Wer Schmetterlinge will, muss Bio kaufen

Studie beweist: Ökologisch betriebene Höfe fördern die Artenvielfalt und bringen sogar gefährdete Schmetterlingsarten der Roten Liste wieder

Der Frühling kommt, das ist sicher. Aber nach wie vor werden damit nicht automatisch auch die Schmetterlinge zurückkehren. Haben wir uns an Begriffe wie „Artenschwund“ und „Insektensterben“ gewöhnt? Forscher_innen der Zoologischen Staatssammlung München jedenfalls nicht, denn sie haben eine breit angelegte wissenschaftliche Untersuchung und Langzeitmessung zur Auswirkung der Landnutzung auf Insektendiversität durchgeführt, um herauszufinden, ob es einen Unterschied gibt zwischen dem Insektenvorkommen auf ökologisch und konventionell bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen.

Für ihre Studie installierten die Forscher_innen Insektenfallen auf einem ökologisch und einem konventionell betriebenen Hof. Die Ergebnisse sind eindeutig: In Bezug auf Biomasse, Artenvielfalt, Vorkommen stark gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Arten bietet die ökologisch bewirtschaftete Fläche klare Vorteile für die Insektenfauna.

Insgesamt fanden sie in beiden Untersuchungsgebieten knapp 4.000 Arthropoden-Arten (Spinnentiere, Krebstiere, Tausendfüßler, Käfer und andere Insekten) und 604 Schmetterlingsarten. Allein bei den Schmetterlingen enthielten die Fallen des Öko-Bauernhofes circa 60% mehr Arten als die des Vergleichs-Hofes. Zudem fand sich auf den ökologisch bewirtschafteten Flächen mit 30 Arten die doppelte Menge an gefährdeten Schmetterlingsarten der Roten Liste wieder. Der Vergleich der insgesamt gesammelten Biomasse auf beiden Höfen ergab für den Ökohof die 2,6-fache Menge.

Möglich wurde die schnelle und alle Arten umfassende Durchführung des Projekts durch die Anwendung moderner genetischer Artbestimmungs-Methoden an der Zoologischen Staatssammlung München. Deren Forscher_innen erstellen bereits seit vielen Jahren eine DNA-Referenz-Bibliothek aller bayerischen Insekten, durch die eine schnelle und zuverlässige Bestimmung von Insektenarten möglich ist. In kurzer Zeit lassen sich damit große Insektenbestände charakterisieren, wobei auch diejenigen Artengruppen erfasst werden, für die bisher keine Expert_innen zur Verfügung standen und die daher vernachlässigt werden mussten. „Wir konnten somit die Auswirkungen verschiedener Landnutzungsformen auf den Insektenbestand erstmals auf breiter Basis untersuchen“, erklärt Axel Hausmann, Leiter der Sektion für Schmetterlinge an der Zoologischen Staatssammlung München.

Eine Fortsetzung und Ausweitung des Projekts läuft derzeit im Rahmen eines auf 5 Jahre angelegten Forschungsprogramms. Bereits jetzt stützt diese Untersuchung die Vermutung, dass ökologischer Anbau dazu beiträgt, den Artenverlust in landwirtschaftlich geprägten Gegenden zu verringern.

Die Ergebnisse einer Pilotstudie wurden nun in der Fachzeitschrift Ecology and Evolution veröffentlicht.

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