Serien-Junkies aufgepasst!

Auch Netflix und Co. reproduzieren Genderklischees

Eigentlich könnte man die Serien von Netflix und Co. ja erfrischend anders finden. Zumindest was die Themen, Drehbücher und die Auswahl der Drehorte betrifft. Aber wie sieht es aus mit den Geschlechterbildern? Wie oft sind Männer, Frauen und nicht-binäre Personen in zentralen Rollen zu sehen? Wie werden sie dargestellt? Diesen Fragen geht eine von der Film- und Medienstiftung NRW, dem ZDF und der MaLisa Stiftung geförderte Studie der Universität Rostock nach. Sie bietet erstmals eine Bestandsaufnahme, auch im Hinblick auf ethnische Diversität und sexuelle Orientierung.
Untersucht wurden knapp 200 Serien von Anbietern wie Netflix, Amazon Prime, Sky und TNT Deutschland, die zwischen Januar 2012 und Juli 2019 auf den Plattformen veröffentlicht wurden. Dabei handelt es sich sowohl um deutsche als auch um Produktionen aus anderen Ländern.

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen
Insgesamt zeigen die untersuchten Streaming-Angebote vielfältige sexuelle Lebensentwürfe. Etwa 9 Prozent der Figuren sind LSBQ (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Queer). Das sind sogar 2 Prozent mehr, als sich in einer repräsentativen Studie von 2016 in Deutschland als LSBT-Personen bezeichneten.
Auch in Bezug auf ethnische Zuschreibung sind die untersuchten Streaming-Angebote insgesamt divers. Bei genauerem Hinsehen kommt aber heraus, dass rund 63 Prozent der zentralen Rollen in global produzierten Streaming-Angeboten „weiß“, 12 Prozent von Latinos/Latinas besetzt sind, 10 Prozent sind als asiatisch zu lesen, 8 Prozent als Schwarz und nur 3 Prozent können Südasien und 2 Prozent dem Mittleren Osten zugeordnet werden.
In nationalen Kontexten überwiegt die Sichtbarkeit der jeweiligen Mehrheitsbevölkerung. In deutschen Produktionen sind 89 Prozent der zentralen Rollen "weiß" besetzt, 11 Prozent können dem Mittleren Osten zugerechnet werden und keine der Hauptrollen ist als schwarz oder asiatisch zu lesen.

Frauenfiguren sind auch in Streaming-Angeboten unterrepräsentiert
Der Trend zu zeitgemäßeren Serieninhalten wirkt sich offenbar nicht auf die Präsenz von Frauenfiguren aus. Besonders deutsche Produktionen fallen hier negativ auf, denn sie zeigen am wenigsten Frauen. Frauenanteil in zentralen Rollen: 35 Prozent. Zum Vergleich: in asiatischen Produktionen sind 45 Prozent der zentralen Rollen weiblich, in nordamerikanischen 43 Prozent, in süd- und mittelamerikanischen sind es rund 39 Prozent.
Nicht-binäre und Personen mit anderen Geschlechtsidentitäten kommen kaum vor. Sie sind in den Produktionen aller Länder nur in neun von 1.911 Fällen (0,5 %) in zentralen Rollen zu sehen, in deutschen Produktionen gar nicht.
Zum Thema Altersgap: Schaut man sich das Verhältnis zwischen Frauen und Männern bis 34 Jahren in zentralen Rollen an, ist es noch einigermaßen  ausgewogen. In der Altersgruppe zwischen 35 bis 49 Jahren verdoppelt sich die Anzahl der Männer gegenüber den weiblichen Rollen fast. Ab 50 Jahren sind es sogar dreimal so viele Männer.

Frauen machen Romantik, Männer Politik
Traditionell bleibts auch in der Themenwahl: Während in Romantik-Formaten rund 49 Prozent der zentralen Rollen weiblich besetzt sind, sind es in politischen, Action- und Abenteuer-Formaten nur knapp 36 Prozent. Auch die Vielfalt von Frauen in Streaming-Angeboten ist eingeschränkt und Geschlechterstereotype bleiben verankert. Frauen kommen seltener vor, sind jung und werden seltener homosexuell dargestellt als Männer. Zentrale Rollen zeigen Frauen zu 4 Prozent als homosexuell, Männer hingegen zu 7 Prozent. Frauen haben genormte schlanke Körper. In zentralen Rollen sind sie mit 16 Prozent doppelt so oft sehr dünn wie Männer mit 8 Prozent. Außerdem treten Frauen häufig in Berufsfeldern auf, die ihre emotionale Kompetenz betonen, wie zum Beispiel Verkauf und Gesundheit. Demgegenüber sind rund 90 Prozent der Figuren, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden können, männlich.

Woran liegts? Streaming-Angebote werden vor allem von Männern gemacht, so die Studie. Die kreativen Teams sind männerdominiert. Das zieht sich durch alle Bereiche: von Produktion über Kameraführung bis hin zu Drehbuch und Regie. Am deutlichsten zeigt sich das in den Bereichen Kamera und Regie. Hier beträgt der Männeranteil 90 beziehungsweise 78 Prozent.

Es wird wirklich Zeit, dass Frauen mehr Filme machen!

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Autorin / Autor: Pressemitteilung/ Redaktion