"Für meine Möbel muss kein Baum gefällt werden"

Oliver Schübbe engagiert sich seit über 17 Jahren für die nachhaltige Gestaltung von Möbeln und Räumen. Er geht von weggeworfenen Altmöbeln aus und entwickelt daraus neue Design-Ideen. Sein größter Erfolg ist das Regal "Frank", das mit aktuell 35.000 verkauften Exemplaren der Kassenschlager der Upcycling-Wirtschaft ist.

Oliver Schübbe; Bild: Andreas Neumann

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich als Innenarchitekt und Designer im Bereich nachhaltige Gestaltung zu engagieren?
Eigentlich so mehr oder weniger durch Zufall und über Umwege ;-) Zunächst arbeitete ich als Freiberufler und dann überlegte ich zusammen mit der Recycling-Börse Herford, wie man ein soziales Projekt entwickeln kann, in dem Menschen in Arbeit kommen und was man mit den unglaublichen massenhaft weggeworfenen Möbeln Sinnvolles machen kann. Anfangs halfen zwei Forschungsprojekte mit der Uni Dortmund (gefördert u.a. auch von der DBU), aus der Idee ein tragfähiges Projekt zu entwickeln. Es kamen immer neue Aktivitäten hinzu wie beispielsweise der Recycling-Design-Preis, den wir seit sechs Jahren vergeben. Ich gebe mein Wissen als Dozent an Student_innen weiter oder mache auch Workshops für Schulklassen etc. Jugendgruppen kommen zu uns, besichtigen die Recycling Börse und entwickeln selbst Ideen und setzen diese praktisch in der Werkstatt um. Dieses Mischkonzept läuft ganz gut, und mir macht es auch einfach Spaß, selbst praktisch zu arbeiten und die Lebensdauer von den Möbeleinzelteilen zu verlängern.

Was raten Sie anderen Designern, die sich auch auf diesen Weg machen möchten?
Auf jeden Fall dran bleiben! Viel zu viele junge Designer haben eine gute Idee, gehen damit auf Messen und Ausstellungen und lassen sich dann, wenn sich nicht sofort der Erfolg einstellt, abschrecken. Die Befürchtung, dann doch nicht davon leben zu können, gepaart mit den unliebsamen Themen wie Marketing, Verpackung, Schutzrechte lässt sie viel zu schnell aufgeben. Netzwerken ist hier das A und O, denn durch ein großes Netzwerk kann man sich gegenseitig motivieren und unterstützen.

Wie kann es gelingen, Upcycling/Recycling in der Wirtschaft und der Gesellschaft zu verankern?
Upcycling ist eine Nischenproduktion, weil es bisher schlicht und ergreifend arbeitsintensive Handarbeit ist, die nicht gewinnorientiert ist. Es ist für große Produzenten daher einfacher und kostengünstiger, immer neues Material zu verwenden, als sich mit gebrauchten vielschichtigen Materialien abzumühen. Wir haben einmal versucht, die "Frank-Regale" in größerem Maßstab mit großen Maschinen zu produzieren, aber das machen diese Maschinen nicht mit, denn da muss das Material immer gleich sein... Upcyling läuft wirtschaftlich gesehen neben der Spur ;-)
Aber das Konsumverhalten ändert sich, als wir anfangs das "Frank-Regal" gebaut haben, fragten die Kunden noch, kann man das auch in weiß lackiert bekommen? Mittlerweile sind die Kunden begeistert vom Charme dieser Möbelstücke, der Einzigartigkeit durch die Gebrauchsspuren und der Nützlichkeit durch den modularen Aufbau, der sich jeder Wohnung anpassen kann.

Inzwischen kommen auch Unternehmen zu uns und fragen, was kann man z.B. aus alten gebrauchten Mülltonnen machen? Wir haben daraus Lounge Möbel entwickelt, die so erfolgreich waren, dass der Mülltonnenhersteller schon überlegte, in die Möbelbranche einzusteigen - Spaß ;-). Oder neulich kam ein Linoleumhersteller zu uns und fragte, ob wir eine Idee hätten, was man aus den Resten, die bei der Produktion anfallen, machen könnte.

Was ist Ihre Vision für die Zukunft?
Das Problem liegt im Konsumverhalten. Das Streben nach immer günstigeren und immer mehr Produkten - das kann auf die Dauer einfach nicht gut gehen. Insbesondere weltweit betrachtet. Die Massenproduktion von Möbeln, die Möbel-Discounter haben dazu geführt, dass Möbel ein Wegwerfprodukt geworden sind. Wir müssen viel regionaler denken, produzieren und konsumieren, sonst kommt man aus dieser Konsumspirale nicht heraus. Für meinen Bereich empfehle ich: Kauft Design-Klassiker, gebt viel Geld dafür aus, dann schmeißt ihr es auch nicht so schnell wieder weg. Möbel sollte man möglichst lange behalten - am besten bis zum Tod. Meine Idee dazu ist, einen Schrank so zu bauen, dass er später auch als Sarg verwendet werden kann, dann nimmt man seine alten Möbel mit ins Grab.

Vielen Dank für das Interview!

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Autorin / Autor: Redaktion; Oliver Schübbe, Bild: Andreas Neumann - Stand: 12.6.2017
 
 
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