Was sein wird, wird sein - irgendwie

Mathematiker an der University of Queensland: Zeitreisen sind ohne Paradoxon möglich

Die meisten von euch kennen das Problem aus Zeitreise-Romanen und Filmen: Wer in die Vergangenheit reist und dort etwas verändert, richtet meist ein ziemliches Chaos an, da sich dadurch auch die Zukunft verändert. Dabei kann es zu unmöglichen Situationen kommen, etwa, dass der Zeitreisende dafür sorgt, dass es ihn in der Zukunft gar nicht mehr geben würde. Ein Zeit-Paradoxon! Dieses wird basierend auf dem Gedankenexperiment auch Großvater-Paradoxon genannt. Darin reist einer in die Vergangenheit, um seinen Großvater zu töten. Gelingt ihm dies, bevor der Großvater mit der Großmutter sein Elternteil gezeugt hat, wird es ihn in der Zukunft also gar nicht geben. Wie könnte er dann in die Vergangenheit reisen, wo er doch gar nicht existiert? Eine ziemlich unlogische Angelegenheit. Bekannt geworden ist das Zeitreise-Dilemma vor allem durch die Hollywood-Filmreihe „Zurück in die Zukunft“, aber Wissenschaftler_innen schlagen sich schon viel länger mit dem komplexen Thema herum.

Physikalische Theorien widersprechen sich
Auch der Mathematik-Student Germain Tobar von der University of Queensland hat sich mit der Möglichkeit von Zeitreisen beschäftigt – aus mathematischer Sicht.
Albert Einsteins Relativitätstheorie beinhaltet zumindest theoretisch die Möglichkeit von Zeitschleifen und auch Zeitreisen. Gleichzeitig besagt aber die klassische Dynamik in der Physik, dass die Dinge bestimmten physikalischen Gesetzen folgen und wir darum auch vorhersagen können, was mit ihnen wann und wie passiert. "Wenn ich zum Beispiel die aktuelle Position und Geschwindigkeit eines Gegenstandes kenne, der unter die Schwerkraft fällt, kann ich jederzeit berechnen, wo er sich befinden wird", erklärt Tobar. Diese Vorstellung steht aber im Gegensatz zur Vorstellung von Zeitreisen, bei denen ein Ereignis sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft seiner selbst liegen kann. Tobar sagt darum, eine vereinheitlichte Theorie, die sowohl die traditionelle Dynamik als auch Einsteins Relativitätstheorie in Einklang bringen könne, sei der heilige Gral der Physik.

Die Ereignisse passen sich an, um zum selben Ergebnis zu kommen
Tobar hat sich nun damit beschäftigt, ob Zeitreisen zumindest aus mathematischer Sicht möglich sind und kommt dabei zu dem faszinierenden Schluss, dass Zeitreisen auch ohne Zeitparadoxon möglich sind. Als Beispiel führt er den folgenden Fall an: Eine Person reist in die Vergangenheit, um die Corona-Pandemie zu verhindern. Er sorgt dafür, dass der COVID-19-Patient Null dem Virus nicht ausgesetzt wird. Würde ihm das gelingen, dann gäbe es keine Pandemie und folglich in der Zukunft auch keinen Grund, in die Vergangenheit zu reisen, um sie zu verhindern. Genau diese Art Paradoxon ist der Grund, dass die einen überzeugt sind, dass Zeitreisen grundsätzlich nicht möglich sind und die anderen, dass Zeitreisen möglich sind, aber Zeitreisende nichts tun könnten, was ein solches Paradoxon verursacht.
Tobar hingegen ist überzeugt, dass Zeitreisen auch ohne Paradoxon möglich sind, indem die Ereignisse sich selbst anpassen, um logisch mit jeder Handlung des Zeitreisenden vereinbar zu sein.

"Im Beispiel des Coronavirus-Patienten Null könnte man versuchen, die Infektion des Patienten Null zu verhindern, aber dabei würde man sich das Virus einfangen und Patient Null werden, oder jemand anderes würde es tun", sagt Tobar. Wie immer man sich verhalten würde, die Ereignisse würden sich entsprechend so verändern, dass am Ende wieder das passende Ergebnis herauskommt. In dem Beispiel würde das heißen, dass die Pandemie so oder so ausbricht, ganz gleich, was der Zeitreisende in der Vergangenheit unternimmt. Denn er muss in der Zukunft motiviert sein, in die Vergangenheit zu reisen. Ein Paradoxon könnte also nicht entstehen, weil die Ereignisse sich immer wieder anpassen, um das zu verhindern.

"Die Bandbreite der mathematischen Prozesse, die wir entdeckt haben, zeigt, dass Zeitreisen mit freiem Willen in unserem Universum logischerweise ohne jedes Paradoxon möglich ist", schlussfolgern Tobar und sein Team.
Wem das jetzt zu hoch ist, der kann sich an dem einfachen Satz festhalten: Que sera sera, was sein wird, wird sein - ganz egal, wer wie in der Vergangenheit herumpfuscht ;-).

Quelle:

Was denkst du darüber?
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung