Wo komme ich her, was ist mir wichtig?

Wie sich ein Schuljahr im Ausland auf die Identitätsentwicklung bei Jugendlichen auswirkt, erforschte eine psychologische Studie

Für ein Auslandsschuljahr sprechen eigntlich viele gute Gründe: Man lernt andere Menschen und Kulturen kennen, verbessert seine Sprachkenntnisse und wird selbstständiger. Aber nicht selten erlebt man auch regelrechte Identitätskrisen: Es passieren unverhergesehene Dinge, die einen kurzzeitig erschüttern, aber letztendlich auch langfristig stärken. Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena befragten im Rahmen des Projektes PIRATS – „Personality, Identity, and Relationship Experiences in Adolescent Trajectories“ – 741 Schüler_innen zwischen 14 und 17 Jahren, von denen 457 ein solches Auslandsjahr absolvierten, wie sie diese Zeit erlebt und die Krisen gemeistert haben.
Dadurch erfuhren die Forschenden, dass Jugendliche aufgrund der neuen Eindrücke ihr Selbstbild deutlich hinterfragten und somit „Identitätskrisen“ durchlebten. „Währenddessen fühlen sich die Schüler nicht unbedingt gut – sie machen etwas durch. Aber die dabei gemachten Erfahrungen stellen sich später als positiv und wichtig heraus“, sagt Neyer.

Heimatland und Freundeskreis infrage gestellt
Bei der Auswertung der Befragungen standen zwei Themen im Vordergrund: Verändert sich die Beziehung zum Heimatland? Und wie sehen die Jugendlichen das Thema Freundschaft?
Dazu berichteten die Befragten, dass sie sich kurz nach ihrer Abreise noch stark mit ihrem Heimatland identifiziert hatten. Nach ihrer Rückkehr aus dem Auslandsjahr war dieses Gefühl bei vielen dagegen deutlich schwächer geworden. „Durch die Erweiterung des eigenen Horizonts stellen sich die Schüler Fragen, über die die Daheimgebliebenen nicht nachdenken, etwa woher sie eigentlich kommen, ob sie gern in Deutschland leben oder ob sie sich auch ein Leben in einem anderen Land vorstellen können“, erklärt der Jenaer Psychologe Prof. Dr. Neyer.

Eine ähnliche Entwicklung gibt es offensichtlich auch im sozialen Umfeld. Während sich zu Beginn des Auslandsaufenthaltes die Bindungen zu Freund_innen und Eltern verstärkt hatten, fragten sich die Jugendlichen nach der Rückkehr häufig: Passt dieser Freundeskreis zu mir? Wie sehr identifiziere ich mich über meine Freunde? Damit entstehe ein intensiver Reflexionsprozess, der sich später als wertvoll herausstellen könne, so die Psychologen.

Auch ohne Auslandsjahr gibt es positive Entwicklungen
Und was ist mit denen, die eigentlich gar nicht weg wollen von zuhause? Obwohl ein Aufenthalt in einem anderen Land die Persönlichkeitsentwicklung unterstütze, könnten sich Jugendliche aber auch ohne Auslandsjahr gut entwickeln, betonen die Wissenschaftler. Schließlich sei nicht jede_r für eine solche Ausnahmesituation geschaffen. Die meisten Schüler_innen, die ein Auslandsjahr absolvieren, seien auch vorher schon offener und extravertierter. Dennoch sollten Förderungen in diesem Bereich ausgebaut werden, um Auslandsaufenthalte unabhängig vom Bildungs- und Einkommenshintergrund der Eltern zu machen, fodert Neyer.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 18. Oktober 2018
 
 
 

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