Der glückliche Zukunftsmensch?

Beitrag von Rike Sauer, 18 Jahre

Das hier ist kein emotionaler, sondern ein hochwissenschaftlicher und analytischer Text, der, angesichts der realen Komplexität des Systems, nur einen Bruchteil skizziert:

Lange hat es gedauert, bis das neue System ausgefeilt und durchgeplant genug war, bis es funktionierte. Vieles schaute man sich von bisherigen Systemen ab, man erhob Statistiken und trommelte alle Wissenschaftler der Welt zusammen.
Die erste richtige Eingliederung in das System beginnt mit der Grundlagenbildung, zu der der junge Zukunftsmensch bis zum 16. Lebensjahr verpflichtet ist. Das Motto einer jeden Grundlagenschule, sind die menschlichen Bedürfnisse und der respektvolle Umgang mit der Natur. Außerdem klären die Lehrenden die jungen Zukunftsmenschen über den digitalen Persönlichkeitsassistenten Algo auf und unterrichten sie überwiegend in den Fächern kausale Zusammenhänge, Problemlösen, Sprache, Emotionen, Naturwissenschaften, Kultur und Geschichte.

Nach der Grundlagenschule entscheidet sich der jugendliche Zukunftsmensch für eine von drei Möglichkeiten: 1) akademische Bildung 2) funktionale Bildung 3) Persönlichkeitsentwicklung.
Für eine bestmögliche Entscheidung wird von Algo ein allumfassendes Profil des jugendlichen Zukunftsmenschen erstellt. Jedes halbe Jahr bekommt jeder Zukunftsmensch die Gelegenheit sein Profil von Algo aktualisieren zu lassen, eine neue Empfehlung von ihm anzuhören und eventuell eine neue Entscheidung für sein Leben zu treffen. Für Algos Empfehlung werden Eigenwahrnehmung, Fremdwahrnehmung und Algowahrnehmung miteinander abgeglichen und gegeneinander aufgerechnet. Liegen zu viele Unstimmigkeiten vor oder überschreitet das ermittelte Ergebnis die benötigte 70%-Hürde (für die Empfehlung eines Bereiches oder eine Weiterbildung) nicht, empfiehlt Algo dem Zukunftsmenschen zunächst die Persönlichkeitsentwicklung.
Genau wie die Menschen früher, soll auch der Persönlichkeitsentwickelnde reisen, sich sozial engagieren, seinen Interessen, Stärken und Fähigkeiten nachgehen oder in Bereiche hineinschnuppern.
Der Akademische lernt individuell, die für ihn angepassten Inhalte und besucht für Überschneidungen mit Inhalten anderer Akademischen die Akademie. 
Der Funktionale lernt in einem Bereich oder in mehreren Bereichen, um sich für eine oder mehrere Aufgaben zu qualifizieren.
Die Dauer der akademischen und funktionalen Lehren ist abhängig von der Anzahl und Komplexität der Inhalte. Ausschlaggebend sind jedoch die Disziplin des Zukunftsmenschen und die erkennbaren Lernfortschritte.

Der ausgebildete Zukunftsmensch arbeitet nach mindestens einem der fünf Hauptmotiv-Prinzipien:
1) Luxusleben, Geld, Erfolg
(Das System setzt auf nachhaltigen Konsum und positioniert sich gegen das Anhäufen materieller Dinge. Wie in der Vergangenheit auch, gibt es durchaus erstrebenswerte Güter, jedoch nicht im Ausmaße einer Wegwerfgesellschaft. Als erfolgreich wird derjenige angesehen, der sein Glück gefunden zu haben scheint und muss nicht zwingend eine steile Karriere hinlegen, wie in der damaligen Leistungsgesellschaft)
2) Interessen, Motivation
3) Leidenschaft, Freude, Selbsterfüllung
4) Können, Stärken
5) Unterhaltung, Wissensweitergabe

Vieles in der zukünftigen Gesellschaft, richtet sich primär nach den Grundbedürfnissen der Zukunftsmenschen. Maschine und Zukunftsmensch arbeiten noch enger Hand in Computerhand in den Bereichen: 1) Landwirtschaft, Nahrungsanbau 2) Transport 3) Güter 4) Architektur 5) Gesundheit. Neue Technologien erleichtern die Arbeit in allen Bereichen, machen sie einfacher, schneller, effizienter und qualitativer. Deshalb darf auch Bereich 6) Technologie, Entwicklung nicht fehlen. 7) Bildung, Wissen, 8) Soziales und 9) Unterhaltung dürfen ebenfalls nicht in dem System missen. Der zehnte Bereich ist mehr als bloß ein Bereich, sondern, ein weiterer leitender Gedanke des Systems: 10) Natur-, Tier- und Menschenschutz.

Klassische "Berufe" gibt es in der Zukunft schon lange nicht mehr. Viele Zukunftsmenschen decken mit ihren Aufgaben mehrere Bereiche gleichzeitig ab oder wechseln in ihrem Leben zwischen verschiedenen Bereichen hin und her. Aber die "Berufe" haben keine Namen mehr, denn kein Zukunftsmensch gleicht dem anderen, deshalb ist keine Aufgabenkombination jemals genau gleich! Alles ist individuell und doch so gut von Algo und den Systemikern durchdacht!
Viele Aufgabenbereiche, die früher wichtig waren, sind nun verwerflich und ausgestorben. Die Kohleindustrie, die Atomindustrie, die Autoindustrie, die Waffenindustrie, wirtschaftliches Wachstumsdenken …. um nur einige aufzuzeigen!
Nennt ein Zukunftsmensch seinen „Beruf“, um sich vor anderen ein Profil zu geben, nennt er seine Bereiche und Aufgaben um seine Tätigkeit zu beschreiben.

Egal, was für einen Weg der Zukunftsmensch auch einschlagen mag, wie oft er sich umentscheidet, zu was er sich entscheidet und was er arbeitet: für seine Existenz ist immer gesorgt!
Armut als solche gibt es in der Zukunft nicht mehr. Jeder Zukunftsmensch hat das Recht auf das Existenzleben und den Zugang dazu. In jeder Stadt gibt es mindestens ein großes Existenzzentrum, das die Grundbedürfnisse Essen, Trinken, Schlafen, Hygiene, Kleidung, Sozialer Kontakt und Gesundheit kostenfrei stillt. Der Existenzlebende darf keine hohen Ansprüche haben und bekommt das, was es gerade gibt. Manchmal in minderer Qualität, manchmal ohne große Auswahl, mit Wartezeiten, in gebrauchter Form oder begrenzt ...

Ein arbeitender Zukunftsmensch lebt von außen betrachtet immer besser, als ein nicht arbeitender Existenzlebender. Vielleicht aufgrund der Annahme der Zukunftsmenschen, dass je mehr Hauptmotiv-Prinzipien er in seinem Leben erfüllt und je mehr er auf Algos Empfehlungen vertraut, umso glücklicher wird er sein!

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Autorin / Autor: Rike Sauer, 18 Jahre