#IchBinKeinVirus

Menschen mit asiatischem Aussehen berichten zunehmend von rassistischer Ausgrenzung seit dem Auftreten des Corona-Virus

Seitdem der Corona-Virus seine ersten Opfer gefordert hat, vergeht kein Tag, an dem nicht über den Virus und die von ihm ausgegehende Gefahr für Menschen rund um den Globus berichtet wird. Allerdings geschieht das oft in einer Weise, die rein gar nichts mehr mit Faktenvermittlung und Aufklärung zu tun hat, sondern Panikmache und sogar rassistische Ausgrenzung zur Folge hat. Besonders Presseerzeugnisse wie die BILD-Zeitung schüren solche Zustände, indem sie zum Beispiel fragen, ob man noch Glückskekse essen oder Pakete aus China annehmen könne. Aber auch seriösere Publikationen wie DER SPIEGEL schämen sich nicht zu titeln: „Corona-Virus. Wenn die Globalisierung zur tödlichen Gefahr wird.“ Auf dem dazugehörigen Cover wird eine mit rotem Schutzanzug und Atemmaske verhüllte Person gezeigt vor einem Schriftzug in großen, gelben Buchstaben „Made in China“.
Diese Aufmachung spiele mit der kolonial-rassistischen Vorstellung der „Gelben Gefahr“ aus dem „Osten“ und löse diskriminierende Assoziationen zu minderwertiger Qualität und Massenproduktion aus, kritisieren Vereine wie korientation e.V., ein Netzwerk für asiatisch-deutsche Perspektiven. China werde damit als Produktionsstätte eines tödlichen Virus dargestellt und seine gesamte Bevölkerung als Krankheitsträger_innen stigmatisiert. Menschen, die vermeintlich "asiatisch" aussehen, würden durch solche Medienberichte ausgegrenzt und mit einer Krankheit in Verbindung gebracht, mit der sie nicht mehr zu tun hätten als jene Journalist_innen, die solche Berichte produzierten, so die Anklage des Vereins.

Rassismus gegenüber asiatisch aussehenden Menschen nimmt zu
Und sie ist berechtigt, denn immer mehr Menschen mit asiatischem Familienhintergrund suchen inzwischen die Antidiskriminierungsstelle des Bundes auf und berichten darüber, "dass sie pauschal wegen ihres Aussehens oder ihrer Herkunft ausgegrenzt und benachteiligt werden", sagte Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle. So verweigerte beispielsweise eine Arztpraxis einem Patienten chinesischer Herkunft eine Behandlung, obwohl die Person wegen gänzlich anderer Symptome beim Arzt und seit Monaten nicht in China gewesen war. Eine chinesische Studentin bekam eine Absage bei einer Wohnungsbewerbung mit der Begründung "Ich möchte keinen Coronavirus." Ein Gemüsehändler in einer süddeutschen Touristenmetropole verbot chinesischen Touristen den Zutritt zu seinem Laden. Die Liste lässt sich noch beliebig verlängern bis hin zu Beleidigungen und tätlichen Angriffen. Im Netz finden sich inzwischen zahlreiche solcher Erlebnisberichte unter Hashtags wie #IchBinKeinVirus, #IAmNotAVirus, #JeNeSuisPasUnVirus.
Die Antidiskriminierungsstelle rät, solche Vorfälle nicht auf sich beruhen zu lassen; Betroffene könnten dagegen vor Gericht vorgehen und die Verursacher der Diskriminierung auf Entschädigung und Schadensersatz verklagen. Über die rechtlichen Möglichkeiten berate zum Beispiel die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, so Franke.

An die Adresse der Medien gerichtet fordern die Vorstände von korientation e.V. und Neue deutsche Medienmacher*innen: "Eine übersteigerte Angst vor dem Coronavirus rechtfertigt keinen Rassismus. Wir empfehlen bei der Berichterstattung auf diskriminierende Wortwahl und Bildsprache zu achten, nicht ausschließlich die westliche Perspektive einzunehmen sowie die Kulturalisierung einer Viruskrankheit zu vermeiden. Die Aufgabe von Journalist_innen ist zu berichten, ohne dabei ganze Gruppen der Weltbevölkerung zu stigmatisieren."

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