Die Plastikmeerjungfrau

Beitrag zum Schreibwettbewerb Morgengrün von Liv Lockwood, 13 Jahre

Vorwort
Meerjungfrauen stellt man sich als hübsche Frauen vor. Mit schillerndem Fischschwanz, wunderschönem Haar, lieblichem Gesicht. Einfach ein Wesen purer Schönheit und Eleganz. Aber Meerjungfrauen gibt es nicht, leider. Ich würde gerne mal eine kennenlernen. Bestimmt wäre sie nett und vermutlich sehr verspielt, aber scheu gegenüber Menschenaugen. Kennt ihr „Arielle die kleine Meerjungfrau“ von Disney? Wenn ja, hat jetzt bestimmt jeder das Bild der unglaublich vielfältigen und atemberaubenden Unterwasserwelt vor Augen (und wahrscheinlich einen Ohrwurm von „Unter dem Meer“). Doch, wenn man mal realistisch ist, dann ist diese ganze Welt sicherlich nicht so makellos, wie beschrieben. Ich denke, Arielle würde sich in der echten Welt ziemlich über den ganzen Müll und das viele Plastik beschweren. Der Feind aller Ozeane und deren Lebewesen.

Nun zur Geschichte
Es war ein mal eine kleine Meerjungfrau und ein kleiner Meerjungmann namens Ozeana und Nixios. Die beiden waren sehr neugierig, das brachte sie des Öfteren schon in Schwierigkeiten. Doch gerade im Moment machten sie einen Ausflug und schwammen zu dem versunkenen Schiff, das hinter einem schillernden Felsenriff untergegangen war, da es auf Grund lief. Sie spielten eine Weile miteinander Muschel werfen, als etwas weiter hinten im verrosteten und zerstörten Frachtraum des Schiffes aufblitzte, angestrahlt vom gebrochenen Sonnenlicht der Wasseroberfläche. Neugierig wie Nixenkinder nunmal sind, schwammen sie sofort darauf zu. Etwas hatte sich in einem alten Fischernetz verheddert. Der Vater von Ozeana und Nixios hatte seine Kinder immer gewarnt, nie zu nah an diese sogenannten Geisternetze heran zu schwimmen. Viele Meeresbewohner haben schon ihr Leben gelassen, da sie hängen geblieben waren und sich nicht mehr befreien konnten. Aber Ozeana und Nixios ließen sich davon nicht abschrecken, denn sie wollten dem armen Wesen helfen. Je näher sie kamen, desto mehr sah das Etwas aus wie eine Meerjungfrau. Vorsichtig schwammen sie näher, darauf bedacht, nicht selbst gefangen zu werden. Die fremde Meerjungfrau zappelte in der Strömung. Sie war in den grellsten Farben und ihr Schwanz war der Bunteste, den die Kinder je gesehen hatten. Als sie bei der Nixe angekommen waren, fragten sie, ob sie Hilfe holen sollen. Doch die beiden erhielten keine Antwort. Aus Angst, dass bald jede Hilfe zu spät kommen könnte, machten sie sich daran das arme Wesen zu befreien. Schlaufe für Schlaufe entwirrten die Nixen das Netz, doch jedes Mal, wenn sie einen Teil der Meerjungfrau befreit hatten, löste dieser sich ab und wurde von der Strömung blitzschnell hinfort getragen. Als die letze Schlaufe gelöst wurde, fiel die ganze Meerjungfrau auseinander in all ihre grellen Einzelteile und wirbelte mit der Strömung weg. Erschrocken blickten die beiden Nixen ihr nach. So etwas hatten sie noch nie gesehen! Verängstigt schwammen sie zurück zu Vater Neptun und fragten, was das gewesen sei.

Der Vater überlegte nicht lange. »Es ist Plastik gewesen!« meinte er. »Plastik?« wiederholten die Kinder verständnislos.
»Hartes Zeug in den grellsten Farben, das immer weiter unsere Ozeane einnimmt!« erklärte Neptun sichtlich verärgert über das Vorkommnis.
»Was macht dieses Plastik?« fragten die Kinder im Chor.
»Es verdreckt unsere Ozeane! Es schadet der Tier- und Pflanzenwelt! Giftige Stoffe können sich herauslösen und keiner wird das Wasser mehr trinken können. Die Menschen werfen es einfach ins Wasser, ohne das ihnen bewusst ist, was sie da eigentlich anrichten.«
»Was tut man dagegen?« Die Kinder blickten ihren Vater mit großen Augen an.
»Leider können wir nichts tun. Das müssen die Menschen schon selbst machen! Doch vermutlich verstehen sie die Gefahr erst, wenn es schon zu spät ist! Wenn ihr Fisch, welchen sie essen, nur Plastikteilchen im Bauch hat und sich hohe Müllberge am Strand empor türmen. Einer imposanter und höher als der Nächste! Die Menschen sagen immer, dass es sie ja nicht betrifft, da sie lange tot sind, wenn das Problem zur ernsthaften Bedrohung wird, aber nie denken sie an ihre Kinder, Kindeskinder und deren Kinder. Denn irgendwann kommt Generation X, welche dann der ernsthaften Bedrohung ins Auge sehen müssen. Wenn es zu spät ist, weil ihr komplettes Wasser und ihre Nahrung verseucht ist und Krankheiten ausbrechen, dann werden sie die Augen vor dem Thema nicht mehr verschließen können, doch bis dahin, werden sie weiterhin weg sehen! Denn der Mensch wird nie verstehen, dass die Erde ihm nicht gehört und nicht sein Spielplatz ist…«

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