Kunststoffrecycling als Passion

Was passiert mit den Kunststoffverpackungen, die wir in den Müll werfen? Im Interview erklärt Dr. Ines Schwarz, Leiterin der Entwicklungsabteilung für Kunststoffrecyclate vom Grünen Punkt, wie Recycling funktioniert

© Der Grüne Punkt, Systalen HDPE Flakes

Rund 12 Millionen Tonnen Kunststoff verbrauchen wir in Deutschland pro Jahr, ein Viertel davon für Verpackungen. Diese landen nach kurzem Gebrauch wieder im Müll. Was dann mit unserem Müll passiert und wie aus Kunststoff-Müll wieder Kunststoff wird, darüber sprachen wir mit Dr. Ines Schwarz, der Leiterin der Entwicklungsabteilung für Kunststoffrecyclate vom Grünen Punkt. Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH - steht für Rücknahmesysteme wie beispielsweise der Gelbe Sack oder die Gelbe Tonne und für das Recycling von Kunststoffen (Herstellung von Recyclaten). Frau Schwarz arbeitet in einem Team von 12 Expert_innen, hauptsächlich Ingenieur_innen, an der Entwicklung von Kunststoff-Kreislaufsystemen und neuen Recyclaten.

Was passiert mit unseren Kunststoffabfällen aus der gelben Tonne/ dem gelben Sack nun wirklich?

Alles, was in die Gelbe Tonne/den Gelben Sack kommt, wird zunächst einmal in speziellen Sortieranlagen in verschiedenen Arbeitsgängen sortiert. Dabei entstehen verschiedene Fraktionen wie Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) und Polyethylenterephthalat (PET). Diese Fraktionen lassen sich am einfachsten recyceln. Schwarzes Plastik wird bei der Sortierung nicht erkannt, und sogenannte Mischplastikverpackungen wie beispielsweise die Schalen für Fleischprodukte lassen sich nur schlecht recyceln. Diese Kunststoffe werden meist als Ersatzbrennstoff, z. B. im Zementwerk eingesetzt. Insgesamt werden in Deutschland derzeit ca. 40 % recycelt und ca. 60 % verbrannt.

Auch dem Einsatz von Recyclaten sind Grenzen gesetzt. So können beispielsweise aus Lebensmittelverpackungen nie wieder Lebensmittelverpackungen werden, da dies gesetzlich einfach verboten ist.

© Der Grüne Punkt, Systalen Flaschendeckel - Klappdeckelverschluss aus 100 Prozent recyceltem Polypropylen

Was erforschen Sie hier im Technikum in Köln?

Ich forsche mit meinem Team, wie man Kunststoffverpackungen wiederverwerten und so einen geschlossenen Wertstoffkreislauf aufbauen kann. Dabei geht es um die Herstellung von Recyclaten. Standard-Recyclate sind meist schwarz oder grau und können unangenehm riechen. Daraus kann man dann dickwandige Folien, Baueimer, Blumentöpfe o. Ä. herstellen. Wir arbeiten daran, Recyclate zu produzieren, die sich bunt einfärben lassen und keinen "schlimmen" Geruch haben.

Der gebrauchte und vorsortierte Kunststoff wird zunächst zerkleinert und gewaschen. In einem sogenannten Flakesorter werden die Flakes nach Farben sortiert. Daraus wird dann Granulat hergestellt, das wieder für neue Kunststoffprodukte verwendet wird, beispielsweise Pflanztöpfe, Plastikwannen, Einkaufskörbe etc. Mit unserer neuen Technologie lassen sich aus Putzmittelbehältern wieder Putzmittelbehälter herstellen.

2017 haben wir gemeinsam mit den Unternehmen Werner & Mertz GmbH, Heinz Plastics Böhm GmbH und Clariant Plastics & Coatings (Deutschland) GmbH für die Entwicklung von Klappdeckelverschlüssen aus 100 Prozent recyceltem Polypropylen (rPP) aus dem Gelben Sack den deutschen Verpackungspreis erhalten.

Was halten Sie von Biokunststoffen?

Dem Einsatz von Biokunststoffen, also Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, stehe ich kritisch gegenüber. Das bekannteste Beispiel ist Polylactid (PLA), das aus Milchsäure f polymerisiert wird und dann z. B. für Joghurtbecher verwendet werden kann. Da es für PLA derzeit keine Verwertungskette gibt, landen diese Produkte aus der Sortieranlage direkt in der Verbrennung. Man müsste erst eine Verwertungskette aufbauen, und dies wird erst erfolgen, wenn eine kritische Masse erreicht ist, sonst wird es einfach viel zu teuer. Man kann allerdings auch Polyethylen oder Polypropylen aus Zuckerrohr, also einem nachwachsenden Rohstoff, herstellen. Diese Produkte unterscheiden sich chemisch nicht von PE oder PP aus Erdöl und können nach dem Gebrauch wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Was sind Ihre Ziele?

Das neue Verpackungsgesetz (VerpackG) - seit 1.1.2019 in Kraft - stellt uns vor eine große Herausforderung, denn danach müssen mindestens 58,5 % der Kunststoffverpackungen recycelt, also werkstofflich verwertet werden. Bisher lag diese Quotenvorgabe bei 36 %. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden.

Wir haben gemeinsam mit den Unternehmen Werner & Mertz GmbH, REWE, Unisensor, Alpla und dem NABU die Recyclat-Initiative gegründet. Die hat zum Ziel, für möglichst viele Kunststoffe Wertstoffkreisläufe zu schließen und aus alten Verpackungen wieder neue Verpackungen zu produzieren. Ein Ergebnis der Initiative ist der preisgekrönte Flaschenverschluss. Da könnten sich noch viel mehr Unternehmen einbringen und da ist noch viel zu tun.

Auch wünsche ich mir, dass die Hersteller von Markenartikeln toleranter werden und beispielsweise geringe Farbabweichungen oder Farbschwankungen in Kauf nehmen, um mehr Recyclateinsatz zu ermöglichen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 19. August 2019