Wir sehen, was wir fühlen

Studie: Wie Handlungen unsere Wahrnehmung beeinflussen

Eigentlich kennen wir diesen Effekt: Der Heimweg erscheint uns umso länger, je schwerer unser Koffer ist, ein Berg umso höher, je mehr Lasten wir in unserm Rucksack mitschleppen und so weiter. Sehen ist weit mehr als pure Informationssammlung durch das Auge. So sieht es auch die Psychologie-Professorin Jessica Witt von der Colorado State University, die schon zahlreiche Studien veröffentlicht hat, die zeigen, dass das Sehen abhängig ist von unseren Handlungen und sie umgekehrt auch beeinflussen kann. Zu Witts bekanntesten Experimenten zählen diese: Baseballspieler, die besser schlagen können, sehen den Ball größer als andere. Wenn jemand nicht fit genug ist oder einen schweren Rucksack trägt, sieht er einen steileren Hügel vor sich als andere.

Witts Herangehensweise an die visuelle Wahrnehmung wird als radikal bezeichnet, sie hat nicht nur Befürworter, sondern auch Kritiker, die ihr vorwerfen, dass ihre Versuchspersonen Opfer eines psychologischen Phänomens namens Antwortverzerrung geworden sein könnten. Dieses Phänomen tritt auf, wenn Probanden den Zweck eines Experiments erraten oder ableiten, so dass sie ihr Verhalten oder ihre Antworten anpassen - bewusst oder unbewusst.

Um diesen Effekt zu umgehen, verwendete sie für ihre aktuelle Studie ein klassisches, aktionsspezifisches Experiment mit einem Videospiel, das Kindern der 80er Jahre vertraut ist: Pong. In diesem Spiel springt ein Ball über einen Bildschirm, den die Teilnehmer mittels Schlägern unterschiedlicher Größe treffen sollen, was die Aufgabe leichter oder schwieriger macht. Gesteuert wird der Schläger durch einen Joystick. Nach jedem Versuch schätzen die Teilnehmer_innen die Geschwindigkeit des Balles ein. Der "Pong-Effekt" tritt in der visuellen Wahrnehmungssprache dann ein, wenn der Ball schneller erscheint, wenn das Paddel kleiner ist, obwohl die Geschwindigkeit unverändert bleibt. Der Pong-Effekt unterstützt Witts Hypothesen über Handlungen, die das Sehen beeinflussen.

Witt führte nach dem Experiment weitere Umfragen durch, um zu überprüfen, ob die Teilnehmer den Zweck der Experimente erraten haben und ob ihre Schlussfolgerungen Einfluss darauf hatten, wie sie den Ball sahen. Das Ergebnis war, dass kein systematischer Unterschied zwischen denen, die den Zweck der Experimente erraten haben, und denen, die es nicht taten, bestand. Bei beiden war der Pong-Effekt praktisch gleich.

Interessant ist aber auch, dass uns das Wissen darüber, dass die Wahrnehmung durch die Aktion beeinflusst wird, nicht vor den Effekten schützt. Mit anderen Worten, wenn ein Hügel steiler aussieht, weil jemand müde ist oder eine schwere Last trägt, dann ändert das nichts an der Wirkung, erklärt Witt. Handlung kann also die Wahrnehmung beeinflussen, aber nicht immer. Um herauszufinden, wann und warum handlungsspezifische Wahrnehmung stattfindet, möchte sie noch weitere Experimente durchführen. "Wahrnehmung ist ein fundamentaler Prozess des Geistes", sagte Witt. "Wir bekommen grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie der Verstand und das Gehirn funktionieren."

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