wie erwartet, aber anders

Beitrag von Antonia, 15 Jahre

In der Hoffnung, der Argumente einiger Mitschüler meines Philosophie-Kurses zumindest gedanklich zu entkommen, wandert mein Blick zum Fenster. Früher oder später werde ich in eigenen Gedanken versinken und diese „lehrreiche, uns weiterbringende Diskussion“, wie Herr Bach einen passiv aggressiven Streit, bei dem jeder der Beteiligten seit über 10 Minuten stur auf seiner eigenen Meinung verharrt und diese mit der Zeit mit immer absurderen Argumenten stützt, zu nennen pflegt, wird zu erträglicher Hintergrundmusik, also theoretisch zumindest. Ohne etwas anderes erwartet zu haben sehe ich Bäume, viele Bäume, doch laut Jan, einer der Teilnehmer unserer exklusiven „Hart aber fair“- Imitation nicht mehr lange, schließlich sei es doch offensichtlich, dass wir in der Zukunft mit für uns arbeitenden Robotern, in einer verpesteten Umwelt und ohne menschliche Kontakte, abgesehen von Social media, aufs nahe Ende warten würden, doch war da wirklich etwas dran? Sollte das unsere Zukunft sein?

Einige Stunden später.

Hausaufgabe zu übermorgen ist es, unsere Vorstellungen der Zukunft zu präsentieren und da mir heute eher Fragen, anstatt konkrete Vorstellungen im Kopf herumschwirrten und ich lieber einen Strich kassiere, als mich Jan's Pessimismus anzuschließen, entschied ich mich, wie es wohl über die Hälfte der Menschheit auch getan hätte, die Arbeit und verzweifeltes Grübeln auf morgen, wahrscheinlich Abend, zu verschieben. Aus gegebenen Anlass wird mir das jedoch wohl erspart bleiben, schließlich gibt es, außer wirklich in die Zukunft zu reisen, kaum besseres als in der Zukunft meiner unterbewussten Vorstellungen auf Entdeckungstour zu gehen. Jetzt gerade  befinde ich mich, nicht zum ersten Mal, in einem luziden Traum, mir ist also bewusst zu träumen und ab jetzt ist es mir möglich zu tun, was auch immer ich möchte... ziemlich cool, hm? Plan ist es, mir vorzustellen zu einem zukünftigen Datum zu reisen und zu schauen, was mein Unterbewusstsein daraus macht, let's go.

01.01.2045

Dunkel, absolut gar nichts. Frustriert schaue ich mich um und hoffe auf ein kreatives Tief, denn die andere Erklärung wäre das Ende der Welt und für pessimistischer als Jan hatte ich mich nun wirklich nicht gehalten. Kurz davor in einen anderen Traum abzuschweifen, sehe ich, wie plötzlich Lichter um mich herum angehen. Offensichtlich stehe ich mitten in einem Klassenraum und bevor ich das realisiert habe stürmen auch schon die ersten, wohl Grundschulkinder, ohne mich zu bemerken, auf ihre Plätze. Verwirrt stelle ich fest, fast keinen Unterschied zum Alltag deutscher Schulen 2018 zu finden. Unterhaltungen, Gelächter, nichts scheint sich verändert zu haben, doch auf einmal erscheint ein Video an der Wand, an der eigentlich die Tafel hängen sollte und ab diesem Moment wird mir das erdachte Datum verdeutlicht, denn die Kinder holen anstatt Büchern, Tablets aus ihren Rucksäcken, was mich ehrlich gesagt weniger überrascht, als die Tatsache, dass  hinter den gebastelten Schneemännern am Fenster tatsächlich Schnee liegt. So begeistert ich mit der Zeit von den Aufgaben und der Interaktion der Schüler untereinander auch bin, die offensichtliche Tatsache, dass der Lehrer-Beruf wohl nicht der einzig digitalisierte ist, lässt mich kritisch unserer Zukunft gegenüber werden, schließlich folgen daraus Millionen, wenn nicht Milliarden Arbeitslose. Wie leben diese Menschen? Die Umgebung fängt an zu verschwimmen und wenige Sekunden später bietet sich mir die Antwort. Logische Konsequenz wäre wohl Armut, doch die Regierung hat Lösungen gefunden. Die Arbeit von morgen wird das, wozu wir Menschen unserer Zeit bei aller Ignoranz und allem Egoismus nicht in der Lage sind; die Rettung unserer Welt. Nach jedem Einkauf pro Person erhält man Punkte in eine Art digitalen Pass, je nachhaltiger die Ware, desto weniger. Durch (internationales) soziales Engagement ist es sogar möglich Punkte löschen zu lassen, doch erreicht man trotzdem 150 oder mehr Punkte, muss sogar eine Geldstrafe gezahlt werden. Am Monatsende wird dann schließlich ein bedingungsloses Grundeinkommen, welches monatlich allerdings auf Grund der Anzahl der Punkte variiert, ausbezahlt, umso weniger, desto mehr. Außerdem werden Lebensumstände, also z.B die Anzahl der Kinder berücksichtigt. Diese Idee zeigt in meiner Vorstellung Wirkung und sogar riesige Konzerne haben sich auf Grund der Nachfrage mehr und mehr auf Nachhaltigkeit spezialisiert, wodurch immer kreativere Ideen entstanden, um es möglichst billig zu halten. Auch wenn ich unfassbar fasziniert von diesem positivem Umschwung der Bevölkerung für unsere Umwelt bin, wenn man mal so darüber nachdenkt, ist es irgendwie traurig, dass man Menschen wohl erst bezahlen muss, damit sie ihren Planeten retten.

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Autorin / Autor: Antonia, 15 Jahre