Auch Bücher können schaden

Bücher haben einen guten Ruf, fikionale Texte werden auch in der Therapie eingesetzt - etwa bei Essstörungen. Der Schuss geht aber manchmal nach hinten los.

In der Regel sind es Hochglanzmagazine mit gephotoshoppten Models oder Formate wie Germanys next Topmodel, denen vorgeworfen wird, die Körperunzufriedenheit junger Frauen und damit Essstörungen zu fördern. Bücher hingegen sind über jeden Verdacht erhaben und werden im Rahmen der sogenannten kreativen Bibliotherapie sogar häufig zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Vor allem fiktionale Texten - mehr noch als Selbsthilfebüchern - traut man heilende Wirkung zu, obwohl das wissenschaftlich eigentlich gar nicht belegt ist. Emily T. Troscianko von der Oxford University ist grundsätzlich von dem Potenzial von Literatur überzeugt. Alles, was die eingefahrenen Denkmuster von Menschen mit Essstörungen durchbrechen helfe und zeige, dass es außerhalb der selbst gesteckten Grenzen noch etwas anderes gebe, könne hilfreich sein. Allerdings steht sie der grundsätzlichen Annahme, dass Literatur automatisch guttun müsse, nur weil es Literatur ist, skeptisch gegenüber. Wenn etwa Magermodels auf Laufstegen eine negative Auswirkung haben, dann könnte es eine ebenso problematische Wirkung haben, wenn man über sie liest.

Um zu überprüfen, wie sich Literatur auf die Seele von Essgestörten auswirkt hat sie in Kooperation mit BEAT, einer Stiftung für Menschen mit Essstörungen, eine Untersuchung durchgeführt. Über 900 Menschen mit und ohne persönliche Essstörungserfahrung wurden dazu eines umfangreichen Fragebogens befragt, inwieweit sie bestimmte Bücher, etwa solche, in denen die Hauptfigur unter einer Essstörung leidet, als einflussreich auf ihre psychische Gesundheit bewerten. Dabei sprachen viele den Büchern einen großen Einfluss zu und gaben an, dass vor allem fiktive Texte mit Essstörungsthematik negative Effekte auf ihre Stimmung, ihr Selbstwertgefühl, und ihre Körperzufriedenheit hätten. Andere gern gelesene Literatur ohne diesen thematischen Bezug wurden hingegen viel häufiger als positiv oder neutral bewertet. Manche Befragten gaben an, sogar absichtlich solche Bücher zu suchen, von denen sie wussten, dass sie ihre Essstörung verschlimmern könnten.

Selbst wenn die entsprechenden Texte keineswegs Essstörungen in irgendeiner Weise glorifizierten, so ging die Moral der Geschichten oft verloren, weil die Betroffenen sie mit ihrem verengten Blickwinkel lesen und negative Aspekte - etwa die einer Magersucht - ausblenden und nur die Aspekte sehen, die ihnen selbst positiv erscheinen.

Die Forscherin sieht daher Bedarf für weitere Studien, die den therapeutischen Nutzen von fiktiven Texten zur Behandlung von Essstörungen noch genauer beleuchten und in denen Untersuchungsmethoden entwickelt werden, die etwas zuverlässiger sind als Fragebögen, in denen Betroffene selbst Auskunft geben.

Die Ergebnisse sind im Fachmagazin Journal of Eating Disorder erschienen.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 28. Juni 2018
 
 
 

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