Die Sprache der Politiker_innen

Linguistin untersuchte Reden amerikanischer Präsidenten

Eine Rede von Politiker_innen ist meist gut durchdacht - schließlich wollen sie damit ihre eigenen Botschaften transportieren und Wähler_innen für sich gewinnen. Die Linguistin Marta Degani hat sich aus sprachwissenschaftlicher Perspektive mit Reden von US-Politiker_innen beschäftigt, darunter Wahlreden von Barack Obama, aber auch von Hillary Clinton und Donald Trump.

„Politische Kommunikation ist in den USA sehr stark professionalisiert. Hier wird kaum etwas dem Zufall überlassen“, berichtet Marta Degani (Institut für Anglistik und Amerikanistik der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt). Die Forschungen von ihr und weiteren Kolleg_innen zeigen, dass viele US-amerikanische Politiker_innen in ihrer Sprache auf zwei Modelle des Linguisten George Lakoff züruckgreifen. Das eine ist das des „Strict Father“ (strenger Vater), das andere das des „Nurturant Parent“ (sich kümmernden Elternteils). Während das eine Modell auf Autorität, hierarchischer Machtverteilung und einer starken Führungsfigur beruht, ist das andere Modell von Gleichberechtigung, horizontaler Machtverteilung und gegenseitiger Fürsorglichkeit geprägt. Je nachdem, in welchem sozial-kulturellen Kontext jemand aufwächst, fühlt er/ sie sich eher vom einen oder anderen Modell angesprochen. „Bedienen nun Politikerinnen und Politiker das jeweils passende Modell, verwenden bestimmte Metaphern und Begriffe und erzählen dazu passende ‚Stories‘, fühlt man sich eher angesprochen.“ Marta Degani hat mit der Brille dieser Theorie die Wahlreden von Barack Obama aus der Kampagne 2008 analysiert und kam dabei zum klaren Ergebnis: „Die Rolle als ‚Nurturant Parent‘ entspricht seinem politischen Credo.“

„Storytelling“ als kommunikative Strategie
Eine wichtige Rolle in der politischen Kommunikation spielt das „Storytelling“ als kommunikative Strategie. Auch hierfür ist laut Marta Degani Barack Obama ein gutes Beispiel: „Er erzählt verschiedene Geschichten: Von sich, seiner Herkunft, seiner Familie, aber auch Geschichten über den normalen amerikanischen Bürger. Darüber hinaus gibt es die Geschichten, die Amerika als großartige Nation darstellen.“ Sind europäische Politiker_innen ebenso gute Geschichtenerzähler_innen? Degani findet: „Ja, aber vielleicht nicht ganz so geschickt wie in den USA.“

Reden, die auch von 10-Jährigen verstanden werden
Politische Sprache sei stark von der jeweiligen Kultur geprägt. Dies gelte nicht nur regional, sondern auch historisch. Aktuell beobachtet Marta Degani einen Trend des Anti-Intellektualismus, der als soziales Phänomen zutage tritt und mitunter in Formen des politischen Populismus sichtbar wird. Einen interessanten Beleg dafür fand Marta Degani in den so genannten „Announcement Speeches“ von Hillary Clinton und Donald Trump, in denen sie ihre Kandidatur für die US-Präsidentschaft 2015 erklärten. Degani nutzte Lesbarkeitstests, um zu untersuchen, wie komplex diese Reden sind, und ein Ergebnis, das nicht sehr verwundert, ist: „Donald Trumps Rede kann auch von einem 10-jährigen Kind verstanden werden.“ Ein Beispiel in Zahlen: „12 Prozent der Wörter in Clintons Rede sind komplex während Trump nur 7,7 Prozent an komplexen Wörtern verwendet. Außerdem bestehen Clintons Sätze im Schnitt aus 16 Worten, Trumps aus 10.

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