Bestandsaufnahme

Beitrag zum Kreativ- und Schreibwettbewerb "Das ist mir was wert" von Carolyn Gläsener, 22 Jahre

Ich vorm Spiegel:
Bestandsaufnahme.
Lange Haare, zu lang? Langweilig?
Das Gesicht: Akne (dagegen Tabletten), rissige Lippen (dagegen Creme), kurze Wimpern (dagegen Verlängerungen)
Der Oberkörper: muskulös
Die Beine: auch, aber lieber etwas dünner?
Fazit: Vielleicht mehr Cardio, weniger Krafttraining.

Die Öffentlichkeit:
Werbetafeln
Ankleidekabinen, schlechtes Licht (?)
Konfektionsgrößen
Wieder Werbung: Fitnessstudio
Die Öffentlichkeit:
Ein Spießrutenlauf.

Ich habe abgenommen.
Leute sagen: Du siehst gut aus.
Ich will sagen: Ich konnte nicht essen während der Depression.
Ich sage: Danke.

Ich vorm Spiegel:
Bestandsaufnahme (nach Depression)
Haare, Gesicht, Oberkörper, Beine – egal.
Was zählt:
Der Körper ist noch da
Ich bin noch da
dank des Körpers.
Fazit:
Mein Körper
Bewegt mich.
Richtet mich auf.
Trägt mich.
Legt mich schlafen, weckt mich auf, hält mich wach.

Dein Körper
Bewegt dich.
Richtet dich auf.
Trägt dich.
Legt dich schlafen, weckt dich auf, hält dich wach.

An die Gesellschaft:
Mein Körper ist
Keine Projektionsfläche von Normen
Kein Anlass für Kommentare

An die Gesellschaft:
Dein Körper ist
Keine Projektionsfläche von Normen
Kein Anlass für Kommentare

Nur eins:
wert-voll

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