LizzyNet – das erste Lebensjahr!

Die Eindrücke von Angela Tillmann, eine der ersten Mitarbeiterinnen im Gründungsteam von LizzyNet

Angela Tillmann heute

„Angela, in Köln, da soll eine Community für Mädchen aufgebaut werden. Magst du dich nicht bewerben?“ Mit der Frage überraschte mich eine Freundin Ende des Jahres 1999. Ich war noch Studentin in Bielefeld, kurz vor meinem Diplom in Pädagogik. Eine Community nur für Mädchen? Wow, das gab es in Deutschland noch nicht. Ich bewarb mich sofort und bekam den Zuschlag. Zusammen mit einer Kollegin legte ich dann los: Was soll die Community den Mädchen bieten? Was sollen Mädchen dort machen können? Wie soll die Community heißen? Ein erster Gedanke war: Die Mädchen brauchen eine Bühne. Auf dieser sollen sie dann ihre Ideen, ihre Gefühle, ihre Fragen an die Welt präsentieren können. Schnell war aber auch klar, dass die Mädchen nicht alles mit aller Welt teilen möchten. Sie benötigen also auch einen Raum für sich – eine Community. Und natürlich sollten sie das Angebot mitgestalten. Die Idee für LizzyNet war geboren!

Was soll das Netzwerk können?
Wie aber können Mädchen sich online einbringen – das war damals noch eine spannende Frage. Es gab noch keine sozialen Netzwerke wie Schüler VZ, Facebook, Instagram. Bis dahin wurde vor allem „im Internet“ gelesen. Es gab zwar erste private Homepages, Blogs, aber das Internet war noch kein Mitmach-Medium.  Also beschlossen wir: Die Mädchen sollen selbst schreiben können. Damit war LizzyPress geboren. Und die Mädchen sollten eigene Homepages bauen können – mit und ohne HTML-Kenntnisse. Also bekamen sie Webspace und außerdem auch einen Homepage-Generator, mit dem sie ganz schnell eigene Websites (LizzyPages) erstellen konnten. Und das Wichtigste: Sie sollten sich natürlich austauschen können. Also wurden Foren, Chats und ein Kurznachrichtendienst implementiert. Das war damals neu, damit beschritt LizzyNet absolutes Neuland. 

Wie soll das Netzwerk heißen?
Puh, die Namensfindung war eine schwierige Geburt! Alle im Team überlegten, befragt wurden auch eigene Kinder, Nichten und Neffen. Am Ende wurde es LizzyNet – das klang frech, eigensinnig und eben auch nett :-). Und das sollte die Community sein: Ein offenes Netzwerk von und für alle Mädchen. Mädchen sollten gestalten und Redakteurinnen Anregungen geben, das Netzwerk bekannt machen und bei Bedarf als Ansprechperson zur Verfügung stehen.
Das Rezept ging auf. Ich erinnere mich noch gern an die vielen Chats mit den Mädchen. Oft hatte ich den Eindruck, dass LizzyNet ein virtueller Jugendtreff ist: Die Mädchen sagen kurz Hallo und tauchen dann mit ihren On- und Offline-Freundinnen im Netzwerk ab – in die Foren, Chats, in LizzyPress oder die Kurse.

Angela Tillmann im Jahr 2000

LizzyNet wird 20 Jahre!

Im Internet vergeht die Zeit schnell, gefühlt oft schneller als „in real life“. Angebote, Trends und Netzwerke kommen und gehen. LizzyNet bleibt! Dafür gebührt neben den Lizzys auch den Redakteurinnen ein großer Dank. Die Themen sind brandaktuell, das Angebot vielfältig und abwechslungsreich, und es gibt nach wie vor viel Neues zu entdecken.

Ich gratuliere euch daher ganz herzlich zu eurem 20ten Geburtstag! Lasst euch feiern, ihr könnt stolz auf euch sein. Eure Poetrys, Artikel, Rezensionen, Wettbewerbsbeiträge, Projekte und vieles mehr sind etwas ganz Besonderes. Und ein Netzwerk, das nicht-kommerziell, ohne Datenkrake im Hintergrund, ohne Tracking arbeitet, auch das ist weltweit einmalig!

Auch ich bin älter geworden, bin heute Professorin für Medienpädagogik in Köln. Und wenn alles gut geht, dann starte ich mit einer Kollegin im Herbst ein tolles Projekt zusammen mit LizzyNet, lasst euch überraschen :-).

Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für euch und für LizzyNet!