Frauen sind eher Lerchen

Studie: Die innere Uhr tickt bei Männern und Frauen oft anders

Jede innere Uhr tickt etwas andes. Die eine ist schon früh am Morgen wach und fit, der andere schlägt sich die Nacht um die Ohren und kriegt morgens einfach nicht die Augen auf. Jeder Mensch hat einen „zirkadianen Rhythmus“, der bestimmt, wann er wach und wann er müde ist und der auch den Stoffwechsel mitbestimmt. 
Dass man diesem individuellen Ticken folgt, kann maßgeblich dazu beitragen, dass man gesund bleibt, sich wohl fühlt und seine volle Leistungsfähigkeit erreicht.

Forscher_innen um  Sean Anderson und Garret FitzGerald von der University of Pennsylvania haben nun verschiedene große Studien zu diesem Thema unter die Lupe genommen und ausgewertet. Dabei fanden sie heraus, dass der zirkadiane Rhythmus, also der tageszeitliche Rhythmus von biologischen Funktionen, auch maßgeblich vom Alter und vom Geschlecht einer Person abhängt.
So habe etwa eine Studie mit 91.105 Testpersonen gezeigt, dass der Aktivitätslevel von Männern sich bei Tag und Nacht viel weniger unterscheidet als das bei Frauen der Fall ist, was bedeutet, dass Männer auch nachts recht aktiv sind. Frauen schlafen der Untersuchung nach mehr, verbringen mehr Zeit im Tiefschlaf und finden nach nächtlichen Störungen schneller wieder in den Schlaf zurück. Männer hauen sich hingegen eher mittags mal aufs Ohr.

Chronotypen: Eule oder Lerche
Eine andere Studie mit 53.000 Testpersonen zu den verschiedenen Chronotypen zeigte, dass sowohl das Alter als auch das Geschlecht den Chronotyp mitbestimmen. So sind Kinder fast immer Frühaufsteher, nach der Pubertät tendieren aber Jungen eher zur Eule, während Mädchen häufig Lerchen bleiben. Im mittleren Lebensalter orientieren sich Männer und Frauen eher Richtung Morgen.
Warum Männer und Frauen so einem unterschiedlichen Rhythmus nachhängen, ist noch nicht hinreichend erforscht. Die Forscher vermuten aber, dass Frauen, indem sie eher einem Rhythmus folgen wie Kinder, biologisch besser auf die Rolle als Mutter vorbereitet sind.
Es gibt in einigen Studien auch Hinweise darauf, dass diesen geschlechtsbedingten Unterschieden hormonelle Faktoren zugrunde liegen können.

Untersuchungen zur inneren Uhr sind insofern wichtig, weil eine Störung des natürlichen Rhythmus physische und psychische Störungen nach sich ziehen kann. Denn wer Schichtarbeit macht oder ständig durch verschiedene Zeitzonen jettet, erlebt eine ständige Störung seines Rhythmus, die sich auch gesundheitlich bemerkbar machen kann. Wie dem begegnet werden kann und welche Menschen mit solchen Störungen besser klarkommen, soll Gegenstand weiterführender Forschung sein.

Die Übersichtsdatei ist im Fachmagazin Science erschienen.
10.1126/science.abd4964

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 11. September 2020