel und Äpfel mehr, weil wir uns 2100 von anderen Lebensmitteln oder überhaupt ganz anders ernähren.
ODER
Rosa kauft keine Kartoffel und Äpfel mehr, weil die Nahrungsmittelversorgung nicht mehr sichergestellt werden kann, da die Welt überbevölkert ist.
ODER
Rosa kauft immer noch Kartoffel und Äpfel wie 2020, hat bereits zwei Pandemien hinter sich, ihr sind nur noch um die zehn lebenden Tierarten bekannt und sie fürchtet sich jeden Tag vor dem nächsten Unwetter.
ODER
Rosa kauft immer noch Kartoffel und Äpfel wie 2030 oder 2050. Durch strikte Regulierungen auf allen Ebenen, harte Einsparungen und Durchhaltevermögen der Bevölkerung hat man die Erwärmung des Klimas und den Verlust der Biodiversität stoppen können.