Stolz und - Vorteil!

Studie über eine universelle Eigenschaft, die oft verkannt wurde

Sportler_innen, die eine Goldmedaille nach Hause bringen, Schauspieler_innen, die im Feuilletonteil gelobt werden und Kinder, die eine Eins in der Mathearbeit schreiben - sie alle kennen das Gefühl von Stolz, obwohl es als Persönlichkeitsmerkmal oft einen ziemlich schlechten Ruf hat und sogar zu den schlimmsten sieben Todsünden gezählt wird (zusammen mit Gier, Lust und Neid). Dabei kann uns Stolz auch dazu motivieren, nicht nur unsere persönliche Leistung zu verbessern, sondern auch zum Wohle der Gemeinschaft zu handeln.
Ein Forschungsteam an der Universität von Montreal und des UC Santa Barbara's Center for Evolutionary Psychology (CEP) ist überzeugt, dass der Stolz von der Evolution in die menschliche Natur eingebaut wurde, weil er eine wichtige Funktion für unsere Vorfahren bei der Nahrungssuche hatte. Diese lebten in kleinen, stark voneinander abhängigen Gruppen zusammen und waren häufig mit lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert, bei denen sie die Unterstützung der Gruppenmitglieder brauchten, so die Forscher_innen. Deshalb habe der Mensch bei seinen Entscheidungen abwägen müssen, ob er nur sein eigenes Interesse verfolge, oder ob ihm die Zustimmung der Gruppe wichtiger sei, denn die brauchte er ja schließlich für spätere eventuelle Hilfsleistungen.

Der Zweck des Stolzes
Menschen hätten zwar im Lauf der Zeit eine egoistische Ader entwickelt, aber in einer Welt ohne Suppenküchen, Polizei, Krankenhäuser oder Versicherungen brauchten sie auch die gegenteilige Eigenschaft des Helfenwollens, erkärt Hauptautor Daniel Sznycer von der Universität von Montreal. "Das Gefühl des Stolzes ist eine innere Belohnung, die uns zu solchen Taten hinführt." Hätte eine Person dagegen nur egoistisch gehandelt, wäre sie von der Gruppe ausgestoßen worden.
Diese Abwägungen - "soll ich nur für mich oder für die Gruppe handeln?", "Wieviel Anerkennung bekomme ich für meine Tat?" etc. - laufen offenbar immer noch unbewusst permanent in unserem Gehirn ab, wenn wir uns zu einer bestimmten Handlung entschließen, deshalb sei vorweg empfundener Stolz nicht nur ein Gefühl und ein Motivator, sondern helfe uns zu entscheiden, ob wir uns egoistisch oder sozial verhalten sollen.

Stolz ist universell
Wenn der Stolz ein Teil der Biologie unserer Spezies ist, müsste er ja auch in anderen Kulturen und Gesellschaften auf der ganzen Welt zu finden sein, dachte sich das Forschungsteam und sammelte Daten von 10 traditionellen kleinen Gesellschaften in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien mit unterschiedlichen Sprachen, Religionen und Lebensweisen. Es stellte sich heraus, dass das Gefühl des Stolzes tatsächlich universell ist, auch wenn die Werte der einzelnen Gruppen verschieden sind. "Gefühle des Stolzes bewegen sich im Gleichschritt mit den Werten, die die Menschen um dich herum haben," sagt Sznycer.

"Der Mensch ist eine einzigartige kooperative Spezies, also führt Stolz die Menschen dazu, viele wertvolle Dinge füreinander zu tun", fügt ein weiterer Co-Autor, Cosmides, hinzu. Allerdings gebe es Stolz auch in Form von Dominanz; diese Ausprägung sei zu Zeiten entstanden, als es weniger Zusammenarbeit gab und es vorteilhaft für ein Tier war, Rivalen von knappen Ressourcen fernzuhalten. "Auch die Menschen haben dieses System geerbt und sind nicht immmer nur stolz auf das Gute, sondern auch auf ihre aggressiven Fähigkeiten", erklärte Sznycer. "Stolz hat diesen zweischneidigen Ruf", fügt der Forscher hinzu, "er motiviert uns zwar oft, anderen zu helfen, kann uns aber auch manchmal dazu bringen, andere auszunutzen. In guten wie in schlechten Zeiten scheint das "Stolz"-System ein grundlegender Bestandteil der menschlichen Natur zu sein", schließt der Psychologe Sznycer, "ein neuronales System, das sich entwickelt hat, weil es den Menschen geholfen hat, ihre Wertschätzung und ihren Status in den Augen der anderen zu erhöhen".

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 10. August 2018
 
 

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