Musik ist nicht gleich Musik

Im Gehirn von Profimusiker_innen sind je nach Stilrichtung andere Bereich aktiv

Die Gehirne von Jazzmusiker_innen oder Klassikpianist_innen funktionieren anders, selbst wenn sie ein und dasselbe Stück spielen. Das haben Wissenschaftler_innen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig herausgefunden.

Sie hatten zusammen mit 30 professionellen Pianist_innen, eine Hälfte davon seit mindestens zwei Jahren spezialisiert auf Jazz, die andere auf klassische Musik, Tests durchgeführt, bei denen auf einem Bildschirm eine Hand zu sehen war, die eine Abfolge von Akkorden auf einem Klavier spielte -  gespickt mit gezielten Stolperfallen in den Harmonien und den Fingersätzen. Die Profi-Pianist_innenen sollten es ihr nachtun und entsprechend flexibel auch auf die Unregelmäßigkeiten reagieren, während ihre Hirnsignale mit EEG-Sensoren erfasst wurden. Um dabei Störsignale wie akustische Signale auszuschließen, lief das Ganze vollkommen ohne Töne, als stummes Klavierspiel ab.

Flexible Jazzpanist_innen, fingerfertige Klassik-Expert_innen
Die beiden Musikstile erfordern unterschiedliche Fertigkeiten, die sich offenbar auch in der Hirnaktivität niederschlagen. Zwar müssen beide unabhängig von der Stilrichtung wissen, was sie spielen, welche Tasten sie drücken müssen, und anschließend, wie sie es spielen, also mit welchen Fingern sie diese bedienen. Jedoch gibt es unterschiedliche Schwerpunkte. Klassikpianist_innen müssen technisch einwandfrei spielen, dabei aber besonders einfühlsam interpretieren. Das "wie" steht im Vordergrund. Beim Jazz sind hingegen einfallsreiche Variationen und Flexibilität gefragt, es ist wichtig, was gespielt wird und wie es variiert und improvisiert werden kann.

Roberta Bianco, Erstautorin der Studie, erklärt, sie hätten diese antrainierte Flexibilität beim Planen von Harmonien während des Klavierspiels auch im Gehirn der Jazzpianist_innen sehen können.

Als es darum ging, ungewöhnliche Fingersätze zu nutzen, hatten die klassischen Pianist_innen die Nase vorn: In dem Falle zeigte ihr Gehirn stärkere Aufmerksamkeit für den Fingersatz, entsprechend weniger Fehler unterliefen ihnen bei der Nachahmung.

Die Suche nach dem kleinsten Nenner
Die Forscher_innen schließen aus diesen Erkenntnissen, dass es für das Verständnis davon, was durch Musik universell in unserem Gehirn passiert, mehr brauche als die Konzentration auf eine Musikrichtung. In vergangenen Studien hatte man sich oft auf westliche, klassische Musik beschränkt. Aber wer Sprache verstehen wolle, könne auch nicht nur auf die deutsche Sprache gucken, argumentieren die Wissenschaftler_innen. Ihre Studie zeige, "wie feinjustiert sich unser Gehirn auf die Anforderungen seiner Umwelt einstellt", und dass für das Gesamtbild auf den kleinesten Nenner aller Musikrichtungen geschaut werden müsse.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 17. Januar 2018
 
 

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